Würzburg

Grippe und Co.: So schütze ich mich vor den Viren

Die Grippewelle hat auch Unterfranken erreicht. Doch wie verläuft eine Ansteckung wirklich und wo lauern die Gefahren im Alltag? Ein Hygiene-Experte gibt Antworten.
Mehr als 20 000 Menschen in Deutschland wurden seit Oktober Opfer der Grippe. Ein Experte gibt Tipps zum Schutz im Alltag. Foto: Christin Klose, dpa

Ob Grippe oder Corona-Virus – die rasant steigende Zahl an Infizierten beunruhigt derzeit viele Menschen. Doch lauert wirklich hinter jeder Ecke eine potentielle Ansteckungsgefahr? Professor Dr. Ulrich Vogel, Leiter der Stabsstelle Krankenhaushygiene am Uniklinikum Würzburg, gibt einen Überblick über die wichtigsten Fragen zum Thema Ansteckung und dem richtigen Schutz im Alltag.

Welche Erreger werden uns derzeit gefährlich?

In den Kliniken der Region treten laut Vogel derzeit vor allem zwei Erkrankungen auf: "zum einen Atemwegsinfekte durch Grippe-Viren und weitere Erkältungserreger, zum anderen Durchfallerkrankungen, vor allem durch das Norovirus.“ Wie immer in der kalten Jahreszeit gehe somit derzeit die größte Gefahr von viralen und nicht von bakteriellen Infektionen aus.

Wie werden Viren übertragen?

Laut Vogel in erster Linie für die Verbreitung von Atemwegsinfektionen verantwortlich: die Tröpfcheninfektion. Dabei gelangen die Krankheitserreger, die im Rachenraum oder im Atmungstrakt siedeln, durch Speichel-Tröpfchen an die Luft und werden anschließend von einem anderen Menschen eingeatmet. Vor allem unachtsames Husten und Niesen könnten zu Ansteckungen führen, so Vogel.

Jedoch: "Viren können für eine bestimmte Zeit auch außerhalb des Körpers aktiv bleiben" und somit durch eine Kette von Berührungen weitergeben werden, erklärt der Facharzt weiter. Dann spreche man von der sogenannten Kontaktinfektion, oder auch Schmierinfektion. "Wenn man zum Beispiel einen kontaminierten Straßenbahn-Griff anfasst und sich danach ins Gesicht fasst, besteht die Möglichkeit der Virusübertragung über die Hände." Sowohl Gegenstände, als auch Berührungen wie Händeschütteln gelten dabei als mögliche Übertragungswege.

Wie lange können Viren außerhalb des Körpers überleben?

Wie lange die Viren außerhalb des Körpers an Gegenständen überleben, sei dabei ganz unterschiedlich: "Bei der Influenza redet man von zwei Tagen, bei Norviren von mehreren Wochen", so Vogel. Auch das neuartige Corona-Virus könne durch die Kontaktinfektion weitergeben werden. Das Virus ist vermutlich imstande, einige Tage außerhalb des Körpers aktiv zu bleiben. Für eine endgültige Einschätzung sei das neue Virus derzeit jedoch noch zu unerforscht, so Vogel.

Der Hygiene-Experte Prof. Dr. Ulrich Vogel ist unter anderem Facharzt für Mikrobiologie am Institut für Hygiene der Universität Würzburg. Foto: Daniel Peter

Was sind potentielle Ansteckungssituationen im Alltag?

Türklinken, öffentliche Toiletten, Straßenbahnen oder auch dreckiges Bargeld – gelten die täglichen Begleiter somit derzeit allesamt als gefährliche "Virenschleudern"? Der Facharzt gibt Entwarnung: "Die Kontaktinfektion ist ein Übertragungsweg, der sicher nicht so effektiv ist, wie die Übertragung direkt durch das Angehustet- oder Angeschnupft-Werden." Natürlich würden Gegenstände, die durch viele Hände gehen, einen Weg für Infektionserreger bereiten. Laut Vogel mache diese Art der Übertragung jedoch nur einen kleinen Teil der Erkrankungen aus.

