Würzburg

Hubland: Nachbarschaftsstreit wegen Industriegebiet

Die Stadt dehnt sich am Hubland aus und plant eine Wohnbebauung. Auch Gerbrunn will sich ausdehnen, allerdings mit Industrie und Gewerbe. Das führt zu Unstimmigkeiten.
Gerbrunn möchte ein neues Gewerbegebiet ausweisen, nur 450 Meter von geplanten Wohngebieten am Hubland entfernt. Foto: Thomas Obermeier

"Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben", beginnt ein vielzitierter Spruch aus Friedrich Schillers Wilhelm Tell. Und der mag dem einen oder anderen  in der Würzburger Stadtverwaltung schon in den Sinn gekommen sein, als dort die aktuellen Pläne der Nachbargemeinde Gerbrunn bekannt geworden sind. Die möchte nämlich ihr Gewerbegebiet am Kirschberg erweitern, um ein Industriegebiet im sogenannten Bereich IV, und ist dabei, den entsprechenden Flächennutzungsplan aufzustellen.  

Dieser Bereich aber liegt im Gegensatz zu seinen Vorgängern, von Gerbrunn aus gesehen, erstmals jenseits der Kitzinger Landstraße in Richtung des neuen Würzburger Stadtteils Hubland, an dessen Grenze auch die Gemarkungsgrenze zwischen Würzburg und der Landkreisgemeinde verläuft. Und genau an dieser Grenze endet auch das sogenannte Quartier 5 "Am Gerbrunner Tor" des neuen Stadtteils am Hubland. Dort ist ein allgemeines Wohngebiet geplant. Doch wer will da künftig wohnen? Denn nach den derzeitigen Plänen der Nachbargemeinde wird dieses Wohngebiet nur noch 450 Meter von dem neuen Industriegebiet entfernt sein. 

Der Stein des Anstoßes bei der Stadt, die jetzt im Rahmen der sogenannten Beteiligung von Trägern öffentlicher Belange um eine Stellungnahme gebeten wurde: Die Gemeinde Gerbrunn möchte sich die Option freihalten, dass in dem neuen Gebiet eine zeitweilige Lagerung und Behandlung von Abfällen sowie Bauschuttrecycling möglich sein soll.

"Das wussten wir damals noch nicht."
Stefan Wolfshörndl, Gerbrunner Bürgermeister

Doch schon ohne diese "Optionen" der Nachbarn waren für das Quartier 5 "Am Gerbrunner Tor" und das benachbarte Quarter 4 "Kürnacher Berg" im Rahmen der städtischen Rahmenplanungen Schallimmissionsgutachten erforderlich gewesen. Diese hatten ergeben, dass für die dort geplante Wohnbebauung auch ohne das geplante Gerbrunner Industriegebiet schon umfangreiche städtebauliche Maßnahmen erforderlich seien. Schallgutachter hätten deshalb eine schallabweisende Bebauungsstruktur empfohlen, die insbesondere am nördlichen und östlichen Rand der Quartiere wirken soll, heißt es auf Anfrage aus der Pressestelle des Rathauses.

Durch die Ausweisung eines Industriegebiets, das sehr nah an die im Flächennutzungsplan der Stadt aus dem Jahr 2016 dargestellte Wohnbaufläche und das im Bebauungsplanverfahren geplante Wohngebiet heranrückt, würde sich die Situation zusätzlich verschärfen, heißt es in der Vorlage des Stadtrates, mit der die Verwaltung die Stadträte kürzlich über die Pläne des Landkreisnachbarn informierte. Das bedeutet: Die Stadt fürchtet um die Vermarktung der Flächen in diesem Bereich. 

Bürgermeister: Mit den Planungen wurde erst im Laufe des Jahres 2018 begonnen

Besonder sauer stößt der Stadt dabei auf, das die Gemeinde Gerbrunn im Rahmen ihrer Beteiligung an diesem Bebauungsplan aus dem Jahr 2016  keine Hinweise auf ein neu geplantes Gewerbegebiet in diesem Bereich vorgebracht habe.

"Das wussten wir damals noch nicht", sagt Stefan Wolfshörndl, Bürgermeister der Nachbargemeinde. "Wir haben mit den Planungen dort erst im Laufe des Jahres 2018 begonnen", fährt er fort, "das ist auch kein neues Gebiet, sondern nur eine Erweiterung, deswegen Kirschberg IV". Es habe schon früher immer wieder Überlegungen, auch von privaten Investoren, für eine Nutzung  des Areals gegeben. Über eine weitere Ausweitung des Gebietes denke man derzeit im Gerbrunner Rathaus aber nicht nach. "Das ist aus unserer Sicht aktuell kein Thema", so der Bürgermeister.

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