WÜRZBURG

Grüne fragen: Sind Konkordatslehrstühle zeitgemäß?

Die Grüne Hochschulgruppe Würzburg lädt zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion zum Thema „Konkordatslehrstühle“ am Mittwoch, 14. Juni, um 20 Uhr im Festsaal über der Burse, Am Studentenhaus 1, ein. Über die Frage, inwiefern die Regelung der Konkordatsprofessuren der heutigen Zeit entspricht, diskutieren Verena Osgyan (Landtagsabgeordnete, Bündnis 90/Grüne), Burkard Hose (Hochschulpfarrer der Katholischen Hochschul-Gemeinde, KHG), Thomas Neumann (Mitarbeiter am Institut für Kanonisches Recht der Universität Münster) sowie Thomas Goppel (Landtagsabgeordneter, CSU).

Konkordatslehrstühle sind Lehrstühle außerhalb der theologischen Fakultät, bei deren Besetzung die katholische Kirche ein Mitbestimmungsrecht hat. In Würzburg fallen der Lehrstuhl für Vergleichende Politikwissenschaft, der Lehrstuhl für Praktische Philosophie sowie der Lehrstuhl für Pädagogik bei geistiger Behinderung in der Sonderpädagogik unter diese Regelung, teilt die Grüne Hochschulgruppe mit. Außerhalb Bayerns sind Konkordatslehrstühle in Freiburg und Mainz zu finden.

Diese Regelung geht zurück auf Verträge zwischen Staat und Kirche (Konkordate), die das Verhältnis zwischen Staat und Kirche regeln. In Bayern wurde dieser Vertrag 1924 zwischen dem Freistaat Bayern und dem Vatikan geschlossen. Er regelt unter anderem den Rückzug der Kirche aus der Lehrerausbildung. Im Gegenzug dazu wurde ihr das Mitbestimmungsrecht bei der Besetzung von Lehrstühlen eingeräumt, die im weitesten Sinne zur Lehrerausbildung beitragen, wodurch der Kirche ein indirekter Einfluss zukommt.

Jüngster Fall stammt aus Jahr 2007

Der jüngste Fall der Anwendung des Vetorechts ist der der Philosophie-Professorin Ulla Wessel, die sich im Jahr 2007 auf den Lehrstuhl für Praktische Philosophie an der Universität Erlangen bewarb und abgelehnt wurde. Da sie sich in ihrer Dissertation in der Kirche entgegengesetzter Haltung mit dem Thema Abtreibung beschäftigte, sah sie das fehlende Einverständnis des zuständigen Bischofs bei der Besetzung des Konkordatslehrstuhls als Grund für ihre Ablehnung an und zog bis vor das Bundesverfassungsgericht. Dieses wies die Klage 2015 jedoch als unzulässig ab.

Seit 2013 verzichtet die Bischofskonferenz auf dieses Recht; die dieses Recht grundsätzlich garantierenden Verträge sind aber nach wie vor rechtskräftig. Aus der Bischofskonferenz selbst hieß es dazu im selben Jahr, das Konstrukt der Konkordatslehrstühle sei nicht mehr zeitgemäß.

Die Kritik der Grünen Hochschulgruppe an Konkordatslehrstühlen bezieht sich vor allem auf Artikel 33 (3) des Grundgesetztes, in dem es heißt, dass das religiöse Bekenntnis einer Person deren Chancen bei der Zulassung zu öffentlichen Ämtern nicht mindern darf.

Deshalb fordert die Grüne Hochschulgruppe die Landesregierung dazu auf, die Konkordatslehrstühle aus dem Konkordat von 1924 zu streichen und „damit Platz zu schaffen für ein harmonisches und gleichberechtigtes Miteinander verschiedener Glaubensrichtungen“.

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