WINTERHAUSEN/KITZINGEN

Hilfe ist für sie selbstverständlich

In der Asylbewerberunterkunft in Kleinlangheim informierte sich der SPD-Landtagsabgeordnete Volkmar Halbleib (hinten, Zw... Foto: M. Bielawski

Eva Grabosch aus Gerbrunn fährt jeden Tag nach Winterhausen. Hier ist sie Patin einer fünfköpfigen Familie, die in Deutschland Asyl sucht und erst einmal in Winterhausen Unterkunft gefunden hat. Die Ärztin hilft den Flüchtlingen bei vielen Alltagsproblemen. Sie ist eine von vielen, die in den Landkreisen Würzburg und Kitzingen Asylbewerber unterstützen. Die SPD hatte Helfer aus beiden Kreisen zu einem Empfang ins Bürgerheim nach Winterhausen eingeladen.

„Hilfe ist ein Gebot der Selbstverständlichkeit.“
Wolfgang Mann, Bürgermeister in Winterhausen

„Es soll ein Zeichen der Wertschätzung sein“, so Volkmar Halbleib, SPD-Landtagsabgeordneter aus Ochsenfurt. Halbleib weiß, dass „unten“ vieles von den Menschen abhängt, die sich vor Ort engagieren. Ohne sie wären Flüchtlinge, die das Landratsamt in dezentralen Unterkünften auf dem flachen Land untergebracht hat, verloren. Die SPD möchte derartige Empfänge wie in Winterhausen bundesweit veranstalten. Ziel soll es sein, Helfer miteinander zu vernetzen, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich untereinander auszutauschen.

Halbleib hat seine Landtagskollegin Angelika Weikert mitgebracht. Sie ist sozialpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion und sehr erfahren in der Asylpolitik. „Was Sie alle leisten ist beeindruckend und verdient höchsten Respekt“, richtet sie ihren Dank an die rund 50 Helfer, die der SPD-Einladung gefolgt sind. Dass sich mittlerweile überall dort, wo Flüchtlinge unterkommen, Helferkreise bilden, schätzt sie besonders. Oft sei es sogar so, dass bereits vor der Ankunft von Asylbewerbern, Menschen ihre Hilfe erklären. Wie beispielsweise im Ochsenfurter Bärental. Hilfe, die nicht nur vorübergehend ist. „Im nächsten Jahr besteht der Arbeitskreis Asyl der Caritas Kitzingen 30 Jahre“, lobt die Sozialpolitikerin.

Die Motivation der ehrenamtlichen Helfer ist dabei völlig unterschiedlich. Eva Grabosch aus Gerbrunn gibt etwas von dem zurück, was sie als Ärztin in Afrika erfahren hat. „Da war ich fremd“, sagt sie. Jetzt hat sie Zeit und will helfen. Als Patin steht sie einer Familie im Alltag zur Seite. Sie zeigt den Weg zum Arzt, zum Bahnhof, vermittelt bei Schulproblemen, unterstützt bei Behördengängen, hilft beim Ausfüllen der vielen Anträge. Gerade ist sie dabei eine Wohnung für eine Familie zu suchen, die sich als anerkannte Flüchtlinge in Deutschland eine Zukunft aufbauen wollen. „Es ist gar nicht so einfach, was Geeignetes zu finden“, sagt sie. Zumindest nicht für den Betrag, den die fünfköpfige Familie vom Jobcenter bekommt.

„Dabei haben Flüchtlinge Potenzial“, sagt Angelika Weikert. Gerade Syrer haben einen hohen Bildungsstand und könnten ihre Kenntnisse in Deutschland einsetzen. „Leider werden ihre Abschlüsse nicht anerkannt“, bedauert sie. Und ganz allgemein sei es wichtig, sofort nach der Ankunft mit der Integrationsarbeit zu beginnen. „Bildung, Bildung, Bildung ist das Allerwichtigste“, so Weikert.

Gisela Umbach aus Theilheim ist eine von vielen ehrenamtlichen Deutschlehrerinnen in den Helferkreisen. Sie unterrichtet seit über einen Jahr Flüchtlinge in Bergtheim und muss, bedingt durch den häufigen Wechsel in der Unterkunft, oft von vorne anfangen. „Wenn meine Schüler sagen können, wo sie wohnen und wie sie heißen, bin ich schon zufrieden“, sagt sie. „Das Schönste ist aber, wenn sie mich verstehen.“

Als vorbildlich wird oft der Helferkreis in Winterhausen bezeichnet. Bürgermeister Wolfgang Mann hält sich da bescheiden zurück. „Wir haben vorwiegend Familien. Das begünstigt das“, sagt er. Und er gibt offen zu, dass es anfangs durchaus auch Skepsis in der Bevölkerung gegeben hat. Sätze wie – An wen muss ich mich denn wenden, wenn mein Auto zerkratzt wird? – habe er auch gehört. Nach einer Informationsveranstaltung sei es aber gelungen, diese Vorbehalte zu zerstreuen. „Hilfe, die wir anderen geben, ist ein Gebot der Selbstverständlichkeit“, sagt Mann. So haben sich dann auch etwa 45 Personen für einen Helferkreis gemeldet.

Die Arbeit wird unter den Helfern aufgeteilt. Von der Kleiderkammer bis zum Deutschkurs. Auch um Kontakte zu örtlichen Vereinen bemühten sich die Helfer. So sei es auch schon gelungen, ein junges Mädchen in die örtliche Tanzgarde des Karnevalvereins zu vermitteln und ein junger Mann spielt bei den Winterhäusern in der Fußballmannschaft. „Das ist es auch, was Flüchtlinge brauchen“, sagt Angelika Weikert. Weil etwa 50 Prozent der Asylbewerber in Deutschland bleiben, brauchen sie mehr als nur ein Dach über dem Kopf. „Die Gesellschaft muss ihnen das Gefühl vermitteln, ihr seid angekommen.“

In den Landkreisen Würzburg und Kitzingen braucht Angelika Weikert da keine Sorgen zu haben. „In vielen Gemeinden sind die Arme weit offen“, sagt die stellvertretende Landrätin des Landkreises Würzburg Karen Heußner.

Besuch in Kleinlangheim

Beim Besuch der Asylbewerberunterkunft in Kleinlangheim trafen die Abgeordneten Volkmar Halbleib und Angelika Weikert mit dem stellvertretenden Kitzinger Landrat Robert Finster, der Vorsitzenden des Integrationsbeirates der Stadt Kitzingen Astrid Glos, Helmut Römpp vom Caritasverband Kitzingen und der Bürgermeisterin Gerlinde Stier zusammen. Besprochene Themen waren unter anderem die psychologische Betreuung (nur ein Sozialpädagoge für 150 Asylbewerber), Kostenübernahme für Ehrenamtliche und die Koordinierung auf der Ebene von Gemeinden, Landkreise und Bezirk.

Im Gespräch mit ehrenamtlichen Helfern: Die SPD-Abgeordneten Angelika Weikert (Zweite von links) und Volkmar Halbleib ha... Foto: Thomas Fritz

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