HEIDINGSFELD

Heidingsfeld bereitet sich auf syrische Familien vor

Bürgergespräch zur Unterbringung von Flüchtlinen in Heidingsfeld
Rede und Antwort: OB und Sozialreferentin im Radlersaal Foto: D. Peter

Hilfsbereitschaft und Verständnis für Flüchtlinge sind auch in Heidingsfeld sehr ausgeprägt. Weil dort in den nächsten Tagen und Wochen im ehemaligen Kreiswehrersatzamt (KWE) an der Mergentheimer Straße zunächst rund 60 Flüchtlinge eine längerfristige Unterkunft finden werden, hatte Oberbürgermeister Christian Schuchardt am Mittwochabend zu einer Bürgerinformation in den Radlersaal eingeladen.

Etwa 200 Heidingsfelder waren gekommen, um sich vom OB, Sozialreferentin Hülya Düber und Thomas Stolzenberg, Koordinator für die Flüchtlingsunterbringung im Sozialreferat, erklären zu lassen, was sie erwartet. Und oft kam aus den Reihen des Publikums der Wunsch, dabei helfen zu wollen, die neuen Bewohner möglichst schnell in Heidingsfeld zu integrieren.

Momentan, so erläuterte Stolzenberg, wird das aus vier Gebäudeteilen bestehende Kreiswehrersatzamt nach aktuellen Brandschutzvorschriften hergerichtet. Neben dem Bürogebäude, das zuerst bezogen wird, hat die Stadt noch ein Sozialgebäude, ein Wachhäuschen und Kfz-Hallen für drei Jahre angemietet. Bis Jahresende sollen alle Räumlichkeiten bezugsfertig sein. Zunächst sollen Mitte Oktober 58 Personen, vor allem syrische Familien mit (Klein)Kindern, die bislang überwiegend in der Lengfelder Kürnachtalhalle untergebracht waren, nach Heidingsfeld umziehen.

Sie können dann für die gesamte Dauer ihres Asylverfahrens dort wohnen. Das KWE gilt als dezentrale Unterkunft, wo Flüchtlinge längere Zeit leben, im Gegensatz zu den Notunterkünften, die sie nach kurzer Zeit wieder verlassen.

Die ehemaligen Büros mit einer Fläche zwischen zwölf und 18 Quadratmetern könnten gut als abgeschlossene Wohneinheiten genutzt werden, so Stolzenberg. Die Flüchtlinge leben dort als Selbstversorger, kaufen selbst ein, bereiten sich ihre Speisen zu und kümmern sich um ihren Wohnraum. „Das ist eine ganz normale Wohnsituation“, so der Koordinator im Rathaus.

Für die Neuankömmlinge wird ein „Ankunftsmanagement“ aus ehrenamtlichen Helfern und professionellen Sozialpädagogen eingerichtet. Die ärztliche Versorgung für die Flüchtlinge sei sichergestellt. Sie könnten jederzeit einen Arzt ihrer Wahl aufsuchen, so Stolzenberg. Auch ein Sicherheitsdienst wird vor Ort sein.

Aus dem Publikum gab es viele Fragen. Beispielsweise die nach der Religionsausübung, denn die meisten der Syrer sind Moslems. Das sei ihre private Angelegenheit, sagt Düber, die freie Religionsausübung sei grundgesetzlich garantiert. Auf Wunsch werde die Stadt Kontakte zu Moscheegemeinden vermitteln. Wie hoch sind die finanziellen Belastungen für Stadt? Keine Sorge, beruhigte der OB. Das meiste werde vom Freistaat zurückerstattet und „was zusätzlich anfällt, können wir gut verkraften“. Auch das Thema Integration wurde mehrfach angesprochen. Sprachkurse, Hilfe bei Behördengängen, Spielplatzbesuche mit Kindern, Patenschaften für Familien, Freizeitgestaltung – die Heidingsfelder können sich viel vorstellen. Dass die auch gezielt dort ankommen, wo sie gebraucht werden, dafür werden die zahlreichen Angebote gerade im Sozialreferat strukturiert, so Düber auf Nachfrage aus dem Publikum.

Es gab aber auch ein paar kritische Zwischentöne. Der Oberbürgermeister und viele der Anwesenden machten es sich zu leicht, meinte ein Besucher. Es kämen noch viele Probleme auf die Gesellschaft zu, wie beispielsweise der Spracherwerb. Christian Schuchardt zeigte sich optimistisch und kämpferisch: „Das ist eine Riesenherausforderung für die Stadtgesellschaft und die Verwaltung, aber die Aufgaben sind lösbar und ich bin fest davon überzeugt, dass wir das packen können.“

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