WÜRZBURG

Hintergrund: Die Mozartschule stand schon oft vor dem Abriss

Rettet das Moz
Demo von Moz-Aktivisten im Mai: Die vorwiegend jungen Leute wollten ein Fest in der Schule veranstalten, die Stadt stellt sich allerdings quer. Foto: Daniel Peter

Im 12. Jahrhundert stand auf dem Areal der Mozartschule der Hof Katzenwicker, der zuerst im Besitz der Burggrafen von Würzburg und dann des Doms war. 1172 kauft Friedrich Barbarossa den Hof. Er hat dort der Legende nach Beatrix von Burgund geheiratet. Der Domherrenhof wird Ende des 18. Jahrhunderts niedergelegt und die Maxstraße mit der Maxschule gebaut.

Nach deren Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wird an gleicher Stelle zwischen 1955 und 1957 nach einem Entwurf des damaligen Baudirektors des städtischen Hochbauamtes Rudolf Schlick die Mozartschule gebaut. Das Mozart-Gymnasium ist hier untergebracht, bis die Stadt es 2001 aus Kostengründen mit dem städtischen Schönborn-Gymnasium zusammenlegt und ins Frauenland verlagert. Seit 2006 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Bereits Mitte der 1990er Jahre verhandelt die Rathausspitze über einen Verkauf des Grundstücks der Schule und des angrenzenden Kardinal-Faulhaber-Platzes, der seit Ende des Zweiten Weltkriegs als Parkplatz genutzt wird.

2007 beschließt der Stadtrat, die ehemalige Schule abreißen zu lassen, um hier ein Einkaufszentrum zu bauen. Ein erster Investorenwettbewerb scheitert. Stattdessen wird ein Bebauungsplan für ein Einkaufszentrum aufgestellt, das Verfahren aber nie vollendet.

2011 will der Stadtrat das Landesmuseum für Bayerische Geschichte im Moz unterbringen, getragen vom Freistaat. Im Bewerbungsverfahren bezeichnet die Stadt die originalgetreue Renovierung des Gebäudes, die Anpassung an aktuelle technische Standards und die Einrichtung eines Museums als lohnende Aufgabe. Die Bewerbung bleibt erfolglos.

2012 startet die Stadt einen erneuten Investorenwettbewerb. Der Stadtrat legt folgende Ausschreibungsbedingungen fest: Bau eines Einkaufszentrums mit 14.500 Quadratmetern Einzelhandelsfläche plus Gastronomie, Büros, Wohnungen, eine Tiefgarage mit 900 Stellplätzen. Der Antrag der SPD auf Teilerhalt des Denkmals wird abgelehnt. Ende 2013 wählt der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung das Angebot des Investors Strabag Real Estate aus. Kurz danach beginnt die Bürgerinitiative „Rettet das Moz“ Unterschriften für den Erhalt der Schule zu sammeln.

Im Kommunalwahlkampf ändern die konservativen Parteien ihre Haltung: Jetzt will die große Mehrheit des Stadtrats den Teilerhalt der Schule. Nach der Wahl, im Sommer 2014, wird der Investor aufgefordert, sein Konzept zu verändern. Daraufhin legt Strabag eines vor, in dem der „hufeisenförmige“ Gebäudeteil zur Hofstraße stehen bleibt und der Rest abgerissen wird.

Im Januar 2015 stellt OB Christian Schuchardt sein Gegenkonzept zum Bürgerbegehren für den Erhalt der Schule vor: Ein Ratsbegehren für eine „attraktive Neugestaltung“.

Im März beschließt der Stadtrat mehrheitlich den Text und verabschiedet sich damit vom jahrelang geplanten Einkaufszentrum. Stattdessen soll die Schule entweder komplett oder nur teilweise abgerissen werden und auf dem Areal ein Neubau mit Mischnutzung entstehen. Der OB und die Fraktionen von CSU, Bürgerforum/FDP, FWG und WL favorisieren jetzt den Gesamtabriss.


Bisherige Bürgerentscheide in Würzburg

Fünf Bürgerentscheide wurden bisher in Würzburg seit der Einführung 1995 durchgeführt. Der aktuelle Entscheid ist der dritte in drei Jahren.

1997: Verlagerung des Röntgen-Gymnasiums an die Herieden für eine Fachhochschul-Erweiterung am alten Standort (Münzstraße) und Standorterhalt Mozart-Gymnasium (Ratsbegehren). Erfolg für Bürgerbegehren durch Stichfrage: Standorterhalt Röntgen- und Mozart-Gymnasium.

