WÜRZBURG

Glosse: Warum Radfahrer jetzt um ihr Monopol bangen

Neben Fahrrädern werden bald auch andere Fahrzeuge auf Würzburgs Radwegen unterwegs sein. Ob das gut geht? Foto: Steffen Trumpf, dpa

Schon einmal über Bitcoins nachgedacht? Oder darüber, sich bei Zuckerbergs Kreativ- und Datenklauparadies Facebook anzumelden? Können Sie wahrlich alles vergessen! Dieser Hype ist vorbei, da verpasst keiner mehr etwas, wenn er nicht mitmischt.

An der hiesigen Verkehrsfront sieht es etwas anders aus. Da können Sie als Vorreiter mit dabei sein. Denn hier tut sich was in Sachen Mobilität. Na ja, genau genommen ist es keine städtische Erfindung. Das wäre ja auch der Knaller gewesen, wenn Würzburg mit einem innovativen Verkehrskonzept vorprescht. Nein, der Bundesrat hat den Weg für die sogenannten E-Scooter frei gemacht. Und wenn man dem Rathaus Glauben schenken mag, werden die bald auch durch die Stadt flitzen. Schon jetzt hätten drei große Anbieter beim Rathaus angeklopft, um ihr Gefährt zum Ausleihen irgendwohin zu parken.

Shoppingmobil mit begrenzten Möglichkeiten

Und spätestens dann wird Würzburg so richtig umweltfreundlich, wenn es um den Verkehr geht. Dann können beispielsweise alle mit emissionsfreien Tretrollern zum Shoppen fahren. Kaufen kann man allerdings nur eine Scheibe Toastbrot oder maximal noch ein Leberkäsweck – vielleicht sogar mit a Bisserl Senf, kurz ABS - was der Tretroller laut Sicherheitsrichtlinien übrigens nicht haben muss. Obwohl das im Kampf auf der Löwenbrücke ganz gut wäre. Diese teilen sich Radfahrer, Fußgänger, Autos, die Straba, Busse und dann noch die E-Roller. Aber vielleicht gibt es ab Sommer gar kein Platzproblem. Schließlich wollen die Verkehrsbetriebe traditionell wieder ihre Preise erhöhen. Böse Zungen behaupten, dass dann eh kein Mensch mehr den ÖPNV nutzt.

Radfahrer ahnen Böses

Dennoch bekommen Radfahrer zittrige Knie und wackeln nervös auf ihren abgesessenen Satteln. Sie bekommen mit den Rollern einen Konkurrenten auf den in Würzburg seltenen Fahrradwegen. Das Monopol wird aufgerissen! Und mit Radfahrern ist jedenfalls nicht zu spaßen, wie die „Besitzansprüche“ der Alten Mainbrücke zeigten.

Redakteurin Manuela Göbel kommt mit dem E-Roller bereits bestens zurecht. Foto: Thomas Obermeier

Lässt sich ein blutiger Kampf auf dem Radweg also vermeiden? Deutschland wäre nicht Deutschland und Würzburg nicht Würzburg, wenn es dafür nicht Regeln geben würde. Zwei E-Scooter-Schilder sind schon geplant. Damit wird unser Verkehrssystem bald unübersichtlicher als eine Ikea-Aufbauanleitung: Schilder für Fußgänger, Fahrradfahrer, E-Tretroller, E-Skateboards und in Kürze auch für Flugtaxis. Wer soll da noch durchblicken?

Und bevor der erste Scooter überhaupt legal durch Würzburg rollen darf, gibt es sogar schon einen Bußgeld-Katalog. Echt wahr!

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