WÜRZBURG

Grüne „Klimaanlagen“ in der Innenstadt

Eine begrünte Wand schafft natürliches Wohlfühlambiente auch in einem städtischen Innenhof. Foto: Philipp Mähler

„Jede, schon die kleinste, begrünte Fläche wirkt sich positiv auf das lokale Mikroklima aus. In Summe ergibt sich auch daraus ein positiver Effekt auf das Stadtklima. Besonders in hochverdichteten Quartieren, die nur wenig Raum für Grünflächen bieten, ist es deshalb wichtig auch die Potenziale von Fassaden- und Dächern zu nutzen“, weiß Philipp Mähler, Klimaschutzmanager der Stadt Würzburg.

Die Stadt Würzburg unterstützt seit dem 1. Mai Fassaden- und Dachbegrünungen im Stadtgebiet mit 50 Prozent der förderfähigen Kosten bis zu einem Höchstförderbetrag von 5000 Euro – darunter fallen bodengebundene Begrünungen und vertikale Begrünungssysteme, Materialkosten wie Pflanzen, Rankhilfen, Bewässerungssysteme, Arbeitsleistungen von Fachbetrieben sowie extensive und intensive Dachbegrünungen. Seit Anfang Mai seien über 20 Anfragen eingegangen, sagt Philipp Mähler. Bewilligt worden seien bereits zwei davon.

Fachgerecht ausgeführt

Zum einen muss die Dach oder Fassadenbegrünung fachgerecht ausgeführt werden. Und es ist eine regelmäßige Pflege notwendig. Dazu gehört bei einer Dachbegrünung beispielsweise das Entfernen von unerwünschtem Bewuchs und bei Fassadenbegrünungen ein Pflegeschnitt. Bei Selbstklimmern wie dem Efeu oder Wilden Wein ist darauf zu achten, dass die Pflanzen nicht auf das Dach wachsen, die Fassade intakt ist und keine Risse aufweist.

Hintergrund der Aktion ist laut Pressemitteilung: Begrünte Fassaden bieten Insekten und Vögeln Lebensraum, sie verschönern das Bauwerk, verbessern das Klima im Gebäude, sorgen für Kühlung, Luftverbesserung und Energieeinsparungen. Begrünte Fassaden schützen das darunterliegende Gebäude, indem sie einen Großteil der eintreffenden Wärmestrahlung reflektieren und durch Verdunstung reduzieren.

Deutliche Abkühlung

Weniger als ein Drittel der Wärmestrahlung erreichten das Gebäude unter einer Begrünung, heißt es weiter in dem Schreiben. Auch auf Gründächern sei eine deutliche Abkühlung erkennbar. Der Heiz- und Kühlbedarf des Gebäudes sinke.

Die Richtlinie für die Zuschüsse und der Antrag können auf www.wuerzburg.de/de/themen/umwelt-verkehr/oeffentliches-gruen--stadtwald/414953.Foerderprogramm-Urbanes-Gruen.html heruntergeladen werden. Hier gibt es darüber hinaus weiteres Informationsmaterial für das grüne Haus.

Welche Pflanzen eignen sich für eine Dach- oder Fassadenbegrünung?

Je nach Pflanzenart schwankt die maximale Wuchshöhe. Langsam wachsende Arten legen im Jahr etwa 25 bis 50 Zentimeter zu, mittelstark wachsende 50 bis 100 Zentimeter und stark wachsende Arten ein bis zwei Meter. Der Knöterich schafft sechs Meter im Jahr. Es gibt Selbstklimmer wie Efeu, Wilder Wein und Kletterhortensie. Sie halten sich mit Haftwurzeln oder Haftscheiben am Untergrund fest. In der Regel brauchen sie keine Kletterhilfen.

Gerüst-Kletterpflanzen hingegen sind Schlinger wie Geißblatt, Blauregen oder Knöterich, sie benötigen dünne, senkrecht geführte Kletterhilfen. Zu dieser Gruppe gehören auch die Ranker wie Clematis und Weinrebe, die an gitterartigen Kletterhilfen wachsen.

Spreizklimmer sind Kletterrosen und Winterjasmin, sie klammern sich mit Seitentrieben an der Unterlage an und benötigen waagrecht angeordnete Stäbe oder Latten.

Idealer Pflanzzeitpunkt ist Frühling oder Herbst, das Pflanzloch sollte doppelt so groß wie der Wurzelballen sein und einen Wandabstand von mindestens 20 Zentimetzer haben, vor Staunässe schützt Kies. Möglich ist auch die Bepflanzung in konventionellen Pflanztrögen, dann ist aber häufiges Gießen oder ein Bewässerungssystem nötig.

Wer grüne Fassaden ausprobieren möchte oder die Abwechslung liebt, kann zu einjährigen Kletterpflanzen greifen. Mit Glockenrebe, Zierkürbis, Prunkwinde, Edelwicke, Schwarzäugiger Susanne und Kapuzinerkresse lässt sich mit blühenden Pflanzen ein immer neues Bild an der Hauswand gestalten. Alternative: Neben der klassischen bodengebundenen Fassadenbegrünung mit Kletterpflanzen werden auch zunehmend wandgebundene Systeme verwendet. Das bedeutet, dass Pflanzen wie ein vertikaler Garten samt Wurzeln und Substrat flächig an der Fassade wachsen. Diese Form der Begrünung ist technisch aufwändiger und damit kostenintensiver. Dennoch werden vertikale Begrünungen in der moderne Architektur immer häufiger als gezielte Gestaltungselemente eingesetzt.

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