2006: Das Projekt der Bahnhofs-Arcaden (Einkaufszentrum) scheitert um Haaresbreite. 20 010 Bürger sind dafür, 20 995 dagegen.

2008: Neubau der Fachhochschule am Alandsgrund (Sanderheinrichsleitenweg): 20 Prozent sind dafür, zehn Prozent dagegen.

2013: Blockrand-Bebauung am Platz'schen Garten: 9,2 Prozent dagegen, 6,5 Prozent dafür – Zustimmungsquorum wird verpasst.

2014: Umplanung und Ausbau der Autobahn A 3 bei Würzburg mit einem echten Tunnel: 11,95 Prozent sind dafür, 5,55 Prozent dagegen.

 

Rückblick

  1. Nutzungskonzept für das Moz-Hufeisen ist beschlossene Sache
  2. Bürgerinitiative begrüßt neues Nutzungskonzept für das Moz
  3. Nutzungskonzept für Moz-Areal nimmt Hürde im Hauptausschuss
  4. OB: Sanierung der Mozart-Schule auf der Zielgeraden
  5. Reitberger-Stiftung: Moz öffentlich nutzen
  6. Kritik an Moz-Plänen
  7. Standpunkt: Die Chance ist da   
  8. Stadt will mit Mozartschule voran kommen
  9. VR-Bank soll bei Mozartschule einsteigen
  10. VR-Bank will Teile der Mozartschule erwerben
  11. Die Gesichter der Nacht
  12. Katharina Strein ist neue Geschäftsführerin des Mozartfests
  13. Olga Scheps und Chopins Träumerei
  14. Der Stadtrat hat einen Plan fürs Moz
  15. Musik soll in die Mozartschule
  16. Standpunkt: Vom Müllhaufen der Moz-Geschichte
  17. Warum Politik manchmal schwierig ist: Beispiel Mozartschule
  18. Ex-Mozartschule: Zoff zwischen SPD und Oberbürgermeister
  19. Moz ohne Central-Kino: Die Aula ist ungenutzt
  20. Kommt jetzt ein Bürgerbegehren zum Faulhaber-Platz?
  21. Neue Idee: Ein Sozialrathaus in die Mozartschule
  22. Mozartschule wieder mal im Stadtrat
  23. Junge Würzburger wollen Moz-Zukunft gestalten
  24. So geht es nach dem Ja zur Mozartschule weiter
  25. Tag der Entscheidung: Die Bürger bestimmen die Zukunft der Mozartschule
  26. Ratsbegehren und Bürgerbegehren: Das sind die Ziele
  27. Bürgerentscheid am Sonntag: Der große Schritt zur Moz-Lösung?
  28. Ein Zettel, drei Fragen: Alle Infos zum Bürgerentscheid
  29. Hintergrund: Die Mozartschule stand schon oft vor dem Abriss
  30. Standpunkt: Warum das Moz nervt und der Bürgerentscheid trotzdem wichtig ist
  31. Vor Bürgerentscheid: Starke Nachfrage nach Briefwahl
  32. Mozartareal: Aufsichtsbeschwerde wegen Ratsbegehren
  33. Mozartschule: Stadtbaurat nimmt Stellung
  34. Demo vom Dom zur Mozartschule
  35. Verbotene Ausstellung nun in Schaufenstern
  36. Stimmen aus der Moz-Diskussion
  37. Vor Bürgerentscheid: Denkmal oder 140 Wohnungen?
  38. OB: „Stadtbild wichtiger als Verkaufserlös“
  39. Teurer durch Nutzungsmix
  40. „Grüne Oase“ Faulhaberplatz
  41. Denkmal für elf Millionen saniert
  42. „Moz müsste völlig entkernt werden“
  43. Moz-Bürgerentscheid: Main-Post lädt zu Podium
  44. Das war der Chat: Strabag-Bereichsleiter Müller zum Moz-Bürgerentscheid
  45. Mozartschule: Statt Kulturfest jetzt zwei Demos
  46. Standpunkt zum Kulturfestverbot
  47. Mozartschule: SPD jetzt doch für Erhalt
  48. Die Tochter des Erbauers der Mozartschule schreibt einen offenen Brief
  49. Wofür steht die SPD am Mozartareal?
  50. Bürgerentscheid: Stadt lädt zu Infoständen und Veranstaltung im Ratssaal

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