Gerbrunn

Gerbrunner besichtigen Weimar

Die Gerbrunner vor dem Goethe-Haus am Frauenplan in Weimar. Foto: Thomas Finkenberger

Seit 29 Jahren lädt die Freie Wahlgemeinschaft Gerbrunn (FWG) zum Besuch eines Weihnachtsmarktes in Deutschland ein. Begonnen hat diese Tradition nach der Wiedervereinigung 1990 mit dem Besuch des Markts in Seiffen (Erzgebirge). Dresden, Leipzig, Erfurt, die Wartburg, Regensburg, Köln, Michelstadt waren in den fast drei Jahrzehnten weitere Ziele des Tagesausflugs. In diesem Jahr war Weimar in Thüringen angesagt. 75 Teilnehmer konnten die FWG-Gemeinderäte Reinhard Kies und Günter Kraft begrüßen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar war die erste Station des Tages. Viele Gebäude, Häftlingsunterkünfte, Folterkammern aller Art waren auf dem riesigen Gelände nicht mehr zu besichtigen. Ehrenamtliche Mitarbeiter vom Förderverein Gedenkstätte Buchenwald vermittelten gleichwohl bei ihrer Führung durch das Gelände einen tiefen Einblick in die Ausmaße des Lagers und des verbrecherischen Geschehens vor 80 Jahren. 600 000 Häftlinge aus ganz Europa waren dort von 1937 bis 1945 inhaftiert, 60 000 wurden ermordet oder kamen durch Krankheit und Hunger um. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Häftlinge betrug sechs Monate. Im Krematorium, in den Räumen für medizinische Versuche am Menschen und in den Genickschuss-Kammern brauchte es keine langen Erklärungen. Das Grauen und die tiefe Abscheu vor den NS-Verbrechen erfassten jeden Besucher.

Betroffenheit und Dankbarkeit

Viele der älteren Gerbrunner waren zum ersten Mal als Besucher in einem ehemaligen KZ. Sie waren sehr betroffen und zugleich dankbar, die Fahrt nach Buchenwald angetreten zu haben. Entgegen manchen Äußerungen aus dem rechtsnationalen Lager, sei auch die ältere Generation bereit, sich mit den Verbrechen der Nazizeit auseinanderzusetzen. Die Zahl der Besucher in Buchenwald, jährlich rund 500 000, nimmt von Jahr zu Jahr zu, Zeichen eines aufgeschlossenen, wachsenden politischen Bewusstseins.

Am Nachmittag lernten die Gerbrunner bei ähnlich qualifizierten Führungen die Klassiker-Stadt Weimar kennen. Gäste aus der ganzen Welt besuchen heute die Stätten, an denen Goethe und Schiller, Herder und Wieland gelebt und geschrieben haben. Besuche in der Amalien-Bibliothek und im Bauhaus-Museum müssen Monate vorher angemeldet werden. Auf dem Weihnachtsmarkt war spannend zu beobachten, wie ein Kind auf der langen Drehleiter der Weimarer Feuerwehr ein Advents-Fenster in der Rathaus-Fassade öffnen durfte. Die GeRbrunner Freien Wähler werden auch im nächsten, dem 30. Jahr ein neues Ziel ansteuern.

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