Glosse: Wie die Heizdecke den Lebenspartner aussticht

Es ist zwar romantisch, seine kalten Füße vom Lebenspartner anwärmen zu lassen. Auf mehr als 37 Grad kommt der aber nicht, ganz im Gegensatz zur Heizdecke.
Heißen Tee trinken und sich warm anziehen ist ja ganz okay, wenn man im Winter friert. Wer aber Nägel mit Köpfen machen will, greift auf die Heizdecke zurück. Foto: Ole Spata, dpa

Die richtig guten Sachen sind nicht tot zu kriegen. Wohl scheinen sie immer irgendwann zu verschwinden, aber dann, und mögen es Jahrzehnte später sein, da tauchen sie plötzlich wieder auf. So wie die Heizdecke. Die Heizdecke feiert angeblich gerade ein Comeback. Vor allem jüngere Menschen entdecken den Reiz des wärmenden Accessoires. Das soll unter anderem an den vielen Singles liegen, die zur Beheizung ihrer eiskalten Füße nicht auf den konstant eine Temperatur von 37 Grad abstrahlenden Körper eines Lebenspartners zurückgreifen können.

Dazu muss man aber sagen, dass im Vergleich zur Heizdecke der Mensch allenfalls mittelmäßig abschneidet. Während die Heizdecke rund um die Uhr verfügbar ist, beansprucht der Lebenspartner regelmäßige Auszeiten für sich, in denen er entweder isst, duscht, zur Arbeit geht oder seinen Hobbys frönt. Und zweitens sind die abrufbaren 37 Grad nicht gerade das, was sich eine durchgefrorene Ehegattin unter einer akzeptablen Heizleistung vorstellt. Da werden ja die Füße in drei Stunden nicht warm.

Wann werden aus Pobacken Spiegeleier?

Die Heizdecke hingegen, die kann man schamlos auf die höchste Stufe stellen und sich braten lassen. Herrliche Stunden lassen sich auf diese Weise vor dem Fernseher verbringen, mit warmen Füßen, warmem Rücken und warmem Hintern. Leider schleichen sich mit der Zeit aber auch stets zweifelnde Gedanken ein: Ab wie viel Grad gerinnt nochmal das Eiweiß in den Zellen von Lebewesen? Wann werden aus Pobacken Spiegeleier? Vermutlich gar nicht, denn mit den heutigen Heizdecken soll es zu schlimmeren Verbrennungen angeblich eher nicht mehr kommen. Sie verfügen zumeist auch über Sicherheitseinrichtungen wie eine Abschaltautomatik. 

Vielleicht war es ja auch der verbreitete Wunsch nach weniger Stromverbrauch, der einst zu einer Rückbesinnung auf heißen Tee, warme Socken und flauschige Wohndecken führte. Wobei natürlich gesagt werden muss, dass auch der heiße Tee erst mal gekocht werden will. Es wäre interessant, zu erfahren, wie viele Tassen Tee den gleichen Effekt wie 15 Minuten Heizdeckensitzen haben. Dann ließe sich ausrechnen, welche Methode weniger Strom verbraucht. Und wer sich diese Mühe nicht machen will, muss halt doch wieder auf den Lebenspartner mit seinen kümmerlichen 37 Grad zurückgreifen.

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