Würzburg

Hoffnung für Patienten: Würzburgs Uni stärkt Krebsforschung

Für eine seltene Blutkrebs-Art gilt die Uniklinik Würzburg schon heute als führend in der Therapie. Nun kommt noch eine Stiftungsprofessur dazu. Forschen für die Heilung.
Gemeinsam im Kampf gegen Knochenmarkkrebs: (von links) Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät, Martin Kortüm, Inhaber der neuen Stiftungsprofessur für Myelom-Forschung, und Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klink II des Uniklinikums Würzburg. Foto: Fabian Gebert

Es ist mit 6000 bis 8000 neuen Fällen pro Jahr in Deutschland eine eher seltene Krebsart. Doch was Knochen und Knochenmark angeht, zählt das Multiple Myelom zu den häufigsten Tumoren. Eine der führenden Einrichtungen in der Erforschung und Behandlung, bundesweit wie international, ist die Würzburger Uniklinik. Patienten aus aller Welt suchen hier Hilfe, finden sie in individualisierten Therapien und klinischen Studien.

Allein im vergangenen Jahr habe man über 1000 Myelom-Patienten behandelt, sagt Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik II und einer der renommiertesten deutschen Krebsforscher. Und ihre Expertise für den Knochenmarkkrebs baut die Universität nun weiter aus: Finanziert vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und dem Pharma-Unternehmen Janssen-Cilag wird eine neue Stiftungsprofessur speziell für das Multiple Myelom eingerichtet. Darauf berufen wird zum 1.Januar der Internist und Hämato-Onkologe Martin Kortüm.

Multiples Myelom: viele neue Medikamente zugelassen

Der gebürtige Stuttgarter kennt die Uniklinik, hat Teile seines Medizinstudiums in Würzburg absolviert und war hier mehrere Jahre als Klinikarzt tätig. Bei einem vierjährigen Aufenthalt in den USA vertiefte er sich in die Erforschung des Multiplen Myeloms, kehrte als Oberarzt an die Würzburger Uniklinik zurück und habilitierte sich.

Bei einer Pressekonferenz gab der dreifache Familienvater Einblick in die Fortschritte bei der Myelom-Behandlung. Sie dürften Betroffenen Mut machen, denn anders als noch Anfang der 2000er Jahre sind die Chancen heute deutlich größer, die Krebserkrankung zu kontrollieren. Viele Medikamente sind Kortüm zufolge in den vergangenen 15 Jahren zugelassen worden. Nun komme es darauf an, für jeden Patienten die richtige personalisierte Therapie zu finden.

Ralf Angermund von der Janssen-Cliag GmbH, nach eigenen Angaben in Deutschland eines der größten forschenden Pharma-Unternehmen. Foto: Fabian Gebert

Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Immuntherapie, die auch bei anderen Krebsformen immer häufiger zu Behandlungserfolgen führt. Auch hier zählt Würzburgs Uniklinik deutschlandweit zu den führenden Häusern, der 41-jährige Kortüm leitet klinische Studien dazu.

Erst im Frühjahr ging man mit einer kleinen Sensation an die Öffentlichkeit: Erstmals hatte eine spezielle Immuntherapie auch beim Multiplen Myelom voll angeschlagen. Noch besser zu verstehen, wie sich Tumore entwickeln, welche Risikofaktoren die einzelnen Patienten haben und wie Resistenzen gegen Medikamente entstehen – das ist eines der Ziele der Stiftungsprofessur von Martin Kortüm. Dazu soll auch die genetische Diagnostik vorangebracht werden.

Ziel: gesunde Phasen bis zu einem Rückfall verlängern

Vor 15 Jahren lag die Heilungsrate beim Multiplen Myelom praktisch bei null Prozent. Heute liege sie bei sechs bis zehn Prozent, "das nächste Ziel könnten 20 Prozent sein", sagte Ralf Angermund, zuständiger Direktor der Janssen-Cilag GmbH, die die neue Professur finanziert.  Immerhin gelingt bei zwei Dritteln aller Myelom-Patienten eine komplette Remission, die Krebszellen bilden sich zurück. Allerdings kommt es bei fast allen zu einem Rückfall - bei manchen bereits nach einigen Monaten, bei anderen erst nach vielen Jahren.

Hat u.a. vier Jahre an der Mayo Clinic in Scottsdale (USA) geforscht und kehrte 2016 nach Würzburg zurück:  Martin Kortüm, Inhaber der neuen Stiftungsprofessur für Myelom-Forschung an der Julius-Maximians-Universität. Foto: Fabian Gebert

"Eine der größten Herausforderungen in der Hämatologie ist die Frage, wie am besten mit den Rezidiven umzugehen und wie weiterbehandelt werden kann", so Angermund. Das Multiple Myelom ist eine bösartige Blutkrebserkrankung: Antikörper produzierende Zellen (Plasmazellen), verwandeln sich in Tumorzellen und vermehren sich im Knochenmark. Die normale Blutbildung wird damit unterdrückt.

Einsele leitet Deutsche Studiengruppe Multiples Myelom

An der Uniklinik ist auch die Deutsche Studiengruppe Multiples Myelom angesiedelt, sie wird von Hermann Einsele geleitet. Kollege Kortüm ist eingebunden. Für fünf Jahre ist die Stiftungsprofessur mit 2,5 Millionen Euro finanziert – danach wird neu verhandelt oder sie wird vom Freistaat in eine ordentliche Professur überführt. Von einem "großen Tag für die medizinische Fakultät" sprach deren Dekan Matthias Frosch vor der Presse und meinte mit Blick auf die neue Stelle: "Mit Drittmitteln allein ist es nicht getan. Wir brauchen auch die guten Köpfe".

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