Ochsenfurt

Glosse: Keine Geschenke für die Ochsenfurter Stadträte

Weihnachten ist, wenn jeder ein Geschenk von jedem bekommt. Man kann es aber auch anders machen und Dritte in den Genuss einer milden Gabe kommen lassen.
Gute Taten statt noch mehr Geschenken: So denken auch einige Ochsenfurter. Foto: Ralf Hirschberger, dpa

Alle Jahre wieder kommt sie, die Kritik an der Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes. Zu wenig denken wir an Sinn und Ursprung der Feiertage, zu viel an Plätzchen, Glühwein, Gänsebraten und Geschenke, heißt es. Vor allem an Geschenke. Dabei hat die vorweihnachtliche Bescherungs-Euphorie (zumindest gefühlt) in den letzten Jahren doch ziemlich nachgelassen.

Früher, so erinnere ich mich, war ein wilder Verschiebebahnhof für Weihnachtsgeschenke im Gange. Firma A schickte eine Kiste mit Rotwein an Firma B, Firma B schickte eine Kiste mit Weißwein an Firma C, während Firma C Kisten mit Marzipankonfekt an die Firmen A, B, D und E schickte. Alle zusammen freuten sich über die Kisten von Firma F, die Likör enthielten und an sämtliche Geschäftspartner mit der gleichen Postleitzahl gingen.

Lieber was für den guten Zweck

Heute ist das anders. Da schicken alle Firmen eine Weihnachtskarte, auf der geschrieben steht, dass man sich entschieden habe, statt des üblichen Geschenks eine Spende an eine gemeinnützige Organisation zu schicken. Ich finde, das kann man nicht nur verkraften, sondern sogar begrüßen. Den Präsentkarton-Tourismus zugunsten eines wohltätigen Zwecks einzustellen, hilft eigentlich allen Beteiligten.

Im Ochsenfurter Rathaus hat man sich diesem Trend weitgehend angeschlossen. In der letzten Stadtratssitzung des Jahres verkündete Verwaltungsleiter Wolfgang Duscher, die Stadträte müssten heuer auf ihr Weihnachtsgeschenk von der Stadt verzichten. Der entsprechende Geldwert soll dem Förderverein der Ochsenfurter Main-Klinik zugute kommen, der damit kostenlose Operationen für Kinder und Jugendliche aus Kriegs- und Krisengebieten unterstützt. Eine Idee des im Krankenstand befindlichen ersten Bürgermeisters Peter Juks, sagte Duscher.

Eine Schneekugel aus München

Dabei war den Stadträten selbst schon genau die gleiche Idee gekommen. Joachim Eck brachte die Kunde, dass auch der Bürgermeister diesmal kein Weihnachtspräsent seines Stadtrats erwarten könne. Dafür dürfen sich Burkard Freitag und Klaus Meyer freuen, die jeweils Hilfsprojekte im Ausland betreuen und dafür den entsprechenden Geldbetrag erhalten. Einzuwenden hatte keiner was, im Gegenteil: Alle schienen zufrieden.

Um die weihnachtliche Stadtratssitzung dennoch nicht ganz ohne die traditionelle Übergabe eines Präsentes enden zu lassen, gab es vom Stadtrat für Rosa Behon, die die Sitzung in Vertretung von Peter Juks geleitet hatte, eine prächtige Orchidee. Und von Volkmar Halbleib eine Schneekugel. Entweder, der SPD-Landtagsabgeordnete hatte daran keine rechte Freude, oder er wollte der zweiten Bürgermeisterin von der CSU diese schöne Gabe einfach ganz selbstlos überlassen: Die Schneekugel war ihrerseits ein Präsent des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Es ist anzunehmen, dass mit dieser Lösung alle Beteiligten zufrieden sind. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten.

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