WÜRZBURG

Herz-Studie mit 3000 Würzburgern

Wollen 3000 Würzburger untersuchen: Die Studienleiter Peter Heuschmann (links) und Stefan Störk.
Wollen 3000 Würzburger untersuchen: Die Studienleiter Peter Heuschmann (links) und Stefan Störk. Foto: NORBERT SCHWARZOTT

Viel Bewegung, gesunde Ernährung und nicht Rauchen – wer nach diesen Grundsätzen lebt, hat meist ein geringes Risiko für eine Herzkrankheit. Doch auch wenig steuerbare Faktoren wie etwa die genetischen Anlagen haben Einfluss darauf, warum ein Mensch herzkrank wird und ein anderer nicht. Wissenschaftler der Universität Würzburg untersuchen jetzt erstmals in einer breit angelegten Studie, wie häufig Herzschwäche in der Würzburger Bevölkerung auftritt und welche Faktoren die Krankheit auslösen.

Viele Würzburger werden deshalb in den nächsten Monaten Post vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) mit Sitz in Würzburg erhalten. Die Angeschriebenen sind zufällig ausgewählt, die Teilnahme ist freiwillig, heißt es in der Mitteilung.

„In der STAAB-Kohortenstudie möchten wir herausfinden, welche Faktoren eine Herzschwäche begünstigen“, sagt der Kardiologe Stefan Störk, der mit dem Epidemiologen Peter Heuschmann die Studie leitet. „Wir erhoffen uns, daraus gezieltere Vorsorgestrategien entwickeln zu können. Das würde vor allem den Menschen helfen, die ein erhöhtes Risiko für Herzschwäche haben oder schon an einer frühen Form der Erkrankung leiden.“

Bei der Stadtverwaltung findet dieser Forschungsansatz große Zustimmung: „Wir unterstützen diese Studie und ermuntern alle Würzburger an der Studie teilzunehmen“, sagt Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake. Über das Einwohnermeldeamt werden die Teilnehmer mit Hilfe eines Zufallsgenerators ermittelt und angeschrieben. Insgesamt wollen die Wissenschaftler in den nächsten Jahren eine Stichprobe, auch Kohorte genannt, von zunächst 3000 Würzburgerinnen und Würzburgern im Alter zwischen 30 und 79 Jahren untersuchen.

„Wir möchten wissen: Wie häufig kommt Herzschwäche tatsächlich in der Bevölkerung vor? Deshalb suchen wir für unsere Studie nicht gezielt nach Patienten, die schon an einer Herzschwäche leiden, sondern untersuchen eine zufällige Stichprobe aus der Bevölkerung“, erklärt Studienleiter Peter Heuschmann. „Wenn möglichst viele der ausgewählten Personen auch teilnehmen, verbessert das die Aussagekraft unserer Studie.“ Dann können die Wissenschaftler künftig genauere Empfehlungen für die Vorbeugung und für die frühzeitige Behandlung der Herzschwäche ableiten.

Die Teilnehmer der Studie erhalten einen Gesundheits-Check, unter anderem mit umfangreicher Untersuchung von Herz und Gefäßen, Lungenfunktion und Zucker- und Fettstoffwechsels. Eine Behandlung ist – wenn nötig – im Studienzentrum nicht möglich, doch erhält jeder Teilnehmer einen Auszug der Untersuchungsergebnisse, die er mit seinem Hausarzt besprechen kann.

Im Rahmen der Studie wird größter Wert auf die Einhaltung aller datenschutzrechtlichen Bestimmungen, die Wahrung der Privatsphäre sowie die Vertraulichkeit der Daten gelegt. Die Teilnehmer werden im Voraus umfassend über den Ablauf der Studie und den Datenschutz informiert. Nach drei Jahren können die Teilnehmer bei einer weiteren freiwilligen Untersuchung mitmachen. Die Wissenschaftler hoffen so verfolgen zu können, wie sich der Gesundheitszustand der Teilnehmer verändert.

Informationen über die Studie: www.dzhi.de/aerzte/studien/staab

STAAB-Studie & Herzschwäche

Die STAAB Kohortenstudie ist ein gemeinsames Projekt von Kardiologen des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) sowie von klinischen Epidemiologen des Instituts für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Universität Würzburg. Das DZHI ist eine Einrichtung der Universität und des Universitätsklinikums und wird vom Bundesforschungsministerium als Interdisziplinäres Forschungs- und Behandlungszentrum gefördert. Seit seiner Gründung 2010 erforscht das DZHI die Grundlagen der Herzinsuffizienz und arbeitet an einer verbesserten Behandlung der Erkrankung. Noch im Dezember 2013 soll der erste Spatenstich für ein eigenes Gebäude des DZHI am Straubmühlweg stattfinden.

Herzinsuffizienz

Etwa zwei bis drei Millionen Menschen bundesweit leiden an Herzinsuffizienz, vor allem ältere Menschen sind davon betroffen. Über die frühen Formen der Herzschwäche ist bisher wenig bekannt. Denn normalerweise suchen Patienten erst dann einen Arzt auf, wenn sie entsprechende Beschwerden haben. Eine frühe Form der Herzschwäche wird eher zufällig entdeckt. Meist verläuft die Herzschwäche als chronisch fortschreitende Krankheit, die einer dauerhaften und umfangreichen Behandlung bedarf. Menschen mit einem erhöhten Risiko für Herzschwäche (Stadium A) oder Erkrankte, die an einer frühen, symptomfreien Form der Erkrankung (Stadium B) leiden, können durch frühzeitige Prävention und Behandlung dem Fortschreiten der Erkrankung gegensteuern. Mehr Infos über Herzschwäche: www.herzschwaeche-info.de

Probe-Messung: Jasmin Simon (rechts) und und Yvonne Memmel vom Team, das die Studie des DIHZ durchführt.
Probe-Messung: Jasmin Simon (rechts) und und Yvonne Memmel vom Team, das die Studie des DIHZ durchführt. Foto: Norbert Schwarzott

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