Würzburg

Hat die Litfaßsäule im Würzburger Stadtbild bald ausgedient?

Beleuchtete und digitale Anlagen sollen geklebte Werbung ergänzen oder ersetzen. Manche Litfaßsäule könnte wegfallen. Warum die Stadt fürs Projekt externe Hilfe bekommt.
Bald Vergangenheit? Die Stadt wünscht sich auf öffentlichem Grund modernere Werbeanlagen. So könnte auch die eine oder andere Litfaßsäule - hier zur Illustration eine in der Sanderauer Arndtstraße - wegfallen. 
Bald Vergangenheit? Die Stadt wünscht sich auf öffentlichem Grund modernere Werbeanlagen. So könnte auch die eine oder andere Litfaßsäule - hier zur Illustration eine in der Sanderauer Arndtstraße - wegfallen.  Foto: Thomas Obermeier

Fast 105 000 Euro Honorar für einen städtischen Beratervertrag scheint eine Menge Geld. Das meinte auch FDP-Stadtrat Karl Graf in der jüngsten Ratssitzung. Doch diese Summe haben die Stadträte jetzt bewilligt, dem Beratervertrag hatten sie bereits Ende vergangenen Jahres zugestimmt. Worum geht's? Die Stadt möchte die Werbeanlagen auf öffentlichem Grund neu ordnen und zeitgemäßer gestalten, doch nach den Worten von Stadtkämmerer Robert Scheller hat das Rathaus im Bereich der Außenwerbung keine Erfahrung. Deshalb muss ein externer Berater her. Den Zuschlag erhielt nach der Ausschreibung die Berliner Firma Gestocon für besagte rund 105 000 Euro. Die Angebote der Mitbewerber lagen weitaus höher, nämlich zwischen 130 000 und 190 000 Euro.               

Was ist die Aufgabe der Beraterfirma? Nach Auskunft von Scheller wird Gestocon die  Stadtverwaltung etwa zwei Jahre lang in Sachen neuer Werbeanlagen begleiten. Dabei geht es unter anderem darum, sämtliche Bedürfnisse für die neuen Außenwerbung-Anlagen zu ermitteln: "Was wollen wir wo haben?" Dabei spielen  Stadtplanung, Stadtbild, straßenverkehrliche und bautechnische Belange eine Rolle. Und auch die Nutzungswünsche wie beispielsweise aus den Bereichen Kultur, Tourismus oder Stadtinformationen sollen berücksichtigt werden. Grünen-Fraktionschef Matthias Pilz möchte zudem klären, wie die Stadt mit rassistischer, sexistischer oder Tabak-Werbung umgeht.   

Wieviel Werbung wird an welcher Stelle gezeigt?  

Nach der Bedarfsermittlung wird festgelegt, welche und wieviele Werbeanlagen zum Einsatz kommen und die bisherigen Werbeträger ergänzen oder teilweise ersetzen. Dabei ist schon jetzt klar: Die jetzigen Anlagen sind veraltet und bestehen nahezu ausschließlich aus sogenannten Klebeflächen. Das sind 51 Litfaßsäulen, 25 Plakatwände und sieben sogenannte Kultursäulen (blaue Dreieckständer mit Werbung für Kulturveranstaltungen).

Als zeitgemäße Neuerung sind vor allem hinterleuchtete Anlagen oder digitale Werbeträger angedacht wie sogenannte Screens, Citylight-Boards, Citylight-Säulen oder Citylight-Plakatvitrinen mit  wechselnden oder rollierenden Werbemotiven. Die hinterleuchteten Mega-Light-Tafeln, die es im Stadtbild bereits seit längerem gibt, sind nicht Gegenstand der Erneuerung – sie stehen weitgehend auf privatem Grund.

Solche Riesen-Werbesäulen sorgten 2006 für Gesprächsstoff und Diskussionen im Stadtrat. Aufgestellt wurden sie nie.  
Solche Riesen-Werbesäulen sorgten 2006 für Gesprächsstoff und Diskussionen im Stadtrat. Aufgestellt wurden sie nie.   Foto: Fotomontage Norbert Schwarzott

Bereits 2006 waren neue Werbeanlagen im Gespräch und sorgten für reichlich Wirbel und Diskussion bei den Stadträten: 4,30 Meter hohe Litfaßsäulen, beleuchtet, mit integrierter Toilette und Mobilfunkanlagen. Über 20 dieser Riesensäulen waren im Gespräch, doch letztlich wurde das Projekt beerdigt. 

Der Anlass für die Neuordnung der Werbelandschaft ist nicht zuletzt der auslaufende Konzessionsvertrag zur Außenwerbung. Derzeitiger Partner der Stadt ist die Firma Wall GmbH. Ob sie das auch künftig bleibt oder ein neuer Anbieter kommt, wird nach einer europaweiten Ausschreibung entschieden. Diese vorzubereiten sowie die Begleitung der Vertragsverhandlungen zählt ebenfalls zu den Aufgaben der Beraterfirma Gestocon.         

Die Stadt erhofft sich mehr als die jährlich bislang 100 000 Euro 

Der Konzessionsinhaber betreibt die städtischen Außenwerbeanlagen auf eigene Rechnung und zahlt dafür eine vertraglich vereinbarten Betrag an die Stadt. Diese bekommt beim aktuellem Vertrag jährlich über 100 000 Euro. Wieviel das künftig sein wird, lässt sich noch nicht sagen. Das hängt von Umfang und Art der neuen Werbelandschaft ab. "Doch bei einem guten Mix aus verschiedenen Anlagen, von denen ein Gutteil auch an hoch frequentierten Stellen platziert sein müsste, ist mit einer spürbaren Einnahmeerhöhung zu rechnen", ist Stadtkämmerer Scheller optimistisch.  

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