Ochsenfurt

Geschäftsaufgabe: Die Ochsenfurter Altstadtdrogerie schließt

Fast vier Jahre lang betrieb Tim Krüger das Geschäft in der Hauptstraße. Der ausbleibende Umsatz zwingt ihn jetzt zur Schließung. Wie soll es mit dem Laden weiter gehen?
Die Altstadtdrogerie in Ochsenfurt schließt nach rund vier Jahren.
Die Altstadtdrogerie in Ochsenfurt schließt nach rund vier Jahren. Foto: Claudia Schuhmann

Vor ungefähr zwei Wochen hat Tim Krüger eine bittere Entscheidung getroffen: Er schließt seine Drogerie in der Ochsenfurter Altstadt. Zum Herbstmarkt am 8. September hat das Geschäft zum letzten Mal geöffnet, bis dahin sollen möglichst alle Waren abverkauft sein. Abgezeichnet habe sich dieser Schritt aber schon früher, äußert sich der Inhaber gegenüber der Redaktion. Der Umsatz trug das Geschäft nicht mehr, und zwar bereits seit längerer Zeit.

Tim Krüger glaubt den Grund für den Umsatzrückgang zu kennen: die Sperrung der Neuen Mainbrücke zum Zwecke des Neubaus ab März 2016. Mit einem Mal seien deutlich weniger Kunden in die Drogerie gekommen, sagt Krüger. Er spricht von einem Umsatzrückgang von 35 Prozent. Vorher seien die Umsätze durchaus zufriedenstellend gewesen. Anfang Oktober 2015 hatte Tim Krüger in dem Haus, in dem zuvor lange Zeit der Drogeriemarkt Müller ansässig gewesen war, als Franchisenehmer von "Ihr Platz"das neue Geschäft eröffnet.

Zunächst liefen die Geschäfte gut

Damals war seine Initiative von vielen Seiten begrüßt worden, denn eine Drogerie in der Altstadt fehlte vielen Bürgern, nachdem dort mit dem Auszug sowohl des Müller-Marktes als auch der früheren Ihr-Platz-Filiale in der Hauptstraße gar kein derartiges Angebot mehr vorhanden war. Mit einer Marktanalyse waren zuvor die Erfolgsaussichten ausgelotet und die Wünsche der potenziellen Kunden abgefragt worden.

Der Ausverkauf in der Drogerie läuft.
Der Ausverkauf in der Drogerie läuft. Foto: Claudia Schuhmann

Zunächst wurde die neue Drogerie gut angenommen. Tim Krüger startete mit einer Vollzeitkraft, vier Teilzeitkräften und sich selbst als Verkaufspersonal. Zum Schluss seien es nur noch drei Mitarbeiter gewesen, sagt Krüger. Er habe noch abgewartet, ob sein Geschäft mit der Eröffnung der Neuen Mainbrücke wieder mehr Zulauf erhalte, doch der sei ausgeblieben. Die Kunden, die während der Bauzeit woanders eingekauft hätten, seien nicht wieder gekommen.

"Viele Kunden haben die Preisunterschiede nicht verstanden."
Tim Krüger, Inhaber der Altstadtdrogerie

"Ich mache keinem Ochsenfurter Bürger einen Vorwurf, aber irgendwann kann man den Laden einfach nicht mehr weiter führen", erklärt Krüger seinen Schritt. Er glaubt zu wissen, dass der Rückgang auch den etwas höheren Preisen in seiner Drogerie geschuldet war. Anfangs sei der Wareneinkauf über "Ihr Platz" gelaufen, doch diese Möglichkeit habe sich 2017 zerschlagen. Krüger als Einzelkämpfer musste sich einen neuen Händler suchen und firmierte seither unter dem Namen "Altstadtdrogerie".

Die Waren wurden aus Norddeutschland angeliefert. Da die Ochsenfurter Drogerie von dort extra angefahren werden musste, wurden Aufschläge fällig, die der Inhaber an seine Kunden weitergeben musste. "Viele Kunden haben die Preisunterschiede nicht verstanden", sagt Krüger. Weil er immer wieder privates Geld zuschießen musste, bestellte er bestimmte Waren, die nur wenig Kaufinteressenten fanden, schließlich nicht mehr. Ergebnis: Die wenigen, die genau diese Waren wollten, wurden enttäuscht und kamen auch nicht mehr. "Dann muss man irgendwann sagen: Jetzt ist Schluss", sagt Krüger und lässt durchblicken, dass ihm auch die Konkurrenz außerhalb der Altstadt das Leben nicht unbedingt leichter gemacht habe.

Die Drogerie hatte viele Stammkunden

Im Dezember ist der gelernte Einzelhändler selbst in eine andere Sparte gewechselt. Für einen Getränkefachmarkt arbeitet er als Bezirksleiter, auch das ein Job mit Verantwortung für etliche Mitarbeiter. Dass er seine Angestellten aus der Drogerie nicht weiter beschäftigen kann, macht ihn nicht froh. "Ich bin meinen Mitarbeitern sehr dankbar, dass sie bis zum Schluss so engagiert dabei geblieben sind", sagt er.

Eine dieser Mitarbeiterinnen ist Marion Jutzi, die von Anfang an im Geschäft gearbeitet hat und sich jetzt einen neuen Job suchen muss. Gern wäre sie bis zur Rente in der Altstadtdrogerie geblieben. "Es hat so viel Spaß gemacht", sagt sie. "Wir hatten viele Stammkunden. Vor allem ältere Leute, die nicht so weit laufen können." Und was hat Tim Krüger, dem das Haus in der Hauptstraße gehört, jetzt mit dem Ladengeschäft vor? Derzeit liefen zu diesem Thema Gespräche, sagt er nur.

Bürgermeister Peter Juks zieht seinen Hut vor Tim Krüger, der den mutigen Versuch unternommen hat, eine inhabergeführte Drogerie in der Altstadt zu etablieren. "Er hat es probiert, aber es hat ja keinen Sinn, wenn es nicht angenommen wird", so Juks gegenüber der Redaktion. Das Beispiel vertiefe die Erkenntnis, dass Branchen mit einem Massensortiment wie etwa Lebensmittel und Drogeriewaren in der Altstadt nicht mehr funktionieren könnten. Mit kleinen Verkaufsflächen, entsprechend beschränktem Sortiment und kaum Parkplätzen seien solche Geschäfte schlicht nicht konkurrenzfähig. Die Altstadt werde sich umstrukturieren müssen, hin zum Tourismus und kleinen Fachgeschäften, meint Juks.

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