WÜRZBURG

Gulliver im Schatten der Festung

Konzentriert im magischen Erzählort: Kinder bereiten sich in einer mongolischen Jurte auf die Aufführung von Gullivers Reisen vor. Foto: ObeRmeier

Vor der Turnhalle der Burkarder Schule liegen Dutzende von bunten Kinderschuhen. Ein paar Erwachsenenschuhe sind auch dabei. „Schnell, schnell“, ruft jemand in der Halle. Lautes Trappeln, dann plötzlich Stille. Drinnen lässt gerade Theaterpädagoge Cüneyt Sezer über 30 Kinder im Alter von sieben bis 13 Jahren einen großen Kreis bilden.

Auf dem Programm stehen Theaterübungen, denn die Kinder bereiten seit Montag beim „Circus der Künste“ eine Aufführung von „Gullivers Reisen“ auf der Burkarder Bastion vor. Die Inszenierung der bekannten Geschichte Jonathan Swifts um die Relativität von Groß und Klein als interdisziplinäres Spektakel von Bildhauerei, Malerei, Puppenspiel und Theater hat bereits Tradition. 2011 hat die Würzburger Kinder- und Jugend-Kunstwerkstatt „JuKu Karawane“ erstmals einen „Circus der Künste“ organisiert.

Künstler mit dabei

Zuständig für die einzelnen Disziplinen sind in diesem Jahr außer Sezer vier andere Künstler: Birgit Schmidt kümmert sich um die Malerei und das Modellieren mit Ton, Bildhauer Harald Scherer, der Vorsitzende der Juku Karawane, leitet die Mädchen und Jungs beim Bearbeiten von Stein und Holz an, und Jutta Schmitt vom Plastischen Theater Hobbit ist Expertin für Papiertheater und liest auch die erste und zweite Reise Gullivers in einer Fassung von Erich Kästner vor.

„Die Geschichte Gullivers ist spannend, weil das eine Reise ist. Und es immer spannender wird, was so geschieht", sagt Sebastian. Der zehnjährige Würzburger hat beim „Circus der Künste“ schon ein paar Freunde gefunden. Besonderen Spaß macht ihm das Klopfen in der Turnhalle. Damit meint der Schüler eine Theaterübung, bei der ein Kind einen Rhythmus mit der Hand oder auch der Faust vorgibt. Die anderen klatschen oder schlagen den Rhythmus zusammen nach. Das klingt dann so: Tack Tack – Tack Tack – Tack Tack Tack. Oder auch mal: Tack Tack Tack – Tack Tack Tack. Je nach Kind fällt der Rhythmus zupackend oder schüchtern, leise oder laut aus.

Wie unterschiedlich sich die Mädchen und Jungen bewegen, sieht man bei einer anderen Übung. „Ruhe!“, ruft Sezer. Dann führt ein Junge in der Mitte des Kreises breakdance-artige Bewegungen vor und dreht sich auf dem Hallenboden. Andere Kinder deuten einen Stepptanz an oder bewegen sich im Trippelschritt einer japanischen Geisha. Aber es geht auch bodenständiger. Das Hüpfen auf einem Bein im Kreis oder das schnelle Kriechen auf allen Vieren gehört ebenso zum Repertoire wie zwei Mädels, die sich gleichzeitig an Handständen versuchen oder ein Rad schlagen.

Neu im Angebot: Yoga, das Lehrerin Tjorven Figge unterrichtet. Einige Jungs schauen zwar etwas skeptisch. Aber die meisten Kinder machen begeistert mit. Zum Beispiel bei einer Übung, wo es um den Perspektivenwechsel geht. „Mal ist man der Kleine, mal ist man der Große“, sagt Figge. Dann lässt sie die Kinder in die Umkehrhaltung gehen. Das heißt, die Kinder beugen sich nach vorne und schauen mit dem Kopf durch ihre Beine nach hinten.

Vorstellung am Freitag

Die Übungen gefallen den Kindern: „Was ich gut finde, ist Yoga“, sagt der achtjährige Franz aus Würzburg. „Und noch viele andere Sachen. Zum Beispiel Speckstein und Malen.“

Oben auf der Bastion warten schon die Miniaturstädte aus Stein und die Tierfiguren aus Ton auf Nachschub um die Jurte, den, „magischen Erzählort“, wie sie Harald Scherer nennt. Bis zur öffentlichen Vorstellung an diesem Freitag, 9. August, um 15 Uhr ist nicht mehr viel Zeit. „Ich freue mich schon darauf, da kommt meine Oma“, sagt die elfjährige Fiona aus Veitshöchheim. Ihr Lampenfieber hält sich noch in Grenzen: „Es macht Spaß“, sagt sie. Und geht zurück in den großen Kreis.

Mehr Infos über die „JuKu Karawane“ im Internet: www.juku-wuerzburg.de

Malen an Gullivers Welt: Mädchen und Jungen gestalten beim Ferienprogramm auf der Burkarder Bastion die Kulisse für ihr Theaterstück. Foto: Obemeier

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