Würzburg

Grüne zu ÖPNV: Jedes Dorf muss bis Mitternacht erreichbar sein

Die Grünen setzen dem Freistaat in Sachen Mobilität ehrgeizige Ziele: Zumindest ein Zweitauto soll künftig keine Familie zwischen Fladungen und Oberstdorf mehr brauchen.
Geht es nach den Grünen, ist künftig jedes Dorf in Bayern zwischen 5 Uhr und Mitternacht per ÖPNV erreichbar. Foto: Siegfried Farkas

Bis zum Jahr 2030 soll jedes Dorf in Bayern ab 200 Einwohnern zwischen fünf Uhr und Mitternacht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein. Eine "Mobilitätsgarantie" nicht nur für Ballungsräume fordern die Grünen im bayerischen Landtag. Dies unterstrichen die Fraktionsvorsitzenden Katharina Schulze und Ludwig Hartmann zum Auftakt der Winterklausur in Würzburg.

Geht es nach den Grünen, sollen Jugendliche auch im kleinsten Rhön- oder Spessart-Dorf am Nachmittag oder frühen Abend auch ohne Mama-Taxi zum Fußballtraining oder zur Musikprobe in den Nachbarort kommen, Senioren sollen ohne Auto Arztbesuche oder Einkäufe erledigen können: Für die größte Oppositionsfraktion im Landtag ist ein gutes ÖPNV-Angebot nicht nur ein Beitrag zu mehr Klimaschutz, sondern auch eine "Gerechtigkeitsfrage". Nicht jede Familie könne sich einen Zweitwagen leisten, so Hartmann. Wenigstens dieses Auto müsse überflüssig werden. Mancherorts würden die Leute sogar heute schon ganz auf den Pkw verzichten . "Nur kommen sie dann gar nicht zur Arbeit", sagte Schulze. 

Hartmann: Mobilität nicht vom Auto her denken

Die Politik sei aufgerufen, Mobilität "nicht vom Auto her, sondern von den Bedürfnissen der Menschen her zu denken", forderte Hartmann. Geht es nach den Grünen, werden in einem ersten Schritt von aktuell rund 400 Millionen Euro, die der Freistaat in den Straßenbau investiert, rund 200 Millionen für den Ausbau des ÖPNV umgeschichtet. Hartmann: "Es fehlen in Bayern nicht Straßen, es fehlen verlässliche Verbindungen." Gebraucht würden zusätzliche Bahn- und Buslinien, aber auch Rufbus-Systeme könnten helfen, alle Regionen zu erschließen. Der Würzburger Abgeordnete Patrick Friedl rief dazu auf, die Chancen, die die Digitalisierung bietet, zu nutzen.

Einen Ausbau des ÖPNV in Bayern forderten die Landtags-Grünen am Mittwoch in Würzburg. Im Bild (von links) die Fraktionsvorsitzenden Ludwig Hartmann und Katharina Schulze sowie der Würzburger Abgeordnete Patrick Friedl. Foto: Daniel Peter

Wie viel die Bürger für ein dichteres ÖPNV-Netz bezahlen müssen, darüber wollten die Grünen nicht spekulieren. Erst einmal müssten die Angebote passen, sagte Schulze. Anschließend könne dann vor Ort entschieden werden, ob man den ÖPNV in Teilen der Stadt, wie aktuell in Augsburg, gratis macht,  ein kostenloses Azubi-Ticket oder ein 365-Euro-Ticket für alle einführt. Ziel soll jedenfalls sein, die Zahl der ÖPNV-Fahrgäste in Bayern binnen zehn Jahren auf rund drei Milliarden zu verdoppeln.

Stadtwerk Haßfurt als Pionier der Energiewende

Um der Klima-Krise zu begegnen, bräuchten die Kommunen aber nicht nur beim ÖPNV mehr Unterstützung seitens des Freistaats, betonte Hartmann. Städte und Gemeinden seien der "Schlüssel zur Energiewende". Die 10H-Regelung, die den Bau von Windrädern behindere, gehöre abgeschafft. Kommunale Versorger sollten bei der Umstellung auf nicht-fossile Energieträger mehr unterstützt werden. Als positives Beispiel nannte Hartmann das Stadtwerk Haßfurt, das Strom bereits seit 2015 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen erzeuge. Der nicht vor Ort verbrauchte Strom werde darüberhinaus in umweltfreundliches Windgas (Power-to-Gas) umgewandelt, das dann ins Erdgasnetz eingespeist wird.

Damit sich die Kommunen besser an die Folgen der Klima-Krise anpassen können, forderte Schulze staatliche Förderung bei der Einrichtung von Frischluft-Schneisen, grünen Oasen und Trinkwasserbrunnen sowie bei der Begrünung von Fassaden. Die weitere Flächenversiegelung müsse gestoppt werden. Nicht zuletzt bräuchte es zusätzliche Ressourcen seitens des Freistaats für Feuerwehren, Technisches Hilfswerk und andere Rettungsdienste. Dürren und Starkregen-Ereignisse stellten gerade auch für die ehrenamtlichen Helfer eine große Herausforderung dar.

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