WÜRZBURG

Hafensommer: Kulturreferent will höheren Zuschuss

Im Herbst verwaist, im Sommer gibt es hier Konzerte. Im Alten Hafen wurde mit der Treppe zum Hafenbecken und der Auskragung des Heizkraftwerks ein Ort für kulturelle Veranstaltungen geschaffen.
Im Herbst verwaist, im Sommer gibt es hier Konzerte. Im Alten Hafen wurde mit der Treppe zum Hafenbecken und der Auskragung des Heizkraftwerks ein Ort für kulturelle Veranstaltungen geschaffen. Foto: THOMAS OBERMEIER

Geld für Straßen, Wohnungen oder Schulen verteilt der Stadtrat in den Haushaltsberatungen an diesem Donnerstag und Freitag. Aber auch der Hafensommer wird Thema sein. Kulturreferent Muchtar Al Ghusain will vom Stadtrat im nächsten Jahr einen höheren Zuschuss für das städtische Festival genehmigt bekommen. Im Gespräch mit dieser Redaktion erklärt er, was sich beim Hafensommer ändern soll.

Anspruchsvolle Weltmusik

„Alles was bislang gut war, wollen wir erhalten und die Schwachpunkte eliminieren,“ sagt der Kulturreferent. Mit Schwachpunkte meint er Konzerte, die „zu speziell sind, um die Treppe im Alten Hafen zu füllen“.

„Die Kulisse des Hafensommers ist mit erheblichen Kosten verbunden“

Muchtar Al Ghusain Kulturreferent

Richtig gut sei dagegen das musikalische Profil: anspruchsvolle Weltmusik – dazu zählen Jazz, Blues, moderner Folk genauso wie Pop. „Menschen meiner Generation hören ja nicht nur Klassik, sie finden im Hafensommer Musik, die im übrigen Kulturprogramm der Stadt fehlt.“

In Jena, Kassel und Karlsruhe hat Al Ghusain im Sommer Festivals mit ähnlicher musikalischer Ausrichtung besucht, die es dort seit 25 bis 30 Jahren gibt. „Den Austausch mit diesen Veranstaltern werden wir verstärken“, kündigt Al Ghusain an.

Ein Team statt einem künsterlischen Leiter

Denn statt einem einzelnen künstlerischen Leiter – der Vertrag mit dem bisherigen, Jürgen Koeniger, wurde im Oktober nicht mehr verlängert – soll künftig ein mehrköpfiges Team für das Programm verantwortlich sein. Dazu will der Referent den Mitarbeitern des Kulturamts, sowohl Experten aus anderen Städten wie auch aus Würzburg zur Seite stellen. Der Anspruch: Die richtige Mischung an populärer und experimenteller Musik finden.

Auf diese Art und Weise will Al Ghusain die Zuschauerzahlen steigern, die zuletzt um die 9000 stagnierten. Damit sollen die Einnahmen steigen, die zuletzt bei rund 265 000 Euro lagen.

Denn an den Ausgaben lässt sich seiner Meinung nach wenig sparen: 430 000 Euro kostete die Veranstaltung in diesem Jahr. Verantwortlich für die Kosten seien vor allem die teure Bühne im Wasser und die nötige Infrastruktur im Alten Hafen.

Eine tolle, aber teure Kulisse

Dazu erinnert der Kulturreferent daran, dass „der Hafensommer 2006 erfunden worden ist, um den Alten Hafen mit Leben zu erfüllen.“ Natürlich sei eine Bühne im alten Hafenbecken und eine Treppe unter einem Kraftwerk vor dem historischen Kulturspeicher eine tolle Kulisse – „aber eben auch eine, die mit erheblichen Kosten verbunden ist und mit dem Risikofaktor Wetter leben mus“.

Heuer hatte der Hafensommer die Stadt rund 165 000 Euro gekostet, mehr als doppelt soviel, wie vor einem Jahr veranschlagt wurde. Heuer hat der Kulturreferent beim Kämmerer einen höheren Zuschuss beantragt, als im vergangenen Jahr.

Realistisches Budget 2017

„Für 2017 haben wir einen realistischen Ansatz, mit dem wir unter normalen Bedingungen hinkommen müssten“, sagt der Kulturreferent und hofft auf die Zustimmung der Stadträte bei den Haushaltsberatungen.

Zuletzt hatten die Fraktionen von CSU, FDP/Bürgerforum und FWG Kritik am Konzept der Veranstaltung geübt. Allerdings war das noch vor der Neuaufstellung der künstlerischen Leitung.

„Wenn wir das Startsignal bekommen, fangen wir in den nächsten Wochen mit der Zusammenstellung des Programms an“, sagt der Kulturreferent.

Macht der Hafensommer noch Spaß

Für den Kultur- und Schulreferenten ist der Hafensommer im Vergleich zu den zig Millionen Euro teuren Sanierung von Schulen oder gar dem Mainfranken Theater eigentlich eine vergleichsweise kleine Baustelle. Aber gleichzeitig eine, die in diesem Jahr für viel Ärger und Aufregung gesorgt hat.

Macht ihm der Hafensommer eigentlich noch Spaß? Al Ghusain meint, dass er auf manche persönliche Anfeindungen aus dem Stadtrat gerne verzichtet hätte, aber: „Wenn die Treppe gut gefüllt ist, die Zuschauer glücklich und auch die Künstler begeistert von dem Ambiente sind, macht es mir viel Freude.“

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