Darstadt

Glasfaserausbau in Darstadt: Es ist möglich, aber teuer

Um solche Leerrohre, in die später die Glasfaserkabel eingezogen werden, geht es derzeit in Darstadt. Foto: Patrick Pleul, DPA

Welche Möglichkeiten zum Ausbau des Glasfasernetzes gibt es in Darstadt? Darüber informierte Andreas Wagenbrenner vom Büro Dr. Först Consult die Mitglieder des Bauausschusses in Ochsenfurt. Seine Kernaussage: Den Ausbau kann man schon vorantreiben, die entscheidende Frage aber ist, zu welchen Kosten.

Da in Darstadt überall Bandbreiten zwischen 30 und 100 Mbit/s erreicht werden, komme eine staatliche Förderung derzeit nicht in Betracht, erklärte Wagenbrenner. Die Stadt müsste den Ausbau also zur Gänze selbst finanzieren. Dazu kommen zwei Varianten in Betracht. Die erste: Die Gehsteige komplett aufgraben, um die Infrastruktur zu allen 80 Haushalten legen zu können. Das würde rund 480 000 Euro kosten, wovon der Tiefbau mit etwa 330 000 Euro den dicksten Brocken ausmachen würde - etwa 80 Prozent der Gesamtmaßnahme. Mit 150 Euro Kosten pro laufendem Meter rechnet Wagenbrenner, der folglich auf 6000 Euro pro Haushalt kommt. Für Wagenbrenner ist diese Variante daher eher theoretischer Natur.

Die Mitverlegung wäre deutlich günstiger

Eine günstigere Variante wäre die Mitverlegung der Leerrohre im Rahmen der Straßenbaumaßnahme, die in Darstadt läuft, derzeit aber unterbrochen ist. In diesem Fall wären die Tiefbaukosten deutlich niedriger. Wagenbrenner hat als groben Richtwert 50 Euro pro laufendem Meter angenommen und kommt so auf nur rund 2500 Euro pro Haushalt. Allerdings könnten bei dieser Mitverlegung nur 23 Haushalte angeschlossen werden. Die Gesamtkosten für die Stadt würden sich bei dieser Variante auf rund 54 000 Euro belaufen.

Andreas Wagenbrenner betonte, dass mit dieser Maßnahme nur ein infrastruktureller Zugang ermöglicht werde; ein Glasfaserkabel werde in diesem Stadium noch nicht verlegt. Die Anschlüsse müsse später der Netzbetreiber in Betrieb nehmen. Mit anderen Worten: Eine Erhöhung der Bandbreite würde zunächst nicht erreicht. Ob sich genügend Interessenten melden und sich dementsprechend ein Netzbetreiber findet, der die Glasfaserkabel in Betrieb nimmt, wäre also eine davon unabhängige Frage.

Die Arbeiten in Darstadt sind unterbrochen

Manfred Singer (CSU) merkte an, dass eigentlich staatlicherseits gefordert werde, bei Tiefbaumaßnahmen Leerrohre für Glasfaserkabel immer gleich mitzuverlegen. Im vergangenen Jahr sei "die Hälfte von Darstadt aufgegraben" worden, ohne Leerrohre mitzuverlegen, so Singer. Diese Verpflichtung gelte nur, wenn eine Maßnahme "geeignet" sei, sagte dazu Wagenbrenner. Außerdem würden Verstöße von niemandem sanktioniert.

Die Main-Donau-Netzgesellschaft, die auch in Darstadt das Stromnetz betreibt, ist dort seit 2018 mit Erdverkabelungsarbeiten beschäftigt. Wie die Pressestelle auf Nachfrage mitteilt, wurden beziehungsweise werden in zwei Bauabschnitten sowohl die Niederspannung (0,4-kV) als auch die Ortsverbindungsleitung Darstadt-Goßmannsdorf (Mittelspannung, 20-kV) verkabelt. Im ersten Bauabschnitt in den Jahren 2018/19 seien in dem Ortsteil fast ein Kilometer Mittelspannungskabel verlegt worden, um die Einspeisung von EEG-Anlagen zu ermöglichen, heißt es weiter.

2020 geht es in Darstadt weiter

Außerdem seien eine Netzstation ersetzt, drei neue Kabelverteilerschränke errichtet und die zwölf Anwesen im Bereich der Kabeltrassen mit einem Niederspannungs-Kabelhausanschluss versehen worden. Gleichzeitig seien eine Turmnetzstation und die Freileitung zwischen Darstadt und Goßmannsdorf mit 18 Masten entfernt worden.

Durch Nacharbeiten im Jahr 2019 und Verzögerungen bei der Vergabe habe sich der Zeitplan etwas nach hinten verschoben, heißt es außerdem aus der Pressestelle. Der zweite Bauabschnitt soll deshalb im Jahr 2020 in Angriff genommen werden. In diesem sollen die restlichen neun Anwesen mit Hausanschlüssen ausgestattet und dann die Verkabelung durchgeführt werden. Rund 800 Meter Kabel werden dann verlegt.

Es könnte wieder Förderprogramme geben

Eine Mitverlegung wäre demnach erst 2020 möglich. In der Zukunft sind aber auch staatliche Förderprogramme wieder denkbar, allerdings zu einem aktuell noch nicht absehbaren Zeitpunkt. Barsom Aktas (UWG) glaubt, dass es viel Geld geben würde, wenn Darstadt unter ein solches Förderprogramm fallen würde. Bert Eitschberger (SPD) meint, dass durch die kostengünstige Mitverlegung so viel Geld gespart werden könnte, dass man mit dieser Variante finanziell sowieso in die Nähe einer Förderung kommen würde.

Bürgermeister Peter Juks (UWG) sieht vor allem einen emotionalen Hintergrund: Manche Bürger würden sich einfach ärgern, wenn die Straße mehrmals aufgerissen werde, sagte er. Einen Beschluss musste der Ausschuss nicht fassen; der Tagesordnungspunkt diente lediglich der Information.

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