RIMPAR

Gospelchor: Mehr als mitreißende Rhythmen

Auch bei diesem Konzert der „Troubis“ in St. Stephan in Würzburg gelang es dem Chor im Nu, das Publikum mitzureißen. 2000 Euro kamen als Spenden für die Bahnhofsmission zusammen.
Auch bei diesem Konzert der „Troubis“ in St. Stephan in Würzburg gelang es dem Chor im Nu, das Publikum mitzureißen. 2000 Euro kamen als Spenden für die Bahnhofsmission zusammen. Foto: Pat Christ

Gesellschaftlich abzurutschen, geht ganz schnell. Auch in unserer Region gibt es deshalb viele Menschen, die am Rand leben. Gabi Hübsch bekommt davon mit, wenn sie in die Missionsärztliche Klinik in Würzburg geht, um sich um Patienten mit Demenz zu kümmern. Das ist ihr eines Ehrenamt. Das andere findet an jedem Montagabend in Rimpar (Lkr. Würzburg) statt. Dort singt Hübsch im Gospelchor „Troubadour“. Der wiederum unterstützt durch seine Benefizkonzerte soziale Einrichtungen in der Region.

Die „Troubadour“-Auftritte sind ein Erlebnis. Dass der Chor irgendwo ohne Zugabe abtreten könnte, ist geradezu unvorstellbar. Die Gospels und Traditionals reißen die Menschen mit. Nach ein, zwei oder drei Zugaben sind sie bereit, beim Hinausgehen reichlich zu spenden. „Rund 10 000 Euro können wir im Durchschnitt jedes Jahr an soziale Organisationen übergeben“, sagt Chorleiter Frank Förster. Der Chor sang zum Beispiel schon für die Bahnhofsmission, heuer stehen Benefizkonzerte unter anderem für den Kinderpalliativdienst der Malteser auf dem Programm sowie für die Würzburger Tafel.

Vielfältiges Ehrenamt

Eintritt verlangen die „Troubis“ grundsätzlich nicht. „Auch das unterscheidet uns von anderen Chören“, sagt Förster. Selbst von solchen, die für soziale Organisationen auftreten. Die „Troubis“ hingegen bringen sogar noch Geld mit. Jeder zahlt einen Jahresbeitrag. Mit diesem Geld werden Noten beschafft. Das Fahrtgeld zu den Auftritten wird aus privater Kasse bestritten. Auch das Chorwochenende am Anfang eines jeden Jahres, bei dem das neue Programm erarbeitet wird, ist für die über 40 Sängerinnen und Sänger nicht ganz umsonst. Nur ein Teil wird Förster zufolge finanziert: „Und zwar aus dem Geld, das wir einnehmen, wenn wir bei Hochzeiten auftreten.“

Noch eine Besonderheit gibt es: Jedes dritte Chormitglied ist neben seinem Engagement in der Chorgemeinschaft noch irgendwo anders ehrenamtlich engagiert. Zum Beispiel in einem Sportverein, in einer Selbsthilfeorganisation, der Pfarrei vor Ort oder in einer karitativen Initiative.

Karl-Heinz Baumeister zum Beispiel, der dem Chor seit inzwischen 38 Jahren als Bass-Sänger angehört, ist in Unterdürrbach als Wortgottesdienstleiter aktiv. „Davor habe ich zwei Jahre Krankenkommunion an der Uniklinik ausgeteilt“, so der 62-Jährige, der sich in der Handwerkskammer dafür einsetzt, dass Jugendliche passgenau in Lehrverträge vermittelt werden. Neben den Gospels sprechen den gläubigen Katholiken vor allem auch die Neuen geistlichen Lieder an, die „Troubadour“ im Programm hat.

Der berufliche Hintergrund der Sängerinnen und Sänger ist völlig unterschiedlich. Die Erzieherin probt die Stücke neben dem Geografen ein, der Beamte singt neben der Hospizmitarbeiterin. Nicht immer fällt es leicht, nach einem anstrengenden Arbeitstag am Montagabend um 20 Uhr in die Rimparer Maximilian-Kolbe-Schule zu gehen, um teilweise bis 23 Uhr zu proben. Doch wenn man sich erst einmal aufgerafft hat, wenn man die anderen trifft, dann fällt aller Stress ab.

„Der Chor ist eine Kraftquelle für mich“ – diese Aussage ist von vielen Sängerinnen und Sänger zu hören. Auch Ingrid Wagenbrenner stimmt dem zu. „Lebenserfüllend“ sei der Chor für sie, sagt die 58 Jahre alte kaufmännische Angestellte, die sich zusätzlich bei den „Rimparer Wölfen“ engagiert. Seit 2005 singt Ingrid Wagenbrenner bei „Troubadour“ mit: „Inzwischen ist der Chor fast so etwas wie meine zweite Familie.“

Manche Proben sind nicht „ohne“, denn „Troubadour“ hat den Ehrgeiz, alle Lieder frei zu singen. Das erscheint bei Gospels a la „Put Your Hand in the Hand“ oder „Go down, Moses“ keine besondere Herausforderung. Aber die „Troubis“ studieren auch afrikanische Spirituals in originaler Sprache ein. Zum Beispiel die Friedenshymne „Ukuthula“ der südafrikanischen Zulu. Im Moment wird „Look at the world“ des britischen Komponisten John Rutter geprobt. Ein anspruchsvoller Song. An solchen Stücken arbeiten die „Troubis“ viele Monate, bis alles sitzt.

Musik soll Gutes bewirken

„Troubadour“ will aus dem christlichen Gedanken der Nächstenliebe heraus Gutes tun, meint Chormitglied Eva Mark, zu deren Lieblingssongs „Ukuthula“ gehört. Die „Troubis“, stimmen die anderen zu, singen Gospels nicht nur deshalb, weil sie rhythmisch so wunderschön klingen.

Sie stehen hinter den Texten. Drücken damit ihren Glauben aus. Und ihre Überzeugung, dass es auch in einem Wohlstandsland sehr wichtig bleibt, sich solidarisch umeinander zu kümmern. Ganz besonders um Menschen, die sich in prekären Lebenssituationen befinden.

„Wir singen für Menschen, nicht für Gebäude“, unterstreicht Monika Hanke. Womit sie sagen will: Natürlich ist es ein Genuss, in einer schönen Kirche aufzutreten. Doch der Chor will nicht die Kirche schmücken. Sondern dem Publikum und über deren Spenden Menschen in Not eine Freude bereiten.

Die Überzeugung, dass Musik Gutes bewirken soll, trägt inzwischen fast schon fünf Dekaden lang: 1974 wurde „Troubadour“ als Singgruppe gegründet. Genau 40 Jahre ist es her, dass die „Troubis“ das erste Mal auf einer Bühne standen. Inzwischen werden sie bis zu zwölfmal im Jahr für ein Konzert engagiert, um für soziale Projekte im In- und Ausland zu singen.

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