Würzburg

Gewinner und Verlierer: 9 Wahl-Überraschungen in Unterfranken

Viele Amtsinhaber haben am Sonntag triumphiert– aber nicht nur. Ein Überblick zu bitteren Wahlschlappen, knappen Rennen, neuen Gesichtern und den ältesten Bürgermeistern.
Die Erwartungen waren groß, letztlich hat es nicht gelangt: Martin Heilig, OB-Kandidat der Grünen in Würzburg, verfolgt im kleinen Kreis die Berichterstattung zur Wahl.  Foto: Daniel Peter

Wie bei jedem Wettbewerb gibt es auch bei Wahlen stets Gewinner und Verlierer. So auch bei dieser Kommunalwahl. Und während die Ergebnisse in einigen Gemeinden und Landkreisen am Sonntag wenig überraschend waren, gab es in Unterfranken doch auch einige kleine Sensationen. Wir haben die neun spannendsten Ergebnisse zusammengestellt. 

1. Schuchardt gelingt Wiederwahl in Würzburg im ersten Anlauf

Christian Schuchardt (CDU) bleibt Rathauschef in Würzburg. Dabei hatte der Amtsinhaber mit fünf Gegenkandidaten einiges an Konkurrenz. Es galt daher als sehr wahrscheinlich, dass es zu einer Stichwahl zwischen den beiden Bewerbern mit den meisten Stimmen kommen würde. Doch Schuchardt ließ gleich im ersten Wahlgang seine Kontrahenten hinter sich und erreichte mit 52 Prozent die absolute Mehrheit.

Damit sorgte der gebürtige Frankfurter bei den Grünen für eine bittere Überraschung. Denn diese rechneten fest damit, dass es ihr Kandidat Martin Heilig zumindest in die Stichwahl schaffen würde. Zweifelsohne zählt Schuchardt zu den großen Gewinnern des Wahlabends. Sein Schweinfurter Kollege Sebastian Remelé (CSU) konnte ebenfalls den ersten Wahlgang für sich entscheiden. In den Rathäusern der beiden größten Städte in Mainfranken bleiben die Konservativen also stark. 

Der alte und neue Oberbürgermeister der Stadt Würzburg Christian Schuchardt (CDU) spricht am im Rathaus in Würzburg mit Medienvertretern.  Foto: Daniel Peter

2. Bittere Niederlage für SPD: Westphal in Würzburg ohne Chance

Schon in den Wochen vor der Wahl zeichnete sich ab, dass die SPD-Kandidatin Kerstin Westphal nicht die gefährlichste Herausforderin für den amtierenden Würzburger Oberbürgermeisters sein würde. Dass sie allerdings weniger als fünf Prozent der Stimmen erreichen sollte, damit haben wenige gerechnet. Es ist ein historisch schlechtes Ergebnis für die Sozialdemokraten. Bei der Wahl vor sechs Jahren zog Muchtar Al Gusain für die SPD in die Stichwahl gegen Schuchardt und erreichte dabei ein Ergebnis von 44,3 Prozent der Stimmen. Vor Schuchardt stellten die Sozialdemokraten mit Georg Rosenthal sogar den Oberbürgermeister – davon wirkt die Partei nach dieser Wahl weit entfernt.

Kerstin Westphal (SPD) bei der Wahlarena dieser Redaktion im Vogel Convention Center. Foto: Silvia Gralla

3. Dienstältester Bürgermeister Mainfrankens im Amt bestätigt

Eine Überraschung ist es nicht, schließlich fehlte ein Gegenkandidat. Kurios ist es aber: Schon seit 36 Jahren ist Friedolin Link (CSU) Bürgermeister in Hausen (Lkr. Rhön-Grabfeld). Nun haben ihm die Wähler in der 700-Seelen-Gemeinde für weitere sechs Jahre ihr Vertrauen ausgesprochen. 82,91 Prozent der Stimmen bekam der 70-Jährige. Damit ist Link ein echtes Urgestein der Kommunalpolitik in Unterfranken. Nur Marianne Krohnen (CSU) aus Geiselbach (Lkr. Aschaffenburg) wurde ebenfalls zum siebten Mal in Folge zur Rathauschefin gewählt.

Friedolin Link ist seit 1984 Bürgermeister der Gemeinde Hausen in Rhön-Grabfeld. Er kandidierte 2020 zum siebten Mal und ist damit der dienstälteste Bürgermeister Unterfrankens. Foto: Corbinian Wildmeister

4. Grüner wird Bürgermeister in Wiesenbronn (Lkr. Kitzingen)

Während es den Grünen in Würzburg nicht gelang, das Rathaus zu erobern, waren sie damit in Wiesenbronn im Landkreis Kitzingen erfolgreich. Trotz guter Wahlergebnisse in der jüngeren Vergangenheit sind grüne Bürgermeister nach dieser Kommunalwahl in Bayern noch immer spärlich gesät. Und gerade in ländlichen Gebieten sagt man den Grünen geringe Erfolgschancen nach. Doch Volkhard Warmdt, Bezirksgeschäftsführer der Grünen, hat das Gegenteil bewiesen. Ihm ist es gelungen, sich gegen zwei Herausforder durchzusetzen. Erfreulich ist für die Grünen in Unterfranken sicher auch, dass Jens Macro Scherf, einer der ersten beiden grünen Landräte in Bayern überhaupt, sein Mandat im Kreis Miltenberg verteidigen konnte.

