Würzburg

Hetze gegen Homosexuelle? Antifa und Linke demonstrieren gegen Kongress in Würzburg

Derzeit tagt in Würzburg der Kongress der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge. Kritiker meinen, die Organisation sei homophob. Auch aus der Politik kommt Gegenwind.
Ein Kongress der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge findet gerade in Würzburg statt. Die Tagung steht in der Kritik, weil die christliche Vereinigung in der Vergangenheit wegen homophober Äußerungen aufgefallen ist. 
Ein Kongress der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge findet gerade in Würzburg statt. Die Tagung steht in der Kritik, weil die christliche Vereinigung in der Vergangenheit wegen homophober Äußerungen aufgefallen ist.  Foto: Lucas Kesselhut

Ein in Würzburg stattfindender "Kongress über Psychotherapie und Seelsorge in einer digitalisierten Welt" sorgt mächtig für Aufruhr. Noch bis Samstag tagt im Congresscentrum die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS). 

Die Akademie hat laut eigenen Angaben das Ziel, Begegnungen zwischen Psychotherapie und christlicher Seelsorge in Wissenschaft und Praxis zu fördern. In einem offenen Brief, herausgegeben von der Antifa Würzburg und der feministischen Gruppe "MissMutig", werfen beide Gruppierungen den Organisatoren und Referenten vor, unter dem Deckmantel der Wissenschaft zu verbreiten, dass Homosexualität krankhaft und potentiell heilbar sei. Die Antifa sammelte Unterschriften gegen die Veranstaltung und plant für diesen Freitag, 7. Juni, eine Gegendemo. Am Mittwoch gab es bereits eine Kundgebung in der Eichhornstraße.

Kongress sorgte 2009 für Schlagzeilen

Was sorgt für Aufregung? Eine Tagung der APS in Marburg ist 2009 in Kritik geraten. Wie "Der Spiegel" damals berichtete, sorgten dort zwei Referenten im Vorfeld der Veranstaltung für Aufregung, weil sie wegen ihrer Vorträge zu Veränderungen einer homosexuellen Orientierung vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland als "Homo-Heiler" bezeichnet wurden. Auch wenn sich im Programm des aktuellen Kongresses solche Vorträge nicht finden lassen, werfen Kritiker der APS vor, Homophobie und Sexismus mit der direkten Verbindung von religiösem Fundamentalismus weiter zu praktizieren.

Bundestagsabgeordnete Simone Barrientos kritisiert den Kongress und auch Oberbürgermeister Christian Schuchardt.
Bundestagsabgeordnete Simone Barrientos kritisiert den Kongress und auch Oberbürgermeister Christian Schuchardt. Foto: Thomas Obermeier

Nicht nur von der Antifa hagelt es kritische Töne. Auch die Bundestagsabgeordnete und kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Simone Barrientos, wendet sich in einer Pressemitteilung gegen den Kongress. Auf Nachfrage dieser Redaktion teilt ihre Mitarbeiterin mit, dass Barrientos den Einschätzungen des offenen Antifa-Briefes folge, zudem habe es eigene Recherchen gegeben, die die Kritik bekräftigen würden. In der Mitteilung kritisiert sie auch Oberbürgermeister Christian Schuchardt, dessen Grußwort im aktuellen Tagungsprogramm der APS erschienen ist. "Mit seinem Grußwort macht er antifeministischer und homofeindlicher Hetze den Hof", meint Barrientos.

OB verbittet sich Diffamierung

Schuchardt reagierte prompt auf die Vorwürfe. "Wer mich kennt, weiß, dass ich jederzeit und überall für eine offene, tolerante und bunte Stadt Würzburg eintrete – in allen Bereichen. Ich verbiete mir daher jede derartige Unterstellung und Diffamierung", schreibt Schuchardt in einer Pressemitteilung.

"Wer mich kennt, weiß, dass ich jederzeit und überall für eine offene, tolerante und bunte Stadt Würzburg eintrete."
Oberbürgermeister Christian Schuchardt

Wie die Pressestelle des Rathauses erklärte, handelt es sich um ein "Standard-touristisches Grußwort", das in Variationen bei allen Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werde. Die Anfrage sei über den Diakonieverband gelaufen und erschien dem Rathaus bei einer "oberflächlichen Internetrecherche unkritisch". Eine inhaltliche Wertung sei damit nicht verbunden, teilte die Pressestelle mit. 

Wie die Akademie reagiert

Der Akademie sind die Vorwürfe und der offene Brief bekannt, wie ein Sprecher auf Nachfrage dieser Redaktion mitteilte. "Der Fundamentalismusvorwurf geht der APS gegenüber völlig ins Leere. Es liegt ein zentrales Missverständnis vor, wenn nicht absichtliche Unterstellung", so der erste Vorsitzende Martin Grabe. Für ihn seien Homosexualität, Bisexualität oder Transsexualität auch keine Krankheiten oder psychische Störungen. Dies sei jetzt auch kein Thema beim Kongress in Würzburg.

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