WÜRZBURG

Hotelturm: Zukunft weiter im Dunkeln

Den fünften Winter ist der Hotelturm ohne Dach und mit offener Fassade der Witterung ausgesetzt. Es sieht nicht so aus, als wäre es der letzte. Was mit dem Rohbau in der Schweinfurter Straße passieren soll? Die Suche nach der Antwort ist schwierig.

Hotelturm       -  2. Februar 2006: Nichts tut sich mehr im Hotelturm.
2. Februar 2006: Nichts tut sich mehr im Hotelturm. Foto: Theresa Müller
Das einzige, was sich in den vergangenen Jahren im Hotelturm bewegt hat, ist der Nachtwächter: Der setzt sich abends an seinen Tisch und schaltet seine Lampe an, deren einsames Licht auf die Schweinfurter Straße fällt.

Ansonsten liegen die 17 Stockwerke im Dunkeln. Genauso wie die Zukunft des Turms. Denn niemand beantwortet die Frage, wie es mit dem Bauwerk der Euro-Gruppe weitergehen wird.

Seit Februar 2005 wird auf der Baustelle nicht mehr gearbeitet. Die Fassade ist an der Seite offen, auch von oben regnet es in den Rohbau, der schon den fünften Winter der Witterung ausgesetzt ist.

Welche Schäden hat das Gebäude inzwischen? Droht gar der Abriss?

In der letzten offiziellen Stellungnahme im Sommer 2007 erklärte die Würzburg Estate S. A., die Turm und Siemens-Gebäude nach der Pleite der Euro-Gruppe gekauft hatte, dass sie nach wie vor einen Betreiber für ein Hotel im Turm suche. Im darauffolgenden Herbst wurde klar, dass der Eigentümer diese Suche aufgegeben hat:

Sowohl Münchner als auch russische Makler sollten das 58-Meter-Haus verkaufen.

Doch offensichtlich will es keiner haben: Im Grundbuch steht weiterhin die Würzburg Estate S. A. als Eigentümer. Als deren Geschäftsführer trat damals Jens Liebhauser auf. Er versprach den baldigen Fertigbau des Turms zum Luxushotel.

Laut Internet hat Liebhauser in den letzten drei Jahren Karriere gemacht und für 57 Millionen Euro in Europa Immobilien gekauft, geplant, entwickelt und fertig gestellt.

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Letzteres gelang ihm leider nicht in Würzburg, was vielleicht der Grund dafür ist, dass der österreichische Ex-Snowboardprofi nicht mehr mit der Main-Post sprechen will.

Die Suche nach einem anderen Ansprechpartner ist schwierig: Die Würzburg Estate S. A. sitzt laut Grundbuchamt in Luxemburg – eine Adresse oder Telefonnummer findet sich nicht.

Die Mutter der Würzburg Estate ist die Montague Goldsmith AG mit Sitz in London und Zürich. Allerdings gibt die Züricher Niederlassung in ihrem Internet-Aufritt eine österreichische Telefonnummer an. Wer sie wählt, bekommt keinen Anschluss.

Die Würzburger Hausverwaltung, die sich um den Hotelturm kümmert verweist an Montague Goldsmith in London. Ebenso der Würzburger Anwalt Bruno Fraas, der als Insolvenzverwalter der Euro-Gruppe den Verkauf an die Würzburg Estate S. A. abgewickelt hatte.

Doch auch diese Spur verläuft mehr oder weniger im Sand: Zwar hebt bei Montague Goldsmith in London jemand das Telefon ab. Aber Auskunft kann die Dame keine geben. Sie bittet, Fragen zum Stand der Dinge per E-Mail einzureichen. Auf Englisch.

Nach drei Tagen kommt eine Antwort. Auf Deutsch, aus Zürich: „Bedauerlicherweise“, heißt es in der Mail, müsse man mitteilen, man könne „momentan keine näheren Informationen bezüglich der Zukunft des Hotelturms herausgeben“. Nicht mal ein Treffen mit dem Nachtwächter sei möglich.

Stichwort


Hotelturm Nach langem Streit über Auswirkungen auf Stadtbild, Grundwasser und Seriosität des Bauherrn hat der Stadtrat 2002 den Bau des 58-Meter-Turms in der Schweinfurter Straße genehmigt - das Hotel sollte 2005 eröffnet werden.

Die Bauarbeiten verliefen stockend und wurden im Februar 2005 endgültig eingestellt. 25 Millionen Euro hat der Bau von Turm und Nebengebäude bisher gekostet.

Nach der Insolvenz der Euro-Gruppe Ende 2005 wurden beide von der Würzburg Estate S. A. für 10,2 Millionen Euro gekauft. Seitdem wurde nicht weiter gebaut.

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