Würzburg

Gullideckel und Steine auf die Bundesstraße geworfen

Er hatte einen Stein und Gullideckel auf die B27 geworfen. Verletzt wurde zum Glück niemand. Der psychisch kranke Mann muss aber dauerhaft in die Psychiatrie.
Ein psychisch kranker Mann hatte Gegenstände auf die B27 geworfen. Nun entschied ein Gericht über den Fall. Foto: Peter Steffen, dpa

Es war reines Glück, dass niemand verletzt wurde: Weil er in Veitshöchheim von einer Brücke einen Gullideckel und Steine auf die Bundesstraße 27 geworfen hat, musste sich ein 30-jähriger Obdachloser im so genannten Sicherungsverfahren vor dem Würzburger Landgericht verantworten. Da nicht auszuschließen ist, dass er wegen einer psychischen Erkrankung schuldunfähig ist, konnte er für die Taten nicht bestraft werden. Die 1. Strafkammer hat seine dauerhafte Unterbringung im Bezirkskrankenhaus angeordnet.

Mit viel Glück davon gekommen

Der Mann kam vor einigen Jahren als Asylbewerber aus Afrika nach Deutschland und hatte in Nordrhein Westfalen zunächst einen festen Wohnsitz, bevor er auf die Straße ging. "Ich habe draußen mit den schwarzen Vögeln gelebt", sagte er vor Gericht: "Wenn man mit den Menschen nicht leben kann, dann lebt man mit den Tieren." Vor dem 29. März 2019 war er nur wegen kleinerer Delikte wie Schwarzfahrten und Diebstahl auffällig geworden, an diesem Abend wurde es um kurz vor 20 Uhr gefährlich für die Autofahrer auf der B27 Richtung Würzburg.

Erst flog ein 27 Kilo schwerer Gullideckel von der Brücke an der Günterslebener Straße, dann hat er mindestens einen mittelgroßen Stein in Richtung eines sich mit ungefähr 80 km/h nähernden Gespanns aus Pkw und 750 Kilo schwerem Anhänger geworfen. Der 34-jährige Fahrer, der seinen achtjährigen Sohn mit im Auto hatte, sah einen "hellen Schweif von der Brücke runterkommen", riss vor Schreck das Lenkrad nach links, bremste stark ab und kam auf der Bundesstraße zum Stehen. "Ich hatte eine Kolonne hinter mir und hatte Glück, dass mir niemand hinten rein gefahren ist", berichtete der 34-Jährige. Der Stein traf sein Auto – der Schaden beträgt rund 1000 Euro – körperlich verletzt wurde aber zum Glück niemand.

Sohn litt Monate lang

Der Unfall blieb trotzdem nicht ohne Folgen: Der Sohn litt mehrere Monate lang an nächtlichen Angstattacken und fühlt sich bis heute im Auto nicht wohl – erst recht nicht, wenn eine Brücke in Sichtweite kommt. Auch dem Beschuldigten ist trotz seiner psychischen Erkrankung klar, was er angerichtet hat: "Ich weiß nicht, ob da Autos gefahren sind. So etwas macht man eigentlich nicht, aber ich wollte keine anderen Menschen verletzen."

Im Bezirkskrankenhaus scheint es ihm ganz gut zu gefallen: "Ich möchte zurück nach Hause", sagte er und meinte damit seine Station in Lohr. Wie lange er dort bleiben muss, ist offen: Ein psychiatrischer Sachverständiger ist sicher, dass er nur eingeschränkt schuldfähig ist, eine komplette Schuldunfähigkeit ist nicht auszuschließen. Dieser Einschätzung schloss sich das Gericht ebenso an wie der Prognose, dass es ohne Behandlung zu weiteren erheblichen Straftaten kommen kann.

"Und dies auch, obwohl von ihm keine direkte Gewalt gegen Personen zu erwarten ist", betonte der Vorsitzende: "Es ist eine stationäre Behandlung mit Medikamenten erforderlich, die nur in der Psychiatrie durchgeführt werden kann." Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Schlagworte

  • Würzburg
  • Patrick Wötzel
  • Auto
  • Autofahrer
  • Brücken
  • Diebstahl
  • Fahrer
  • Psychische Erkrankungen
  • Rechtskraft
  • Sicherungsverfahren
  • Strafkammern
  • Straftaten und Strafsachen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!