Würzburg

Helfen Medikamente gegen Malaria bei einer Corona-Erkrankung?

Der Würzburger Virologe Professor Lars Dölken setzt große Hoffnungen auf Studien zu Malaria-Medikamenten. Die Ergebnisse kommen bald, sagt er. Wie stehen die Chancen?
Blick auf die fast menschenleere Alte Mainbrücke in Würzburg. Die Ausgangsbeschränkung kommt gerade zum richtigen Zeitpunkt, sagt der Würzburger Virologe Lars Dölken. Foto: Daniel Peter

Gibt es bald eine Möglichkeit die Coronavirus-Pandemie einzudämmen? Der Würzburger Virologe Professor Lars Dölken bezeichnet die ersten Ergebnisse zu Studien über Malaria-Medikamente als vielversprechend. Er geht davon aus, dass die Medikamente auch bei der Lungenerkrankung Corvid-19 wirken. Dölken, Jahrgang 1977, leitet seit 2015 den Lehrstuhl für Virologie an der Universität Würzburg. Für seine Forschung wurde er unter anderem 2017 mit einem mit zwei Millionen Euro dotierten Preis des Europäischen Forschungsrats (ERC Consolidator Grant) ausgezeichnet.

Frage: Seit Tagen heißt es, Medikamente gegen Malaria helfen auch bei der Corona-Erkrankung Corvid-19. Ein Hoffnungsschimmer?

Lars Dölken: Die Chancen sind nicht schlecht. Ich gehe davon aus, dass es bald Medikamente gibt, die bei Covid-19 wirken. Wir müssen aber noch zwei bis drei Wochen abwarten, bis die Studien dazu veröffentlicht sind. Die ersten Ergebnisse sind jedenfalls sehr vielversprechend, etwa für das Malaria-Medikament Remdesivir. Es wurde ursprünglich gegen Ebola entwickelt und zeigt Wirkung gegen die beiden Coronaviren von SARS und MERS. Auch die Kombination von Chloroquin, einem alten Malaria-Medikament, und Azithromycin scheint wirksam zu sein. Die Daten sind gut. Das sind zwar keine randomisierten klinischen Studien, die kann man in der Kürze der Zeit auch noch nicht erwarten. Aber es kann gut sein, dass wir in drei bis sechs Wochen nicht mehr völlig machtlos gegen das Virus sein werden.

Bis wann rechnen Sie mit einem Impfstoff gegen die Corona-Infektion?

Dölken: Wir werden in ungefähr einem Jahr die Infektion mit Coronaviren unter Kontrolle haben. Es wird dann Impfstoffe geben und diese werden wirken. Mehrere Impfstoffe gegen das Virus werden zurzeit mit quasi unbegrenzten finanziellen Mitteln vorangetrieben. Aber wir können jetzt nicht ein Jahr lang den Shutdown aufrecht erhalten, bis Impfstoffe entwickelt sind. Die Zeit bis dahin gilt es zu überbrücken. Deshalb setze ich meine Hoffnung auf Medikamente - insbesondere auf die gegen Malaria. Mit Remdesivir und der Kombination von Cloroquin und Azithromycin hätten wir vielleicht sogar gleich zwei Therapie-Ansätze, die wirksam sind. Dies würde die Situation grundlegend verändern.

Wie schnell würde sich die angespannte Situation in den Kliniken durch Medikamente verändern? 

Dölken: Zurzeit liegen manche Covid-19-Patienten vier Wochen intubiert auf der Intensivstation und binden dabei erhebliche Kapazitäten. Mit einem wirksamen Medikament ließe sich die Infektion dieser Patienten schon nach wenigen Tagen unter Kontrolle bringen. In der Folge könnten die staatlichen Kontrollmaßnahmen Schritt für Schritt zurückgefahren werden, um nach und nach eine kontrollierte Durchseuchung der gesamten Bevölkerung mit dem Virus zu erlauben. 95 Prozent aller Infizierten erkranken eh nicht allzu schwer. Diese alle brauchen also keine Therapie und sollten auch keine bekommen, um das Risiko von resistenten Viren minimal zu halten. Dann bekommen wir das Virus unter Kontrolle und verhindern weitere Tote.

Professor Lars Dölken vom Institut für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg. Foto: Uni Würzburg

Wie geht es jetzt weiter? 

Dölken: Die nächsten zwei bis drei Wochen werden entscheidend sein und uns zeigen, wo es hingeht. So werden wir mit der stetig steigenden Anzahl an getesteten Personen bei gleichzeitigen massiven staatlich-verordneten Quarantäne-Maßnahmen in Kürze wissen, wie die Situation wirklich in Würzburg und Umgebung aussieht. Je länger wir die Kontrolle behalten, desto mehr Ressourcen fließen in unsere Kliniken und Gesundheitsämter. Desto besser sind wir aufgestellt. Damit sinkt die Chance von italienischen Verhältnissen weiter.

