WÜRZBURG

Himmlisches Gebrumme

Kritik an Klagen: Flugsportler vom Schenkenturm wehren sich gegen den Vorwurf, ihre Flieger seien zu laut – Im Gegenteil: Leiser dank eines neuen Schalldämpfers
Damit es leiser am Himmel ist: Flugzeugwart Christian Frizlen vom Flugsportclub Würzburg am Schenkenturm zeigt im Hangar den 2500 Euro teuren Schalldämpfer mit Gegenschalltechnik, der das Auspuffgeräusch des Schleppfliegers dämpfen soll.
Damit es leiser am Himmel ist: Flugzeugwart Christian Frizlen vom Flugsportclub Würzburg am Schenkenturm zeigt im Hangar den 2500 Euro teuren Schalldämpfer mit Gegenschalltechnik, der das Auspuffgeräusch des Schleppfliegers dämpfen soll. Foto: Thomas Obermeier

An schönen Tagen scheint man es besonders deutlich zu hören, das Brummen der ein- oder zweimotorigen Privatflugzeuge am Himmel. „Das täuscht“, sagt Heinz Gräf, Vorsitzender des Flugsportclubs Würzburg, „da fällt es nur mehr auf, weil man mehr im Freien ist“. Seit 1954 gibt es den Flugplatz am Schenkenturm, aber erst in jüngster Zeit habe es Beschwerden über das Motorengebrumm gegeben, so Gräf.

„Dabei bemühen wir uns seit Jahren, leiser zu werden“ sagt Gräf. Aus diesem Grund habe das Schleppflugzeug für die Segelflieger nach einem geräuschärmeren Propeller vor ein paar Jahren jetzt Ende Mai dieses Jahres auch noch einen neuen Schalldämpfer bekommen. 2500 Euro hat der gekostet und soll die Auspuffgeräusche des Flugzeugs mittels einer sogenannten Gegenschalltechnik im Schnitt um rund fünf Dezibel verringern. Etwa 15 Mal am Tag startet die Machine an schönen Wochenendtagen, weiß Gräf.

Dem Vorsitzenden wäre es am liebsten, die Segelflieger würden mittels einer Winde in die Luft befördert. „Aber das dürfen wir nicht, dazu ist der Platz zu klein.“ Die Flugsportler hätten deshalb bereits vor einiger Zeit versucht, die Start- und Landebahn in Richtung Standort-Schießplatz zu verlängern, um Windenstarts zu ermöglichen, doch sei der Plan am Einspruch der städtischen Naturschutzbehörde gescheitert, die dort Trockenrasen kartiert habe, erklärt Gräf.

Klagen waren in jüngster Zeit vor allem aus Margetshöchheim, Zell und dem Dürrbachtal gekommen. Ein Lärmgutachten, das der Flugsportclub im vergangenen Jahr hatte erstellen lassen, hatte jedoch ergeben, dass sich die Motorengeräusche der Flieger in gesetzlich erlaubten Rahmen bewegen, sagt Gräf. Im Frühsommer hätten die beiden Landkreisgemeinden nun rund 30 000 Euro teure sogenannte Lärmboxen aufgestellt, berichtet er weiter. Diese halten die Lärmbelastung durch die Überflüge der Maschinen fest und melden die Werte an die Computer des Deutscher Fluglärmdienstes (dfld).

Auf der Webseite des dfld können diese Werte von jedermann eingesehen werden. Interessant: Seit dem Einbau des neuen Schalldämpfers in die Schlepp-Maschine ist der durchschnittliche Dauerschallpegel am Tag leicht gesunken, der deutlich höhere Pegel während der Nacht jedoch konstant geblieben. Zugleich haben die Messgeräte in den Monaten April bis Juli zwischen 220 und 350 nächtliche Überflüge gezählt. Besonders dies ist für den Flugsport-Vorsitzenden kurios, denn sommers wie winters wird der Flugbetrieb am Schenkenturm um 18.30 Uhr eingestellt. Allerdings könne auch er in der Nacht die Güterzüge der Deutschen Bahn bis hinauf in den Höchberger Hexenbruch hören, wo er wohne, sagt Gräf, und hat die nächtlichen „Überflieger“ damit wohl entlarvt.

„Die Boxen müssen auch erst noch nachjustiert werden, damit sie nur das erfassen, was wir messen wollen und den ,Nebenlärm' herausfiltern“, sagt der Margetshöchheimer Bürgermeister Waldemar Brohm. „Wir brauchen saubere Werte, mit denen wir arbeiten können.“ Christian Öder, Geschäftsleiter der Gemeinde Zell spricht hingegen aus eigener Erfahrung: „Ich bin zwar kein Fachmann, kann aber sagen, dass es sehr laut ist. Auch wenn es nachts vielleicht lauter ist, da sind die Leute aber nicht im Garten. Das Lärmempfinden ist tagsüber einfach größer“, weiß Öder.

„Wir setzen konsequent auf Lärmvermeidung“, sagt dazu Leopold Buschmann, zweiter Vorsitzender der Hobbyflieger, „und sehen unseren Auftrag als Flugplatz für die Region“. Pro Tag gebe es durchschnittlich 25 Starts und Landungen, nur etwa ein Drittel der jährlich 9000 Flugbewegungen seien Freizeitflieger, die restlichen 6000 Reise- und Geschäftsflieger. „Dieser Flugplatz dient also auch der Verkehrsanbindung der Stadt“, sagt Buschmann.

Etwa 80 bis 100 Mal pro Jahr starten und landen am Schenkenturm Hubschrauber von ADAC, Deutscher Rettungsflugwacht und der Polizei. „Das ist die einzige Betankungsmöglichkeit im Umkreis von 50 Kilometern“, sagt Buschmann, nur der ADAC betreibe am Christoph-18-Standort Ochsenfurt noch eine Tankstelle. Dort dürfe aber nur der ADAC-Rettungshubschrauber tanken.

Online-Auswertung der Lärmboxen (für jedermann abrufbar) im Internet unter: www.dfld.de.

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