Volkhard Warmdt zieht als grüner Bürgermeister ins Wiesenbronner Rathaus ein. Foto: Julia Lucia

5. Quittung für rechte Postings: CSU-Kandidat verliert in Oberleichtersbach (Lkr. Bad Kissingen)

Wenige Wochen vor der Wahl sorgte Oliver Fell (CSU), Bürgermeisterkandidat in Oberleichtersbach (Lkr. Bad Kissingen),  für Wirbel. Es hagelte heftige Kritik, nachdem seine früheren Aktivitäten im Internet bekannt wurden. Über Facebook hatte er AfD-Postings und menschenfeindliche Hetze verbreitet. Erst im vergangenen Sommer trat Fell der CSU bei. Da seitdem keine neuen rechten Äußerungen von ihm bekannt geworden sind, hielt es die Partei auch nicht für notwendig, Abstand von ihrem Kandidaten zu nehmen. Von den Wählern erhielten Fell und die CSU allerdings die Quitting für die kruden Äußerungen im Netz: Gegenkandidat Dieter Muth (AWG) gewann die Wahl mit 73,6 Prozent.

6. Gegen den Trend: Starkes Ergebnis für SPD-Kandidaten im Raum Schweinfurt

Im Kreis Schweinfurt trumpften die Sozialdemokraten auf. Der amtierende Landrat Florian Töpper holte satte 73,2 Prozent der Stimmen. Die CSU konnte Töpper mit ihrem Kandidaten Lothar Zachmann letztlich nicht gefährlich werden. Und auch bei der Bürgermeisterwahl in Schonungen gab es Grund zum Feiern für die Sozis. Denn dort hat SPD-Bürgermeister Stefan Rottmann, der bei seinem Amtsantritt 2012 Deutschlands jüngster Bürgermeister war, die Wahl mit gewaltigen 82,9 Prozent der Stimmen gewonnen.

Florian Töpper ist einer von wenigen SPD-Landräten in Bayern. Foto: Anand Anders

7. Knappes Rennen: Wenige Stimmen entscheiden Wahl in Wiesentheid (Lkr. Kitzingen)

Wirklich knapp wurde es in Wiesentheid (Lkr. Kitzingen). Mit lediglich zwölf Stimmen Vorsprung gelang es Klaus Köhler (FWB), sich gegen den bisherigen Amtsinhaber Werner Knaier (CSU) durchzusetzen. Wiesentheid hat rund 3900 Wahlberechtigte, davon gaben etwa 2500 ihre Stimme ab.

8. Mieses Ergebnis für die Linke bei Landratswahl  

Simone Barrientos (Linke) kandidierte als Landrätin im Kreis Würzburg. Dass Barrientos ihre Bekanntheit als Bundestagsabgeordnete einige Stimmen beschert, wäre denkbar gewesen. Doch sie erreichte gerade einmal 2,1 Prozent der Stimmen und hatte damit das schlechteste Ergebnis der sechs Kandidaten. Darüber ärgere sie sich nicht, sagte sie am Wahlabend. Sie lag damit allerdings hinter dem AfD-Kandidaten, der im Wahlkampf besonders unscheinbar war und nicht einmal an einer öffentlichen Diskussionsrunde dieser Redaktion teilnehmen wollte.

Zum Vergleich: In Bad Kissingen kandidierte mit Manuela Rottmann (Grüne) ebenfalls eine unterfränkische Bundestagsabgeordnete für den Posten der Landrätin. Gewinnen konnte sie zwar nicht gegen den Amtsinhaber, erreichte aber mit 25,27 Prozent der Stimmen ein gutes Ergebnis.

Simone Barrientos (Linke) ärgert sich nicht über ihr Ergebnis bei der Landratswahl. Foto: Fabian Gebert

9. Freie Wähler lassen Federn im Spessart – und gewinnen in Bad Neustadt

Mit gerade einmal 31 Jahren hat es Michael Werner (Freie Wähler) geschafft, im ersten Wahlgang die Bürgermeisterwahl in Bad Neustadt (Lkr. Rhön-Grabfeld) für sich zu entscheiden. Dass es ohne Stichwahl klappen würde, damit hatte er selbst nicht gerechnet, sagt er. Werner beerbt damit Bruno Altrichter im Amt, der seit 1996 –ebenfalls für die Freien Wähler – das Rathaus in Bad Neustadt leitete. Aber nicht alle Kandidaten der Freien Wähler hatten so viel Erfolg in Unterfranken. Sowohl in Karlstadt als auch in Marktheidenfeld (Lkr. Main-Spessart) haben es die Kandidaten nicht geschafft, die Rathäuser wieder für ihre Partei zu gewinnen. 

