Thüngersheim

"Ich bin nicht der Typ für eine große Show"

Als stellvertretende Landrätin war die Grüne Karen Heußner stets loyal und zurückhaltend. Wie will sie jetzt im Wahlkampf die Wähler im Landkreis von sich überzeugen?
Karen Heußner (Bündnis90/Die Grünen) will bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 Landrätin werden.  Foto: Thomas Fritz

Die Grünen glauben an den Wechsel im Landkreis Würzburg und setzen ihre Hoffnung ein weiteres Mal in Karen Heußner. Als stellvertretende Landrätin ist sie als sehr loyal und zurückhaltend bekannt. Was unterscheidet sie von ihrem CSU-Mitbewerber und wie will sie konservative Landwirte überzeugen, grün zu wählen?

Frage: Fünfeinhalb Jahre waren Sie stellvertretende Landrätin und dabei sehr zurückhaltend. Wie wollen Sie denn jetzt im Wahlkampf nach vorne preschen?

Karen Heußner: Nach vorne preschen ist gar nicht meine Art und große Showeffekte sind nicht mein Ding. Das überlasse ich meinem Mitbewerber. Ich werde für die Menschen da sein, zuhören und ich werde das, wofür ich stehe, weiter nach vorne tragen.  

In Ihrer Nominierungsrede haben Sie gefordert, es darf kein "Weiter so" im Landkreis Würzburg geben. Was darf denn nicht so weitergehen?

Heußner: Wir werden viel sorgsamer mit den Finanzen des Landkreises umgehen, auch in Bezug auf die Klima- und Umweltpolitik. In diesem Bereich werden wir etwas ändern müssen. Ich denke da auch an den Vorrang von Individualverkehr, der beispielsweise den Bau von Straßen und Parkhäusern verlangt. Darüber müssen wir intensiver nachdenken und auch mal Nein sagen. 

Aber die Finanzpolitik des Landkreises ist doch solide, oder?

Heußner: Ja, aber auf einem hohen Niveau und sie ist leider weit vorausgreifend. Wir haben viele Investitionen besprochen, die uns lange Verpflichtungen über lange Jahre auflegen. Hier müssen wir auf die Bremse treten. Denn wir wollen ja auch den Gemeinden gegenüber fair bleiben und nicht überraschend sagen müssen: So, jetzt haben wir kein Geld mehr, jetzt erhöhen wir die Kreisumlage. 

Sie möchten ein besseres Klima im Landkreis Würzburg, aber auch im Landratsamt. Gibt es da Verbesserungsbedarf?

Heußner: Nicht alle Mitarbeiter im Landratsamt scheinen mir zufrieden zu sein. Das ist unbefriedigend für die Menschen, die dort arbeiten müssen. Das kann einem aber auch als Chef nicht egal sein. Es hat jeder ein Recht darauf, sich an seinem Arbeitsplatz wohlzufühlen. 

Sie denken dabei an bestimmte Mitarbeiter, die von ihrem unmittelbaren Vorgesetzten gemobbt wurden? 

Heußner: Ja, hier muss man mal reinen Tisch machen und neu anfangen. 

Wie wären Sie mit Mobbing im Landratsamt umgegangen?

Heußner: Ich hätte viel mehr das Gespräch mit den Mitarbeitern gesucht. Und zwar nicht nur mit der Führungsetage, sondern direkt mit den Betroffenen. 

Die Grünen wollen den Wechsel. Wie wollen Sie denn einen Landwirt im südlichen Landkreis, der traditionell die CSU wählt, überzeugen, jetzt die Grünen zu wählen?

Heußner: Der Berufsstand der Landwirtschaft ist durch die Klimaveränderung nicht gesichert. Landwirte haben so viele Probleme, die werden mehr werden und sie werden Hilfe brauchen - auch von der Politik. Ich sehe die Landwirte eher als Partner statt als Gegner und der Abstand zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft ist in einigen Fällen kleiner als man denkt. Ich halte es für möglich, dass beide auf einen Nenner kommen, weil die Schwierigkeiten für beide da sind.

Sie leben in Thüngersheim. Vor Ihrer Haustüre wurden sechs Hektar Wald gerodet. Darüber gibt es reichlich Unmut. Wenn Sie Landrätin gewesen wären, hätten Sie die Genehmigung dafür erteilt?

Heußner: Der Landrat hat hier überhaupt kein Ermessen. Es liegt eine bestandskräftige Genehmigung vor. Tatsache ist, dass die Gesetzgebung geändert werden muss. Die Vorschriften zu den Ausgleichsflächen, die artenschutzrechtlichen Bestimmungen - alles ist komplett unzulänglich zu den Bedingungen, die mittlerweile vorherrschen. Da muss ein Umdenken einsetzen, damit uns diese Vorschriften nicht dazu zwingen, zuzustimmen, obwohl wir es gar nicht wollen. 

Die Grünen haben in ihrer Kreispolitik der vergangenen Jahre sehr harmoniert mit der CSU. Es gab kaum Unterschiede in der politischen Auffassung. Was wollen Sie denn im Wahlkampf ihrem CSU-Mitbewerber entgegen setzen?

Heußner: Ich bin ein ganz anderer Typ und werde versuchen, zu sein wie ich bin und keine Show machen. Ich mache Politik für die Menschen, aber nicht, um eine Rolle zu haben, die mich schmückt. Kämpferische Auseinandersetzung kann es in der Sache geben, aber nicht im Wahlkampf.

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