WÜRZBURG

Gewaltfantasien bei den „Soldiers of Odin“

Das Kürzel auf dem Shirt steht für „Soldiers of Odin Germany“.
Das Kürzel auf dem Shirt steht für „Soldiers of Odin Germany“. Foto: Wolfgang Jung

 Die „Soldiers of Odin“ wollen, so bekunden sie, für mehr Sicherheit auf Würzburgs Straßen sorgen , Obdachlosen helfen und bedürftige Tierhalter unterstützen. Recherchen dieser Redaktion ergeben, dass diese Gruppierung, Ableger einer rassistischen Bürgerwehr, die in Nordamerika, Australien und Europa agiert, nicht so gemeinnützig ist, wie sie sich hierzulande gibt.

„Zunge abschneiden“, „Hände abhacken“

Diese Redaktion hatte Einblick in die geheime Facebook-Gruppe der „Soldiers of Odin Germany Division Bayern“ und in nichtöffentliche Facebook-Beiträge einzelner Mitglieder. Da ist zu lesen, dem Autor dieser Zeilen solle man die „Zunge abschneiden“ und die „Hände abhacken, damit er keinen Schaden mehr anrichten“ könne. Ein Mitglied empfiehlt, „diesem sogenannten Journalisten (…) drei Stunden Waterboarding in einer öffentlichen Toilette“ zu gönnen. Ein führendes Mitglied der „Soldiers of Odin“ in Bayern kommentiert die Anregung mit „So sieht's aus“.

Die Polizei nimmt diese Gewaltfantasien nicht ernst. „Bla, bla, bla“, kommentierte ein Sachbearbeiter. Diese Redaktion teilt diese Einschätzung.

„Soldiers of Odin“ hätten gerne mit „linken Ratten“ trainiert

Nach unserem ersten Bericht, gefolgt von Berichten in „Süddeutscher Zeitung“ und „Focus“, stieg die Zahl der Mitglieder der Facebook-Gruppe sprunghaft an. Rund 800 sind es derzeit. Dennoch brachten die „Soldiers of Odin“ nicht genug Leute zusammen, um am 4. November auf eine angekündigte Abend-Patrouille zu gehen. Ein Anführer bedauerte das am Nachmittag und schrieb, wenn sich spontan 20 Leute meldeten, „gehen wir gern ein bisschen trainieren“. Gemünzt war das offenbar auf die Antifa („linke Ratten“), die den „Soldiers of Odin“ in der Vorwoche einen Auftritt verdorben hat.

Auch sonst ist unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit viel von Gewalt die Rede. Mitglieder zeigen sich schwer bewaffnet in Tarnuniform oder wie sie mit Messer oder Schusswaffe hantieren. Einige beteiligten sich an Aktionen der extremistischen, vom Verfassungsschutz beobachten Rechten. Das zeigen Fotos, die dieser Redaktion vorliegen.

Mit Quarzsandhandschuhen gegen vermeintliche Christenverfolgung

Manche verherrlichen die Wehrmacht, äußern sich auf rassistische Weise über Geflüchtete und Muslime, beschwören eine „Christenverfolgung“ durch Muslime in Deutschland, verwenden verfassungsfeindliche Kennzeichen, kündigen massive Gewalt an oder bedauern, dass sie verboten ist. Einer vermeldet das Anschaffen von passiver Bewaffnung, ein anderer den Kauf von Quarzsandhandschuhen, einem beliebtem Schlag-Utensil der Türsteher- und Hooliganszene. Die Screenshots liegen dieser Redaktion vor.

Sie spielen die Not armer Leute gegen die Not von Flüchtlingen aus

Diese Redaktion entdeckte nicht einen Hinweis auf Verbindungen zu Wohlfahrtsverbänden, Institutionen, Einrichtungen und Initiativen, die sich seit Jahrzehnten für das Wohl armer Leute einsetzen. Ebenso fehlen Anzeichen dafür, dass sich Mitglieder der „Soldiers of Odin“ früher für Obdachlose oder im Tierschutz eingesetzt hätten.

Offenbar nutzt die Gruppe, wie viele aus dem rechtspopulistischen und rechtsradikalen Spektrum, die Not armer Leute, um sie gegen die Not von Geflüchteten auszuspielen. Es hat den Anschein, als wären die „Soldiers of Odin“ ein Versuch, der extremistischen Rechten einen gemeinnützigen Anstrich zu geben.

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