Gerbrunn

Gerbrunn: Parkplatz oder Sozialzentrum am Apostelweg?

In der Gemeinde ist man uneins, was mit einem Grundstück am Apostelweg geschehen soll. Eine Wohnbebauung scheiterte an einem Bürgerbegehren
Noch sind die sechs Parkplätze vor dem brachliegenden Grundstück am Gerbrunner Apostelweg gesperrt. Foto: Jörg Rieger

Aus der Vogelperspektive sieht das Grundstück in Gerbrunn aus wie ein Segelschiff. Es sollte 2016 mit sechs Doppelhaushälften und einem der örtlichen Eichendorffschule zugeschriebenen Bereich "davonfahren". Doch daraus wurde nichts: Ein Bürgerbegehren hat das Vorhaben damals gestoppt. Seitdem liegt die Fläche brach. Nun sollen zumindest die sechs vorhandenen Parkplätze auf der Friedhofsseite freigegeben werden, die derzeit noch von einem Bauzaun blockiert werden.

"Die Konstellation ist verzwickt", sagt der Gerbrunner Bürgermeister Stefan Wolfshörndl (SPD): "Vielen ist nicht bewusst, dass uns das Grundstück gar nicht gehört. Daher sind wir in unseren Entscheidungen auch nicht frei." Eigentümerin ist die evangelische Landeskirche, die dort jahrzehntelang einen Kindergarten betrieben hat. Doch irgendwann war das hölzerne Gebäude nicht mehr tragbar. 2015 wurde es abgerissen.

Die Gemeinde errichtete in Eigenregie einen Kindergarten

Die Gemeinde errichtete in Eigenregie einen Kindergarten mit Krippenplätzen auf einem ihrer Grundstücke am Kirschberg – und überließ die Trägerschaft weiter der evangelischen Kirche. Was blieb, war das besagte Grundstück am Apostelweg im Ortsinneren.

Günter Seufert und Herbert Brand, beide Jahrgang 1941, haben damals das Bürgerbegehren mitinitiiert. Jetzt stehen sie, die in der Nähe wohnen, wieder an Ort und Stelle. Auch wenn der Baubedarf im Speckgürtel von Würzburg zuletzt weiter angestiegen ist: "An den damaligen Gründen unseres Begehrens gegen eine Wohnbebauung an dieser Stelle hat sich nichts geändert", sagt Seufert. Einen neuen Kindergarten können sich die Herren auf dem Grundstück vorstellen, aber auch Parkplätze oder einen (Mehrgenerationen-)Spielplatz.

"Das ist kein geeigneter Standort für ein Seniorenheim"

In jedem Fall legen sie Wert darauf, dass es weiterhin Gemeinbedarfsfläche bleibt. Vor rund einem Jahr gab es bereits einen ersten Anlauf für den Neubau eines Sozialzentrums mit Tagespflegeeinrichtung und betreuten Wohngemeinschaften. "Das ist kein geeigneter Standort für ein Seniorenheim, weil der Weg in den Ortskern steil abfallend ist", findet Brand, der genau wie Seufert 24 Jahre für die CSU im Gemeinderat saß.

Bürgermeister Wolfshörndl ist – genau wie andere örtliche Volksvertreter – dezidiert anderer Meinung. "Das Grundstück liegt zentral und dadurch mitten im Gemeindeleben. Ich finde, dass solche Einrichtungen nicht irgendwo an den Ortsrand gehören", so Wolfshörndl. Eines ist für den 46-Jährigen klar. "Bei uns in Gerbrunn, aber auch gesellschaftlich geht der Trend in Richtung Innen- vor Außenentwicklung. Daher wäre es viel zu schade, in dieser zentralen Lage einen großen Parkplatz oder auch einen kleinen Park zu errichten, der dann womöglich meistens verwaist ist." Und für einen weiteren, viergruppigen Kindergarten, der in Gerbrunn entstehen soll, sei die Fläche zu klein.

Ende September findet ein öffentlicher Workshop zur Innenentwicklung Gerbrunns statt

Der Diskurs um das brachliegende Grundstück wird womöglich schon bald wieder an Fahrt aufnehmen. Ende September findet ein öffentlicher Workshop zur Innenentwicklung Gerbrunns statt. Die Gemeinde hatte im Sommer die Eigentümer von rund 80 freien Grundstücken im Ort zu etwaigen Veräußerungs- oder Bauvorhaben angeschrieben – und nach eigener Aussage einen guten Rücklauf erhalten.

Mit der evangelischen Landeskirche als Eigentümerin des Grundstücks am Apostelweg sei man schon lange in Gesprächen, bekräftigt Wolfshörndl. Er gehe aber davon aus, dass erst der im Frühjahr neu gewählte Gemeinderat darüber entscheidet, was tatsächlich darauf passiert. Die Parkplätze jedenfalls würden der Öffentlichkeit schon bald zur Verfügung stehen. "Im Gegenzug mähen wir ab und an das Grundstück", berichtet der Bürgermeister.

In den nächsten Wochen werden die gepflasterte Fläche noch zum Abstellen für Baufirmen benötigt, die zwei nahe Kreuzungen neu asphaltierten und den Hartplatz der Schule sanieren. Danach erfolgt die Freigabe. Brand und Seufert jedenfalls sind für den Moment zufrieden. Denn auch sie hatten sich bei der evangelischen Kirche für die Freigabe der Parkmöglichkeiten eingesetzt.

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