Rittershausen

Im Turm der Rittershäuser zogen neue Glocken ein und alte aus

Passgenau zieht eine der drei neuen Glocken in den Turm der Kirche St.Matthäus ein. Foto: Hannelore Grimm

Mit dem Abtransport der drei alten Glocken und der Beförderung des neuen dreifachen Geläutes hinauf in den 50 Meter hohen Turm der Kirche St.Matthäus aus der Zeit Julius-Echter (1545-1617)  bot sich den Rittershäusern ein  nicht alltägliches Bild. Zu den Zuschauern, die sich trotz Kälte und Nieselregen eingefunden zählt neben Bürgermeister Bernhard Rhein auch Kirchenpfleger Erwin Hemm.

Während der riesige Autokran seinen Ausleger ausfährt und die Mitarbeiter der Passauer Glockengießerei Perner die letzten Vorbereitungen treffen, erinnert sich Erwin Hemm an den Einbau einer Glocke den er als Kind , im Jahre 1956 erlebt hat.

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Neue Kirchenglocken

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Damals wurde, wie er erzählt, die ebenfalls in der Firma Perner gegossene Glocke mit einem Gewicht von 300 Kilogramm noch mit einer Handwinde und sehr viel Muskelkraft nach oben gezogen.

Die Zuschauer, die ihre Blicke und die Kameras gespannt nach oben richteen, verfolgten wie die Rittershäuser Helfer Bruno Ödamer und Edgar Pfeuffer sich auf dem Turm zu schaffen machen. Um die alten Glocken aus dem Turm raus und die neuen hineinzubringen mußte im unteren Teil  der Schallöffnung ein Stück entfernt werden.

Dann ist es soweit: Die erste der Weißbronzeglocken die 1949 in der Gießerei Josef Grüninger in Neu-Ulm gegossen worden sind, verlässt nach 70 Jahren den Kirchturm. So vorsichtig wie der Kranführer die alten Glocken runterlässt und auf einen Anhänger ablädt, so vorsichtig tranportiert er auch die Neuen hinauf in den Turm.

Die Christkönigsglocke mit einem Gewicht von 1465 Kilogramm zeigt auf der Vorderseite Christkönig und auf der Rückseite das Wappen von Papst Franziskus. In den in lateinischer Schrift verfassten Aufschriften sind die Namen der Mitglieder der Kirchenverwaltung verewigt.

Die 860 Kilogramm schwere Marienglocke mit dem Bildnis Patrona Bavarie und dem Wappen von Papst Benedikt trägt die Namen von  Pfarrer Klaus König und Bernhard Rhein.

Die Josefsglocke mit einem Gewicht von 740 Kilogramm zeigt den Heiligen Josef mit dem Kind und auf der Rückseite das Wappen des Bischofs Ulrich Boom. Die Inschrift am Obersatz lautet: Sancte Josef, Protege Nos (Heiliger Josef, beschütze uns) und die Inschrift über dem Schlagring lautet: Vocarius Subst. (Pfarrvikar) Pater Joseph Maliekel, MMXIX.

Abwechselnd mit den Glocken schweben als Bauteile insgesamt acht Tonnen Eichenholz für den neuen Glockenstuhl in die Höhe. 

Nach rund zwei Stunden ist der Ab-und Aufzug der Glocken nahezu  vollbracht. Nach dem Einbau des Glockenstuhls der das neue Geläut trägt, werden wie Erwin Hemm hofft, die Glocken das erste Mal an Allerheiligen erklingen.

Zusammen mit der im Turm verbliebenen Glocke aus dem Jahre 1956. Desweiteren beherbergt der Turm auch weiterhin das kleine Taufglöckchen das vermutlich im 12. oder frühen 14.Jahrhundert gesgossen worden ist. Die kleine Glocke zählt zu einer der ältesten in der Diözese Würzburg. Es ist ein sogenanntes Evangelistenglöckchen da es in gotischen Buchstaben die Namen der vier Evangelisten trägt.

Die Kosten der Sanierung des Kirchturms, dessen Baulast die Gemeinde trägt und die Erneuerung des Glockenstuhls bezifferte Bürgermeister Bernhard Rhein mit cirka 110 000 Euro. Davon trägt die Dözese einen Anteil von 50 000 Euro.

In der Geschichte des Ortsteils Gaukönigshöfer stellte für 70 der 300 Einwohner bereits die Teilnahme am Guss der Glocken in Passau ebenso ein "Jahrhundertereignis" dar wie der Abbau des alten und der Einbau des neuen Geläutes.

Wie in der Chronik des Ortes verzeichnet waren die Einwohner von Rittershausen traurig als sie in den Jahren des Ersten Weltkrieges (1914-1918) ihre zwei größten Glocken abliefern mussten.

Nachdem 1927 durch Spenden der Bevölkerung  zwei neue Glocken angeschafft und geweiht wurden, forderte der zweite Weltkrieg (1939-1945) erneut seinen Tribut von den Rittershäusern.

Nachdem Schlagwort des NS-Regimes "Glocken zu Kanonen" wurden drei ihrer Glocken zu Kriegszwecken eingeschmolzen.

Dank der Spendenbereitschaft wurden 1949 das dreifache Geläut angeschafft,das jetzt durch die drei neuen Glocken ersetzt und in Zukunft die Gläubigen zu Freud und Leid in die 1785 errichtete Pfarrkirche rufen wird.

Jahrhundertereignis Gespannt verfolgen die Rittershäuser den Wechsel der Glocken. Foto: Hannelore Grimm
Ausgedient haben nach 70 Jahren drei Rittershäuser Glocken. Foto: Hannelore Grimm

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