WÜRZBURG

Geschäftsleute wollen neue Straba

Derzeit noch Vision, in ein paar Jahren schon Realität? So könnte vor der Residenz die Straßenbahn von der Theaterstraße in die Balthasar-Neumann-Promenade einbiegen.Fotomontage WVV
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traßenbahn und Fußgängerzone in der Theaterstraße? Kein Problem – zumindest für den Bund der Selbstständigen und die betroffenen Geschäftsleute. Die Forderung der Anlieger gehen sogar über die bisherigen Straba-Pläne für die Linie 6 hinaus: An Stelle einer Auto-Fahrspur Richtung Bahnhof zwischen Ludwigstraße und Semmelstraße soll nach den Wünschen der Gewerbetreibenden die Theaterstraße komplett autofrei werden.

Thomas Schäfer hat eine Mission: Der WVV-Geschäftsführer ist in diesen Wochen fast täglich unterwegs, um möglichst viele Würzburger frühzeitig über das Projekt Frauenland-Straßenbahn zu informieren. Dabei erlebt er nicht nur kritische Fragen und Widerstand, sondern zunehmend positive Resonanz. Dass gegen eine mögliche Verlegung der Ottostraße samt Straba-Trasse durch das Glacis bislang kein Widerspruch kam, hat nicht nur Schäfer überrascht.

Jetzt sprach er auf Einladung des Bundes der Selbstständigen im Bürgerspital über die Straba-Pläne und wurde dabei mit einer unerwarteten Entwicklung konfrontiert. „Es gibt bei uns einen vollkommenen Konsens für die Straßenbahn“, sagte Charlotte Schloßareck, Vorsitzende des Selbstständigen-Bundes.

Zwei der drei Trassen, zwischen denen sich der Stadtrat am 22. Juni entscheiden will, führen von der Juliuspromenade durch die Theaterstraße zur Residenz. Bislang ist geplant, den unteren Teil zwischen Barbarossaplatz und Textor-/Semmelstraße vollständig zur Fußgängerzone zu machen.



Im oberen Teil bis zur Ludwigstraße ist eine Auto-Fahrspur mit Einbahnverkehr Richtung Bahnhof vorgesehen. Damit können sich die Geschäftsleute in der Theaterstraße nicht anfreunden, sie fordern eine komplette Verkehrsberuhigung, allen voran Bürgerspital-Wirt Peter Wiesenegg. Der Grund: „Straßenbahn und Einbahnregelung waren der Tod der Sanderstraße“, so Schloßareck.

„Darüber war ich erstaunt. Der Handel interpretiert die Chance einer Verkehrsberuhigung besser als das Risiko, nicht mehr direkt mit dem Auto erreichbar zu sein“, sagte Thomas Schäfer tags darauf, als er bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) über die Pläne sprach. Dabei berichtetet er von einem weiteren Erfolgserlebnis: Seit einem Gespräch habe neuerdings auch der Pfarrer der Kirche „Unserer Lieben Frau“, der von der Kanzel gegen eine Trasse am Frauenlandplatz gewettert hatte, keine Bedenken mehr gegen eine Straßenbahn vor seiner Kirche.

Schäfer erläuterte bei der IHK Sinn und Zweck einer Straba-Verbindung zwischen Innenstadt, Hubland-Uni und den Konversionsflächen des Leighton-Areals. Schon heute transportieren die teilweise überfüllten Busse zwischen Innenstadt und Hubland an Werktagen rund 18 000 Fahrgäste: „Das entspricht der ICE-Verbindung zwischen Frankfurt und Köln.“ 500 000 Buskilometer und damit gut 300 000 Liter Diesel mit den dazugehörigen Umweltbeeinträchtigungen könnten durch die Straßenbahn im Frauenland eingespart werden.

Schäfers Botschaft: Trotz Straßenbahn bleibe die Innenstadt mit dem Auto gut erreichbar, „manche werden sich aber einen neuen Weg suchen müssen“. Außerdem müsse niemand im Frauenland, auf der Keesburg oder in Gerbrunn befürchten, vom Öffentlichen Personennahverkehr abgehängt zu werden. „Wir werden aber alle Stadtteile weiter mit einer geeigneten Busversorgung anbinden“ versprach „Straba-Missionar“ Schäfer.

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