Und wie sieht es mit der direkten Ansteckungsgefahr bei Massenansammlungen wie bei den anlaufenden Faschingsveranstaltungen aus? "Man muss natürlich wissen, dass wenn man mit vielen Menschen auf engem Raum zusammen ist, auch solche Erreger ausgetauscht werden", gibt Vogel zu bedenken. Alkoholkonsum und wenig Schlaf würden das Immunsystem zudem beeinträchtigen. Grund, sich von solchen Feierlichkeiten grundsätzlich fern zu halten, gebe es jedoch nicht. "Außer wenn man selbst krank ist, dann hat man auf so einer Veranstaltung nichts zu suchen. Dann gilt es, Verantwortung für seine Mitmenschen zu übernehmen."

Wie schützt man sich im Alltag richtig?

Beim Schutz vor indirekten Übertragungen gelte allen voran die strikte Händehygiene als entscheidend: "Hier lautet die Empfehlung, sich regelmäßig die Hände mit lauwarmen Wasser und Seife zu waschen. Und möglichst auch nicht nach dem Motto 'einmal kurz drüber', sondern dem sollte eine gewisse Sorgfalt beigemessen werden." Mindestens 20 Sekunden gilt hierbei als Regel. Zudem sollte man das Berühren von Nase und Mund vermeiden. 

Zur Vermeidung einer Tröpfcheninfektion sei die sogenannte Hustenetikette unbedingt einzuhalten: "Ich huste oder niese in meine Ellenbeuge, oder noch besser in ein Papiertaschentuch, dass ich danach wegwerfe. Danach wasche ich mir die Hände, um die Weiterverbreitung über die Hände zu verhindern." Außerdem Teil der Etikette: sich beim Husten oder Niesen von anderen Menschen abwenden, denn "schon ein Abstand von einem Meter schützt andere Menschen", so Vogel.

Zum öffentlichen Tragen einer Atmenschutzmaske - mit der sich derzeit auch viele Menschen aus der Region eindecken – gebe es laut Vogel keine offizielle Empfehlung und in seinen Augen auch keine Notwendigkeit. Für viel wichtiger erachtet der Mikrobiologe dagegen, sich zu Beginn der Grippezeit im Oktober nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission gegen die Grippe impfen zu lassen. Diese Empfehlung gilt derzeit unter anderem für Schwangere, Personen über 60 Jahre und Personen mit erhöhter Gefährdung, wie zum Beispiel medizinisches Personal.

Wie lange ist man ansteckend?

Wird man dennoch mit der Grippe infiziert, gelte man ungefähr fünf Tage als ansteckend, erklärt der Facharzt. Das Gefährliche: "Die Influenza kann bereits einen Tag vor Beginn der Symptome ansteckend sein." Das Norovirus dagegen sei beispielsweise erst mit Beginn der Symptome ansteckend, wobei besonders beim Erbrechen sehr viele Viren freigesetzt werden. Hierbei wichtig zu wissen: "Man scheidet die Noroviren, auch wenn die Symptome vorbei sind, für eine gewisse Zeit weiter aus." Damit gelte man man noch 48 Stunden nach Ende der Erkrankung als ansteckend und selbst danach sollte noch auf eine sorgfältige Sanitär- und Handhygiene geachtet werden, warnt der Facharzt.

Im Angesicht der 20 000 Grippe-Infizierten in Deutschland seit Oktober plädiert Vogel für Gelassenheit: "Wir überwachen für unser Krankenhaus die Entwicklung der Fallzahlen seit Jahren." Diese schwankten von Jahr zu Jahr, es gebe immer mal wieder eine stärkere und eine schwächere Saison. "Die aktuellen Fallzahlen liegen im normalen Schwankungsbereich, die Saison beginnt sogar recht spät."

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