WÜRZBURG

Hospizarbeit als Lebenshilfe

Jubiläumsfeier Hospizverein       -  Peter Collier ließ anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Hospizvereins in der Missionsärztlichen Klinik viele Ereignisse Revue passieren. Viele Gesprächspartner sprachen dabei über die Anfänge, über Entwicklungen und eigene Grenzen.DANIEL PETER
Peter Collier ließ anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Hospizvereins in der Missionsärztlichen Klinik viele Ereignisse Revue passieren. Viele Gesprächspartner sprachen dabei über die Anfänge, über Entwicklungen und eigene Grenzen.DANIEL PETER Foto: Foto:

Am Anfang war die Sterbebegleitung eine nachbarschaftliche Idee, die allein durch Mundpropaganda immer bekannter wurde. Daraus entstand der Hospizverein Würzburg „auf den Tag genau vor 25 Jahren“, sagte sein Vorsitzender Wolfgang Engert am Samstag bei der großen Geburtstagsfeier in der Missionsärztlichen Klinik bei einem Festakt mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm als Schirmherrin.

Der Verein, so der Vorsitzende, war nie antikirchlich oder antireligiös, im Gegenteil: unabhängig, selbstständig und religiös neutral sei die Maxime für die Sterbebegleitung, um sich ganz den Betroffenen widmen zu können. Um dieser Freiheit willen habe sich der Hospizverein vor 25 Jahren zwar ein Vorbild am Bamberger Verein genommen, sich ihm aber nicht angeschlossen. Der Verein hat mit der Missionsärztlichen Klinik einen Kooperationsvertrag, der Palliativ- und Ethikbesprechungen bezüglich schwerkranker Patienten vorsieht.

Kasse finanziert Aufenthalt

Zwei Palliativstationen gibt es im Juliusspital, ebenfalls im Juliusspital eine Palliativakademie für Fortbildungen, und eine weitere Palliativstation an der Uniklinik. Auf dem Gelände der Ritaschwestern in der Sanderau, aber als Einrichtung des Juliusspitals, entstand vor drei Jahren ein stationäres Hospiz, in dem sterbenskranke Menschen ihre letzten Tage verbringen können, wenn sie sonst alleine wären. Wichtig für den Träger: Die Krankenkasse finanziert den Aufenthalt mit.

Barbara Stamm: „Es ist beispielhaft, was wir in Würzburg gemacht haben. ,Es gibt kein beglückenderes Gefühl als das, für andere Menschen da sein zu können',“ zitierte sie den Theologen Dietrich Bonhoeffer. Der Hospizverein, jene freie Initiative aus dem Jahr 1991,habe sich zu einem „ganz wichtigen Baustein innerhalb der medizinischen Versorgung in Würzburg“ entwickelt. Sie kämpfe dafür, dass die Würde des Menschen gewahrt bleibt, dass neben dem Ehrenamt dabei aber auch eine Refinanzierung erfolgt. „Wir sind hervorragend aufgestellt, haben aber viel zu viel Bürokratie“, beklagte sie.

Stamm wendet sich nachdrücklich gegen Sterbehilfe „durch eine Hand“ und bekennt sich zum Sterben „an einer Hand“. Dem Verein bestätigt sie eine „beeindruckende Erfolgsgeschichte“, weil er sich „an den Bedürfnissen der Menschen orientiert“. Die Angst der Betroffenen werde – wenn auch nicht genommen – so doch gelindert. In diesem Sinne sei Hospizarbeit auch Lebenshilfe.

Schwester Rita Maria Käß übernimmt vielfach das Einsatztelefon, damit in Fragen Palliativ und Hospiz immer Erreichbarkeit herrscht. Interviewt von Peter Collier (Hospizverein), sprach sie vom Aushalten mit den Betroffenen, vom Zuhören und Trösten im Kontakt mit Sterbenden.

Gisela Ott sprach von verschiedenen Trauergruppen; es gebe ganz verschiedene Gruppen, die nötig seien, weil etwa verwaiste Eltern Anderes für sich zu klären hätten als zum Beispiel Menschen, die einen Partner verloren haben. Gründerin Brigitte Müller gab zu Bedenken: „Es sterben nicht nur Betagte, sondern auch junge Menschen. Die Jungen mussten damals oft zur Pflege ins Altenheim!“

Hospiz war eine Geisteshaltung, „ich habe Hospiz nie als Arbeit gesehen.“ Ein Verein musste aber gegründet werden, denn eine Privatinitiative hätte nie adäquater Ansprechpartner für Kliniken und viele andere sein können.

Der Auftrag der Stifter

Oberpflegamtsdirektor Walter Herbarth (Juliusspital) erläuterte die Motivation seitens des Juliusspitals, sich so nachhaltig für die Schwerkranken und Sterbenden einzusetzen: Es gehe um den Stifterauftrag, „die Stiftung möge den jeweiligen Mangel der Zeit erkennen und beheben. Reinhild Rath, Vorgängerin von Wolfgang Engert als Vorsitzende des Hospizvereins, betonte, wie nötig es war, klare Strukturen und somit auch Arbeitsbereiche zu schaffen, um den inneren Frieden bei allem Einsatz zu haben – und zu halten. Darum werde der Hospizverein oft beneidet.

Vorsitzender Engert sähe die Hospizidee gerne noch weiter verbreitet und wünscht sich noch mehr Sterbebegleiter. Herausforderungen seien auch Menschen mit Behinderung, und auch Geflüchtete, deren Würde teils dann gewahrt wäre, wenn sie die letzten Stunden in ihrer Muttersprache verbringen könnten.

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