Ochsenfurt

Glosse: Der frühe Vogel soll den Schnabel halten

In den letzten Tagen war es ziemlich mild. So mild, dass manche Vögel schon den Frühling einleiten. Das sollten sie aber besser bleiben lassen.
Ja, ist denn schon Frühling? Der eine oder andere Vogel lässt bei milden Temperaturen bereits im Januar seine Stimme hören. Foto: Patrick Pleul, dpa

Vor ein paar Tagen, am Morgen. Es ist noch fast dunkel. Fenster auf, ein erster Blick in den Innenhof mit der Birke und dem Efeu an der Wand. Und dann das: Ein Vogel singt. Mitte Januar. In Ochsenfurt. Völlig verunsichert wird der Wecker untersucht, denn der hat einen Weck-Modus mit Vogelgesang. Aber der Wecker schweigt. Es ist ein echter, lebendiger Vogel, der beschlossen hat, dass Frühling ist. "Na, Du wirst Dich noch wundern", denke ich.

Der optimistische Vogel (übrigens mit ziemlicher Sicherheit kein Kauz) ist nicht das einzige Geschöpf, das auf die frühlingshaften Temperaturen prompt reagiert. Ich treffe auf einen Mann in kurzen Hosen, auf einen Jogger im T-Shirt und auf eine Katze, die mitten auf der Straße auf einem Kanaldeckel schläft. Der eine oder andere Frühblüher macht sich offenbar ebenfalls schon startklar (ist aber schwer zu sagen, mit Pflanzen kenne ich mich nicht so aus), und begeisterte Autofahrer stehen Schlange an den Waschanlagen.

Der Vogel hat's kapiert

Wir leben nun mal in Breiten, die für den Monat Januar traditionell andere Temperaturen vorsehen. Anderswo würden zwölf Grad Außentemperatur - egal, in welchem Monat - die Bewohner in eine Art winterliche Schockstarre versetzen. Ich war mal Anfang April auf Sizilien, da hatte es um die 20 Grad, und die Leute trugen leichte Daunenjacken; davon gibt es übrigens Beweisfotos.

Aber zurück zu dem frühen Vogel, den der frühlingshafte Übermut bereits derart gepackt hat, dass er mittlerweile sogar schon unseren Meisenknödel verschmäht: Heute morgen hat er einen Dämpfer bekommen. Da war es draußen, wenn auch nicht gerade klirrend kalt, aber doch zumindest wieder spürbar frisch. Das hat unserem Vogel offenbar missfallen. Er hat hoffentlich eingesehen, dass die Zeit der Brautschau und des Nestbaus noch nicht gekommen ist, und den Schnabel gehalten. Besser ist das.

Zumindest für ihn. Mir hat sein Gesang ja gefallen, aber die paar Wochen, bis der wirkliche Frühling kommt, werde ich jetzt auch noch so zurecht kommen. Und für den Notfall kann ich ja meinen Wecker in Betrieb setzen - mit dem Vogelgesang-Modus.

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