WÜRZBURG

Großbaustelle am Zeller Bock

Wird es denn jetzt was mit dem Zeller Bock? Immerhin kamen im westlichen Landkreis und in der Zellerau wieder Hoffnung auf, denn der große Spatenstich war noch im Dezember. Und viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens hatten daran teilgenommen.

Die wichtige Verbindungsstraße zwischen dem Würzburger Stadtteil und der Gemeinde Zell ist seit März 2010 aus Sicherheitsgründen gesperrt. Seit elf Jahren laufen jedoch schon die Planungen für einen Neubau.

„Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren“, sagt der städtische Tiefbauchef Jörg Roth. Ein oft gehörtes Vokabular. Doch ein Ortstermin entlang der etwa 1000 Meter langen Trasse bestätigt das. Am Eingang zum Zeller Bock, dort, wo vorher eine Autovermietung angesiedelt war, ist schon alles frei gebaggert für den neuen Kreisverkehr.

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Dort wird auch eine riesige Stützmauer in Richtung Schifferkinderheim gebaut. Die alte Zufahrt zu dem Heim baut die Stadt zurück, sie wird begrünt. Autos fahren künftig schon über eine eigene Abfahrt vom neuen Kreisverkehr dorthin ab. „Damit entschärfen wir künftig eine Engstelle am Zeller Bock für den Verkehr“, erklärt Roth. Bisher führte eine scharfe Kurve als Ausfahrt vom Heim in Richtung Stadt. Oft kamen die Autos nicht in einem Zug herum und mussten rangieren.

In dem Bereich entstehen auch 18 Stellplätze für Freizeitsuchende. Für Roth hat der Kreisverkehr einen entscheidenden Vorteil zur jetzigen Einmündungssituation: „Das nimmt das Tempo bei den Autos raus, die in Richtung Innenstadt fahren.“

Die Kanalbauarbeiten im Bereich der Mainaustraße – immerhin elf Millionen Euro Kosten – haben ebenfalls einen Zusammenhang mit dem gesperrten Zeller Bock. Roth: „Wir nutzten die Zeit der Total-Sperrung für die Arbeiten, um die Eingriffe für die Bewohner der Zellerau möglichst gering zu halten.“

Im Sommer geht es an der Max-Planck-Straße bei der Feuerwehrschule weiter mit einem Regenüberlaufbauwerk. Unangenehme Überraschungen mit Bombenfunden werden die Arbeiter wohl nicht erleben. Da der Zeller Bock bei dem verheerenden Luftangriff auf Würzburg auch Ziel der Alliierten war, mussten Experten die Luftbilder auswerten und den Boden schon mit Metalldetektoren absuchen. 568 Munitionsteile hat man gefunden und in eine Karte eingetragen.

„Wenn sich die Bauarbeiten so einer Stelle nähern, müssen wir vorsichtig vorgehen“, sagt der Tiefbau-Chef. Und jedes Gebäude entlang der neuen Straße musste eine Beweissicherung über sich ergehen lassen. Nicht, dass Eigentümer nach den Bauarbeiten Schäden geltend machen.

Ausgenommen ist der Grund und Boden eines Ehepaares, das sich mit der Stadt noch nicht auf eine Vorgehensweise einigen konnte. Laut Roth sind gemeinsame Gutachter gerade am Zuge. Doch das behindert die Bauarbeiten nicht, kann die Stadt doch von beiden Seiten die Bauarbeiten bis zum Anwesen führen. Dies genehmigte die Regierung von Unterfranken im Planfeststellungsverfahren.

Szenenwechsel: Von Zeller Seite gibt es ebenfalls einiges zu berichten. Im Eingangsbereich des Zeller Bocks entsteht ein 10,70 mal 2,50 Meter großes, unterirdisches Regenrückhaltebecken. Die historischen Mauern des Klosters Oberzell werden gesichert. Vorher bohrten die Arbeiter fünf Meter tief in das Bauwerk und zogen Bohrkerne, um den inneren Zustand zu testen. Versenkte Stahlseile und Stahlanker halten die Mauer später stabil. Viele der nicht denkmalgeschützten Mauern auf der Bergseite sind schon abgerissen.

Auch in den Büros geht die Verwaltungsarbeit an der maroden Trasse weiter, sagt Roth: neue Planungen, Ausschreibungen. Wann wird die Trasse fertig sein? „Wir rechnen 27 Monate ab Spatenstich, wenn nichts dazwischen kommt“, rechnet Roth. Das wäre dann Frühjahr 2015, ein ehrgeiziger Zeitplan.

Lange Stillstand, jetzt Aktion: (von links) Gerhard Eck, Christian Baumgart und Georg Rosenthal reißen die erste Mauer am Zeller Bock ein.Theresa Müller

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