WÜRZBURG

Hohe Haftstrafe für Finanzjongleur

Für zehneinhalb Jahre soll Slobodan Cvetkovic (vorne im Bild rechts) ins Gefängnis. Ihm gehörte die CSA, ein Teil des Frankonia-Finanzberater-Imperiums.
Für zehneinhalb Jahre soll Slobodan Cvetkovic (vorne im Bild rechts) ins Gefängnis. Ihm gehörte die CSA, ein Teil des Frankonia-Finanzberater-Imperiums. Foto: Manfred Schweidler

Das letzte Urteil im laufenden Frankonia-Prozess ist gesprochen: Die Wirtschafts-Strafkammer des Würzburger Landgerichts schickt Fonds-Manager Slobodan Cvetkovic wegen Untreue und Betruges für zehneinhalb Jahre ins Gefängnis. Die bereits Verurteilten hatten zuvor Urteile zwischen dreieinhalb und acht Jahren Haft bekommen. Der frühere Weltklasse-Fechter Thomas Gerull wurde zu acht Jahren, sein Zwillingsbruder Michael zu sieben Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Alle Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Sie hatten ihre Geschäfte mit der Angst kleiner Leute gemacht, mit der staatlichen Rente im Alter nicht genügend abgesichert zu sein. Die Finanzberater der Frankonia-Gruppe versprachen eine private Altersabsicherung mit guten Zinsen.

Investitionen in die eigene Tasche

Doch nun können 25 000 kleine Sparer nur noch hoffen, dass Insolvenzverwalter Markus Schädler ihnen wenigstens einen kleinen Teil des Geldes wiederbeschafft. Das Gericht sieht es als bewiesen an, dass ein Großteil gar nicht investiert, sondern von Firma zu Firma geschoben worden sei – und dann in die Tasche der Verurteilten. Im nicht verjährten Zeitraum von fünf Jahren schätzt das Gericht den angerichteten Schaden strafrechtlich allein auf etwa 50 Millionen Euro. Davon soll Cvetkovic für den Löwenanteil von über 30 Millionen verantwortlich sein.

Er soll seiner Frau beispielsweise vom Geld der Anleger ein Haus gebaut haben. Wo da die versprochenen Zinsen für Anleger herkommen sollten, blieb schleierhaft. „Die Dreistigkeit, mit der das Geld herausgeschaufelt wurde, sucht ihresgleichen“, befand der Vorsitzende Reinhold Emmert im Urteil.

Das Gericht sah es aber – im Unterschied zur Staatsanwaltschaft – nicht für bewiesen an, dass die von Cvetkovic seit 2009 als Vorstand geführte Capital Sachwert Alliance (CSA) von Beginn an auf Betrug angelegt war – also auch nicht, bevor Cvetkovic 2009 die CSA von Weltklasse-Fechter Elmar Borrmann kaufte. Die vom Frankonia-Konzern gegründete CSA hatte Borrmann im Jahr 2004 erworben und nach eigenen Angaben bis zu dem Verkauf an Cvetkovic unabhängig vom Frankonia-Konzern geführt.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Borrmann „wegen des Verdachts von Betrugsstraftaten zum Nachteil der Anleger der CSA-Fonds“. Auch gegen vier weitere Personen wird ermittelt. Kürzlich wurde im In- und Ausland durchsucht – auch bei ihm, wie die Staatsanwaltschaft sagt. Borrmann wolle sich dazu derzeit nicht äußern, sagte sein Anwalt auf Anfrage. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Sein Nachfolger bei der CSA, Cvetkovic, hatte monatelang neben den vier geständigen weiteren Mitangeklagten gesessen, ohne eine Regung zu zeigen oder ein Wort zu sagen. In Ermittlungsakten wird aus früheren Äußerungen des Serben zitiert, der kurz vor seiner Verhaftung durch seine PR-Abteilung erklären ließ: „Es war mir stets sehr wichtig zu erkennen, wie ich immer wieder neue Geschäfte aufbauen kann. Ich will nicht einmal eingesammeltes Kapital nur ängstlich verwalten, das ist nicht mein Ding.“

Über den Mann im eleganten Zweireiher sagte sein jüngst hinzugekommener Verteidiger Hans-Jochen Schrepfer: Er sei „Macher, Jongleur, Tausendsassa“, aber kein Betrüger. Dagegen war Staatsanwältin Claudia Kahnke überzeugt: Der Angeklagte habe an einem hochkriminellen System mitgewirkt, um Kleinverdienern das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Cvetkovic: „Ich habe niemanden betrügen wollen.“

Erst am Ende des Prozesses – nachdem die engagiert auftretende Staatsanwältin knapp 13 Jahre Haft gefordert hatte – brach Cvetkovic sein Schweigen. „Ich habe niemanden betrügen wollen“, erklärte er mit belegter Stimme. „Mein grundsätzlicher Fehler war, dass ich mich zu sehr auf Mitarbeiter verlassen habe.“

Die Verteidiger zweifeln, ob die vom Gericht unterstellten „Scheingeschäfte“ bewiesen sind. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Möglicherweise muss sich der Bundesgerichtshof mit dem Fall befassen.

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