Was ist der Unterschied zu den SARS- und MERS-Epidemien, die ebenfalls von Coronaviren ausgelöst wurden? 

Dölken: Beim SARS-Virus hatten wir den entscheidenden Vorteil, dass Patienten mit SARS erst krank und etwa einen Tag später erst infektiös wurden. Bei Covid-19 sind die Patienten erst infektiös und werden ein bis zwei Tage später krank. Außerdem gab es viel weniger nur leicht kranke Personen, die den Gesundheitsbehörden entgehen konnten. So ließen sich zu unser aller Glück bei SARS die Infektionsketten vollständig nachverfolgen, die entsprechenden Kontaktpersonen isolieren und das Virus eliminieren . Bei Covid-19 hatten wir von Anfang an nur eine sehr geringe bis gar keine Chance das Virus aufzuhalten. Das MERS-Coronavirus kommt weiterhin im Nahen Osten vor. Hier sind die großen Kamelherden mit dem Virus persistent infiziert. Zum Glück ist das Virus von Mensch zu Mensch nur sehr schwer übertragbar. Dafür verlaufen die Erkrankungen wie bei SARS häufig sehr schwer. An einem Impfstoff wird derzeit intensiv gearbeitet. Im Zuge der Covid-19-Pandemie wird ein solcher sicherlich auch bald verfügbar sein. Hier sind wird also hoffentlich bald gut vorbereitet, sollte sich das Virus verändern.

Wer sollte sich aktuell testen lassen?

Dölken: Wer nur leicht krank ist, sollte sich zu Hause in eigene Quarantäne begeben und sich ganz einfach so verhalten als ob er/sie Covid-19 hätte, also Kontakt zu anderen Personen bestmöglich vermeiden. Eine Testung auf das Virus ist dann zumeist nicht erforderlich und die Infektion wird aller Voraussicht nach problemfrei ausheilen. Grundsätzlich sollte man dabei aber unbedingt seinen Arbeitgeber über die Symptome - am besten direkt telefonisch noch am gleichen Tag - unterrichten. Bei Personen, die in der direkten Patientenversorgung oder Schlüsselpositionen arbeiten, kann dies zum Beispiel dazu führen, dass man diese doch lieber auf das Virus testet, um ein Einbrechen des Virus in versorgungsrelevante Bereich unter allen Umständen zu verhindern.

Wie viele Tests werden derzeit am Institut für Virologie der Universität Würzburg durchgeführt?

Dölken: Derzeit werden bei uns am Institut etwa 500 Proben pro Tag auf Covid-19 untersucht. Dabei hatten wir vor zwei Wochen noch ein bis zwei Prozent positive, seit letzter Woche grob fünf Prozent und letzten Freitag zum ersten Mal elf Prozent positive Proben. Am Wochenende waren es dann etwa sieben Prozent. Wir werden sehen, wie sich die Zahlen in den nächsten Tagen entwickeln. Grundsätzlich sind die Tests sehr zuverlässig. Auch wenn es sicherlich falsche negative Tests gibt, so spricht ein negativer Test doch zumindest für eine geringe bis sehr geringe Infektiösität der entsprechenden Person. Unsere Tests sind also nicht falsch negativ, weil sie schlecht sind, sondern weil in der Probe einfach dann jeweils sehr wenig Virus enthalten ist.

Ab wann ist ein Test sinnvoll?

Dölken: Nach einem Kontakt mit dem Coronavirus kann es bis zu 14 Tage dauern - meist sind es fünf bis sechs Tage - bis die Infektion bei einem selbst losgeht. Unsere Tests werden frühestens ein bis zwei Tage vor Symptom-Beginn positiv (parallel dazu wird die Person auch infektiös). Nach einem negativen Test an Tag 7 nach Kontakt kann man aber problemlos an Tag 8 symptomatisch erkranken. Daher macht das Testen von symptomlosen Personen nur in ganz speziellen Ausnahmesituation zum Schutz von Kontaktpersonen, zum Beispiel bei medizinischem Personal nach Kontakt in der Notaufnahme, Sinn. Zumeist geht es darum, dass wichtiges Personal auch nach möglichem Covid-19-Kontakt noch arbeiten kann.

Kommen die aktuell beschlossenen Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus zu spät?

Dölken: Aus virologisch-epidemiologischer Sicht kamen die getroffenen Maßnahmen jetzt in der notwendigen Härte genau zum richtigen Zeitpunkt. Früher hätten sie aller Voraussicht nach zu unverhältnismäßigen wirtschaftlichen Folgen geführt und wären in der Bevölkerung auf mangelnde Akzeptanz gestoßen. Jetzt hingegen, waren sie absolut erforderlich. Wenn wir uns nicht an die Regelungen halten, werden wir schnell mehr Corona-Fälle bekommen - und das bitter bereuen. Die Verschärfung der Regelungen der letzten Tage wird dies aber wohl verhindern.

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