Würzburg

Im Notfall: Ersthelfer holen mit der App

Wer schnell Hilfe braucht, der kann vielleicht bald eine Smartphonefunktion der Ersthelfer nutzen. Dabei hilft die Standort-Funktion des Handys.
Neben der Auswahl eines geeigneten Betreibers einer App zur Smartphonebasierenden Ersthelfer-Alarmierung sind insbesondere auch deren Versicherungsstatus durch den  Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Würzburg zu klären.
Neben der Auswahl eines geeigneten Betreibers einer App zur Smartphonebasierenden Ersthelfer-Alarmierung sind insbesondere auch deren Versicherungsstatus durch den Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Würzburg zu klären. Foto: Herbert Ehehalt

Eine Alarmierung von Ersthelfern über das Smartphone bei einem Notfall soll den Zeitraum verkürzen, in dem der Patient auf erste Hilfe wartet und nicht reanimiert wird. Die Verbandsversammlung des Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) ermächtigte deshalb den Vorsitzenden und die Geschäftsführung mit der Suche nach einem geeigneten Betreiber. Gleichzeitig wurde im Haushaltsentwurf für das erste Betriebsjahr ein finanzieller Grundstock von 35 000 Euro eingestellt. Dem ZRF Würzburg gehören neben Stadt und Landkreis Würzburg auch die Landkreise Main-Spessart und Kitzingen an.

Das Angebot soll Notfall-Erstversorgung durch so genannte "First Responder", oder "Helfer vor Ort" (HvO) ergänzen. Neben der Frage nach einem geeigneten Anbieter sind auch noch versicherungstechnische Details zu klären.

Alle Infos zum Einsatz kommen auf das Smartphone

Zur Alarmierung wird die Standort-Ortungs-Funktion der Smartphones von Ersthelfern genutzt. Über eine spezielle App erhalten diese zunächst eine Meldung zum nächstgelegenen Notfall in ihrem aktuellen Aufenthaltsbereich. Über einen Button kann der Ersthelfer den Einsatz bestätigen und erhält dann von der Integrierten Leitstelle (ILS) alle relevanten Daten auf das Display des Smartphone. Im Vorfeld der Beratung innerhalb des Zweckverbandes war in Abstimmung mit der ILS Würzburg sowie Vertretern der Rettungsdienste eine Machbarkeitsstudie erstellt worden. Ergebnis: alle Beteiligten würden die Einführung begrüßen.

Das grundsätzliche Procedere der App stellte der Ärztliche Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) Würzburg, Dr. Matthias Sauer, den Verbandsräten in deren jüngster Sitzung vor. Nach Sauers Einschätzung ergibt sich daraus "ein signifikanter Anstieg der Sicherheit." Sinnvoll erscheint die technische Ergänzung nach Erkenntnis von Experten insbesondere deshalb, da die Überlebenswahrscheinlichkeit bei einem Notfall mit jeder Minute ohne Hilfe um zehn Prozent sinkt.

Grundsätzlich gilt: je schneller ein Patient reanimiert wird, umso höher die Überlebenswahrscheinlichkeit. Die HvO decken hierbei primär den Zeitraum von vier bis neun Minuten nach einem Notfall ab. Wie der inzwischen dreijährige erfolgreiche Betrieb in Ingolstadt bestätigt, ermöglicht eine Smartphone-basierte Ersthelfer-Alarmierung die unmittelbare Hilfeleistung.

Welchen Versicherungsstatus haben Ersthelfer?

Als Voraussetzungen erforderlich seien nach Aussage des ÄLRD neben der App selbst die Registrierung der Helfer, deren Schulung und die Schulung der Leitstellen-Disponenten, sowie eine Schnittstelle in der Leitstellen-Software. ILS-Leiter Gerhard Möldner sagte im Gespräch mit dieser Redaktion, es sei dringend notwendig zu klären, welchen Versicherungsstatus die Ersthelfer im Einsatz haben.

Auch sieht ÄLRD Dr. Sauer noch Klärungsbedarf bezüglich einer Amtshaftung als Verwaltungshelfer. "Eventuell könnte man mit einer Haftungsausschlusserklärung agieren", sagte Möldner. Bei der Auswahl des Betriebssystems könne man nach Einschätzung von Harald Rehmann, Leiter der Berufsfeuerwehr und des Amtes für Zivil- und Brandschutz Würzburger, auf die Erfahrungswerte des dreijährigen Betriebs in Ingolstadt und der jüngst in Betrieb gegangenen Städte München und Straubing zugreifen.

Aussagen zu den Folgekosten konnte ZRF-Geschäftsführer Paul Justice jedoch nicht machen. "Sie differieren unter verschiedenen Anbietern und können deshalb noch nicht verbindlich genannt werden", erklärte Justice.

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