Hubland

Historische Brüche: Was den Tower interessant macht

Symbol für Vergangenheit und Zukunft zugleich: der umgestaltete Tower am Hubland. Foto: Daniel Peter

Wo ist nur der Architekt? Wer Jochen Hofmann in der Tower-Baustelle am Hubland finden will, braucht ein bisschen Geduld. Der Handwerker, der im Foyer des künftigen Stadtteilzentrums im Werkzeugkasten kramt, schaut fragend zurück, zuckt mit den Schultern, "aber schauen Sie mal unten im Keller nach". Also hinab in die Katakomben, vorbei an Arbeitsgerät aller Art, Baumaterialien und wuselnden Arbeitern. Der Tipp war gut, aber Jochen Hofmann ist noch in Besprechung: "Sehen Sie sich zwischendurch mal um", sagt er, "ich finde Sie dann schon". 

Ausblick von der Tower-Terrasse, links hinten die Wohnhäuser der Würzburger Stadtbau. Foto: Daniel Peter

Beste Aussicht auf den neuen Stadtteil

Also gut, wo anfangen in einem Gebäude, das so prägend für den neuen Stadtteil Hubland sein wird, das eine Geschichte hat und zugleich auch noch gar keine? Am besten ganz oben. Denn hier ist der Tower sozusagen am allerneuesten. Die Dachterrasse hat es bisher nicht gegeben, ebenso wie das gesamte Obergeschoss. Hier, mit knapp 17 Metern Höhenunterschied, lässt sich am besten sehen, wo und wie Würzburgs jüngster Stadtteil aus dem Boden wächst. Und die Landesgartenschau ist mit dem nötigen Abstand schon als das zu erkennen, was sie mal sein wird: die große grüne Lunge für die "Hubländer".

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Tower Hubland

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Zurück auf der komplett neu errichteten Innentreppe ist es die Formensprache von Geländer und Fenstern, die daran erinnert, dass der Tower nicht nur ein Zweckgebäude war, sondern auch ein Beispiel für die in Würzburg kaum existente Bauhaus-Architektur. Wobei - und das macht das Haus erst recht interessant - man hier gleich doppelt vorsichtig sein muss bei der Begriffswahl. Zunächst aus historischer Sicht: Gebaut Mitte der 1930er Jahre, fiel der Tower damals architektonisch eigentlich aus der Zeit. Das NS-Regime verabscheute die Ideen der Bauhaus-Architekten, griff bei Technik- und Industriebauten aber zuweilen auf die Formen der Neuen Sachlichkeit zurück. Das dürfte - neben rein praktischen Erwägungen - wohl auch in Würzburg der Grund für den Baustil des Towers gewesen sein.

Turm ist in wesentlichen Teilen neu

Und dann ist es eben so, dass der eigentliche Turm in wesentlichen Teilen ein Neubau ist, nur das flache Nebengebäude ist historische Bausubstanz. Als im April 2016 das Münchner Büro Florian Nagler Architekten den ersten Preis für die Umgestaltung des Towers zum Stadtteilzentrum gewann, war zunächst von einem "maßvollen Umbau" die Rede gewesen.  Nach Beginn der Bauarbeiten im Frühjahr 2017 stellte sich aber schnell heraus, dass man mit der vorhandenen Substanz die gestellte Aufgabe wohl nicht würde bewältigen können. Warum, weiß Architekt Hofmann, der jetzt dazukommt und Zeit für die Presse hat: "Wir hatten es mit Schadstoffen zu tun, die verbauten Materialien waren zum Teil nicht zu gebrauchen, und es gab auch statische Probleme wegen der neuen Höhe und des geänderten Grundrisses." Mit seinem Würzburger Architekturbüro "hofmann keicher ring architekten" hatte Jochen Hofmann 2016 beim Tower-Architektenwettbewerb den zweiten Platz belegt; danach hatte sich eine Zusammenarbeit mit dem Wettbewerbssieger aus München ergeben. Hofmann übernahm als bauleitender Architekt unter anderem die Ausschreibungen für die einzelnen Gewerke. 

So sah es vor einem Jahr aus: Die Baustelle im Juni 2017 nach Abriss des alten Towers. Foto: Thomas Obermeier

Ergebnis der Bestandsaufnahme war Mitte 2017 der nahezu vollständige Abriss des eigentlichen Towers und ein Neuaufbau, der dem historischen Vorbild aber in wesentlichen Zügen folgt. Das Ergebnis kann man seit längerem von außen besichtigen. Ins Auge fällt das neue Treppenhaus an der Westseite, das auch die neue Höhe bestimmt: 19,45 Meter ist der Tower jetzt hoch - gegenüber 14,10 Metern früher. Die zweite wesentliche Veränderung gegenüber dem alten Tower ist das zusätzliche Stockwerk. 

Blick auf die komplett neue Innentreppe. Foto: Daniel Peter

Geschichte lässt sich an den Wänden ablesen

Die historischen Brüche des Gebäudes lassen sich mit sensiblem Auge an Details ablesen. Zum Beispiel, indem man sich im künftigen Ideenlabor des Zentrums für Digitale Innovationen (ZDI) im ersten Stock die Wände anschaut. "Die historischen Wände haben wir bewusst von den neuen abgesetzt", sagt Tobias Pretscher. Der 34-Jährige vertritt als planender Architekt auf der Baustelle das Münchner Büro Nagler. Der Unterschied ist fein, aber gut erkennbar. Das alte Mauerwerk ist im Inneren unverputzt, lediglich weiß geschlämmt. Dort, wo die Oberfläche glatt wird, beginnen die neu aufgebauten Teile. Der Bruch zwischen Vergangenheit und Gegenwart zeigt sich auch an den Fenstern, die zwar als logische Folge des Abrisses alle neu sind, aber unterschiedlich strukturiert. Den früheren Tower kennzeichnen gegliederte Fenster, im neuen Teil sind die Glasflächen größer, außerdem haben die Fenster hier Beton-Umrandungen.

Innenarbeiten in der künftigen Ideenlabor des Zentrums für Digitale Innovationen . Foto: Daniel Peter

Die bedeutendste Veränderung für den Hubland-Tower steht nach dem offiziellen Abschluss der Hochbauarbeiten am 2. Juli aber noch bevor: wenn in das ehemals reine Nutzgebäude Leben einzieht. Die neue Stadtteilbücherei, das ZDI und im Mehrzweckraum zunächst eine Ausstellung zu Geschichte und Zukunft des Hublands  werden es sein, die den neuen "Treffpunkt Tower" prägen. Gespeichertes Wissen und Kreativität - die Kombination  ist keine schlechte Aussicht für ein Haus mit dieser Geschichte.

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