WÜRZBURG

Himmels-Akrobatin turnt am Wochenende über Würzburg

Auf Abschiedstournee: Peggy Walentin turnt als einzige Wingwalkerin in Deutschland am Wochenende bei den Flugtagen am Schenkenturm auf ihrem fliegenden Doppeldecker.
Auf Abschiedstournee: Peggy Walentin turnt als einzige Wingwalkerin in Deutschland am Wochenende bei den Flugtagen am Schenkenturm auf ihrem fliegenden Doppeldecker. Foto: FH/js

Den Zuschauern auf der Airshow am malerischen Wolfgangsee stockt der Atem: Da steigt doch die Passagierin mitten im Flug aus dem offenen Cockpit des Doppeldeckers und läuft auf der Tragfläche entlang. Und dann winkt sie doch tatsächlich herunter. Spätestens jetzt beginnen einige fassungslose Beobachter erleichtert wieder zu atmen, nachdem sie registrieren, dass der Spaziergang auf dem Flügel der Maschine Teil einer spektakulären Show ist. Und Peggy Walentin freut sich über den bewundernden Applaus – schließlich ist sie die einzige Frau in Deutschland, die ihren Lebensunterhalt als Wingwalkerin verdient. Am Wochenende tritt sie bei den Flugtagen am Würzburger Schenkenturm auf.

Die gebürtige Chemnitzerin organisierte in den neunziger Jahren Airshows in Deutschland. Allerdings hatte sie Flugangst. Kurzerhand absolvierte sie deshalb als offensives Gegenmittel eine Ausbildung zur Privatpilotin, damit war ihre Furcht vorm Fliegen geheilt.

Bei einer der Flugshows war auch ein skandinavisches Wingwalking-Team zu Gast. In den Pausen kam sie mit dem Piloten der Maschine ins Gespräch und fragte keck, ob er sie nicht mal angeschnallt auf dem oberen Trapez mitnehmen würde. Dieser willigte spontan ein, Minuten darauf ging es bereits für eine kurze Runde in die Luft. Nach der Landung meinte Peggy Walentin „in einem Überschwung an Selbstbewusstsein“, ob man nicht auch ein bisschen „Turnen“ – also Kunstflug – machen könne. Erneut ging es gen Himmel, ein erster Looping auf der oberen Fläche stehend bedeutete quasi ihre Feuertaufe.

Dann verging einige Zeit und die Pilotin hatte ihr Erlebnis fast schon vergessen, als der skandinavische Flieger auf der Suche nach einer neuen Showpartnerin plötzlich anrief. Nach kurzer Bedenkzeit sagte sie ja, seit 1999 fliegt sie als Deutschlands einzige Wingwalkerin und ab 2005 in ihrem eigenen Team „Peggys Wingwalkers“.

Seit einiger Zeit lebt sie in Südbaden, der Freiburger Flugplatz ist ihre fliegerische Basis. Die Maschine, mit der Peggy Walentin und Pilot Friedrich „Friedel“ Walentin, ihr langjähriger Lebensgefährte und seit kurzem auch Ehemann, unterwegs sind, stammt vom US-Hersteller Boeing. Dieser baute in den Vierzigerjahren des vorigen Jahrhunderts robuste Doppeldecker, auf denen amerikanische Airforce-Piloten die Grundlagen des Fliegens erlernten. Die Maschine vom Typ Stearman E 75 ist groß, robust und hat in der stärksten Motorversion auch viel Power. Und diese Leistung ist notwendig, da Peggy auf der 1943 gebauten Maschine nach eigenen Worten einen „Luftwiderstand erzeugt, als hätten wir einen Spind auf der Tragfläche montiert“.

Ob sie nicht Angst habe herunterzufallen, wird sie nach dem Auftritt oft von den Zuschauern gefragt. Furcht nicht, aber einen ordentlichen Respekt vor ihrer nicht ganz ungefährlichen Tätigkeit, gibt die verantwortungsbewusste Mutter einer erwachsenen Tochter zu. Deshalb wird auch in der fliegerischen Heimat in Südbaden ausgiebig trainiert, um mögliche Schwachstellen frühzeitig zu entdecken.

Über 600 Auftritte hat Peggy Walentin seit 1999 bei internationalen Airshows, fürs Fernsehen oder als Stuntfrau, absolviert, einen Großteil davon in der jetzigen Besetzung mit Friedel Walentin. Allerdings sei jetzt Zeit, das Karriereende einzuleiten, betont die 44-jährige. Deshalb findet in diesem Sommer die Abschiedstournee der Wingwalkers statt. Wer die spektakuläre Vorführung der beiden Wingwalkers erleben will, sollte sich ihren Auftritt bei „Würzburg fliegt“ am Flugplatz Schenkenturm am Samstag und Sonntag, 27. und 28. Juni, keinesfalls entgehen lassen.

„Würzburg fliegt“ am 27. und 28. Juni

Ein Riesenspektakel für die ganze Familie erwartet die Besucher am 27. und 28. Juni, jeweils ab 10 Uhr, am Flugplatz Schenkenturm. Unter dem Motto „Würzburg fliegt“ lädt der Flugsport Club Würzburg (FSCW) zu einem Großflugtag ein. Der Verein rechnet mit mehreren Tausend Besuchern.

Zu bestaunen sind zwei herausragende Fliegerinnen: Neben Deutschlands einziger Wingwalkerin Peggy Walentin ist Yvone Schönek zu Gast. Die Flugkapitänin bei der Lufthansa zaubert als Kunstfliegerin waghalsige Figuren an den Himmel. Das Kunstflug-Team Franken beeindruckt mit Segelflugformationen. Der FSCW zeigt, was er an motorisierten Maschinen und Segelflugzeugen zu bieten hat. Auch ein Modell-Tur- binenhubschrauber wird zu sehen sein. Gelegenheit zum Mitfliegen gibt es für alle in den Vereinsmaschinen und in dem größten einmotorigen Doppeldecker der Welt, der Antonov AN-2, die Platz für zwölf Personen bietet. Das ganze Programm steht im Internet unter www.wuerzburg-fliegt.de

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