Rückblick

  1. Kommentar: Warum Stichwahlen trotz Corona-Krise richtig sind
  2. Herrmann: Stichwahlen in Bayern sind vertretbar und notwendig
  3. Stichwahlen: Wer wird Landrat in Würzburg und Main-Spessart?
  4. Trotz Corona: Stichwahl-Ergebnisse noch am Wahlabend geplant
  5. Kolumne zur Wahl: Wenn die halbe Familie Bürgermeister ist
  6. Trotz Corona-Sperren: Stichwahlen finden statt
  7. Kommentar: Ein Dienstleister muss seinen Kunden kennen
  8. Unmut in Kommunen nach Problemen mit neuer Wahl-Software
  9. Entscheidung in Unterfranken: Hier sind am 29. März Stichwahlen
  10. Gewinner und Verlierer: 9 Wahl-Überraschungen in Unterfranken
  11. Software ließ so manchen Wahlhelfer verzweifeln
  12. Wilde Wahl in Breitbrunn und 73 Prozent für den Mann von Dorothee Bär
  13. Wahl in Unterfranken: Welche Lehren die Parteien ziehen können
  14. Stichwahlen nur per Brief: Wahllokale bleiben dicht
  15. So hat Unterfranken gewählt: Ein guter Tag für Amtsinhaber
  16. In Würzburg und Schweinfurt: Run auf die Briefwahl-Unterlagen
  17. Kommentar: Wer sich am Sonntag zur Wahl stellt, verdient Hochachtung
  18. Kommunalwahl in Unterfranken: Wo es am Sonntag spannend wird
  19. Angst vor Corona: So klappt es noch mit der Briefwahl
  20. Pro & Contra: Sollen Verwandte gemeinsam im Gemeinderat sitzen?
  21. Wahl: Warum Mutter und Sohn für den Stadtrat kandidieren
  22. CSU hält an umstrittenem Kandidaten in der Rhön fest
  23. Pro & Contra: Zu viele Berufspolitiker bei der Kommunalwahl?
  24. Umstrittener CSU-Kandidat in Oberleichtersbach: Parteispitze drückt sich
  25. Wahl in Unterfranken: Gute Aussichten für  CSU und Grüne
  26. Bürgermeister und Abgeordneter: Wie kann das funktionieren?
  27. Trotz Coronavirus: Kommunalwahl findet statt
  28. Kommunalwahl: Braucht es die Altersgrenze für Bürgermeister?
  29. Kommunalwahl: Sollen 14-jährige Schüler wählen dürfen?
  30. Das sind die häufigsten Fehler bei der Briefwahl
  31. Kolumne zur Wahl: Wenn der Kandidat morgens an der Haustür klingelt
  32. Kommunalwahl 2020: Tausende Wähler wollen Kandidaten in Unterfranken live erleben
  33. Trotz Politisierung: Warum nur wenige junge Leute in die Kommunalpolitik gehen
  34. Podiumsdiskussionen in Höchberg und Lohr
  35. Dieser Bürgermeister ist bald der dienstälteste in Mainfranken
  36. Friedel Link: Dienstältester Bürgermeister in Mainfranken: Bleibt er 42 Jahre im Amt?
  37. Kolumne: Wenn CSU-Funktionäre brechen müssen
  38. Kommunalwahl: So füllen Sie die Stimmzettel richtig aus
  39. Kolumne zur Wahl: Tritt die SPD wieder mit Rosenthal an?
  40. Was passiert, wenn auf dem Stimmzettel kein Kandidat steht
  41. Live: Wahlforen in Schweinfurt, Bad Neustadt und Dettelbach
  42. Oberbürgermeisterwahl 2020: Wer kandidiert in Schweinfurt?
  43. Czygan wählt: Wo der Stadtratskandidat für seine Kneipen wirbt
  44. Liveblog: Analysen und Ergebnisse zur Kommunalwahl in Unterfranken
  45. Czygan wählt: Wo Pommes und Iron in den Gemeinderat wollen
  46. Liveblog: Was Sie zur Kommunalwahl 2020 wissen müssen
  47. Unterfranken: In Breitbrunn will niemand Bürgermeister werden
  48. Kommunalwahl: Frauen scheitern oft, weil Frauen sie nicht wählen
  49. Herr Czygan wählt: Wenn der Stadtrat an der Gitarre reimt
  50. Neu: Newsletter "Czygan wählt" zur Kommunalwahl

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Corbinian Wildmeister
  • Bruno Altrichter
  • Bundestagsabgeordnete
  • Bürgermeisterwahlen
  • CDU
  • CSU
  • Christian Schuchardt
  • Dieter Muth
  • Facebook
  • Florian Töpper
  • Freie Wähler
  • Friedolin Link
  • Georg Rosenthal
  • Kerstin Westphal
  • Kommunalwahlen
  • Landräte
  • Lothar Zachmann
  • Marianne Krohnen
  • Michael Werner
  • Politische Kandidaten
  • SPD
  • Sebastian Remelé
  • Sozialdemokraten
  • Stefan Rottmann
  • Städte
  • Wahlberechtigte
  • Werner Knaier
  • Wähler
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!