REICHENBERG

Im Wald spielend fürs Leben lernen

Waldpädagogik: Beim klettern, balancieren und beobachten haben die Kinder nicht nur Spaß, sondern tun sich etwas Gutes. Foto: Wilma Wolf

„Ich mag die Bäume, ich mag das bunte Laub, ich mag die Gräser, ich mag hier jeden Strauch , ich mag das Eichhörnchen, die Vögel hier im Wald . . .“ Mit diesem Lied stimmen sich Kinder und Eltern im Guttenberger Forst auf etwas völlig Neues ein: Ab September soll es hier einen Waldkindergarten geben.

Noch sieht der Platz nicht danach aus: Erst vor kurzem haben Mitarbeiter der bayerischen Staatsforsten aus Sicherheitsgründen einige Bäume gefällt. Doch dort, wo jetzt noch ein riesiger Reisighaufen liegt, soll schon bald die Schutzhütte für die Kinder stehen, erklärt Bürgermeister Karl Hügelschäffer. Diese wird vom Tennisclub Reichenberg zur Verfügung gestellt.

Im Bauhof Reichenberg werden derzeit die Fundamente für die Hütte fertig gestellt. Die Pfadfinder Reichenberg werden dann gemeinsam mit Eltern und Mitarbeitern des Bauhofs die acht mal vier Meter große Unterkunft im Rahmen einer 72-Stunden-Aktion aufstellen. Auch einen Ofen soll die Hütte bekommen, damit man im Winter heizen und auch mal einen heißen Tee machen kann. „Bei minus 20 Grad können die Kinder nicht so lange im Freien bleiben, dann ist es schön, wenn es drinnen mollig warm ist“, sagt Klaus Hemmerich von der Elterninitiative.

Für die Waldspielgruppe dienen nun eine provisorische Toilette und eine kleine Wasserstelle als sanitäre Anlagen, sagt Heike Kalpen, die gemeinsam mit Praktikantin Ann-Kathrin Bauer in der Kita Lindflur jeden Donnerstag von 15 bis 17 Uhr die Gruppe betreut. Seife gibt es nicht, dafür Lavaerde. Und dann dürfen die Kinder richtig loslegen, Holz und andere Naturmaterialien sammeln, Tiere und Pflanzen beobachten, sich ganz auf die Natur einlassen.

Kompetenzen wecken

„Waldkinder lernen durch das intensive Erleben der Jahreszeiten den Lebenskreislauf kennen und sie lernen, damit zu leben“, erläutert Ina Jordan von der Elterninitiative, die den Anstoß für den Waldkindergarten gab. „Die Natur schenkt den Kindern Raum und Material zum Spielen, Zeit und Ruhe. Sie schreibt ihnen nichts vor, setzt lediglich natürliche Grenzen, lässt sie so sein, wie sie sind“, meint sie. Wissenschaftlich sei es erwiesen, dass gerade das freie Spiel bei Kindern viele Kompetenzen weckt und vorantreibt.

Im Regelkindergarten findet nach Jordans Meinung zu viel drinnen statt. Im Waldkindergarten ist das anders. „Das Kind in der Natur ist immer tätig und jede Tätigkeit hat ihren Sinn. Je einfacher die Spielräume und Materialien, umso kreativer wird das Spiel sein. Je natürlicher die Spielmaterialien, desto natürlicher wird das Kind wachsen“, davon ist die Naturpädagogin überzeugt.

Zudem könnten die Kinder im Wald der Reizüberflutung durch Medien entgehen und Ruhe einkehren lassen. Beim schnitzen, klettern, balancieren und beobachten werde das Körperbewusstsein und die Gesundheit der Kinder gefördert. „Unsere Erde braucht Menschen, die es verinnerlicht haben, liebevoll und achtsam mit ihr umzugehen“, so Jordan weiter.

Elterninitiative

Weil ihr das Leben in und mit der Natur so wichtig ist, hob sie gemeinsam mit Gleichgesinnten im Oktober 2012 in Würzburg eine Elterninitiative aus der Taufe, mit dem Ziel einen Waldkindergarten am Waldfriedhof in Würzburg und einen im Guttenberger Forst zu gründen. Nach ersten Gesprächen mit Bürgermeister Karl Hügelschäffer und Franziska Rothmeyer, Leiterin der Kita Lindflur, übernahm die Gemeinde Reichenberg die Trägerschaft und Rothmeyer die Leitung der neuen Einrichtung im Guttenberger Forst. Auch die Würzburger Eltern verfolgen ihr Ziel weiter.

Jede Menge Arbeit gibt es im Vorfeld, bis ein solches Projekt gelingt. Deshalb hofft Ina Jordan, dass sie noch viele Eltern zur Mitarbeit gewinnen kann. Bald soll auch ein Förderverein gegründet werden.

Waldkindergarten

Über 800 Waldkindergärten gibt es inzwischen in Deutschland, im Landkreis Würzburg allerdings bisher nur einen in Höchberg, weiß Jordan. Deshalb ist die Einrichtung im Guttenberger Forst auch nicht auf die Gemeinde Reichenberg und ihre Ortsteile beschränkt.

Aufgenommen werden Kinder zwischen 3 bis 6 Jahren aus der Region. 12 Anfragen sind bereits da, eine Gruppe von 25 Kindern wünschen sich die Verantwortlichen. Zur Eingewöhnung könnte der Betrieb bereits im August auf freiwilliger Basis beginnen. Die Rahmenbedingungen werden derzeit erarbeitet.

Ab sofort gibt es jeden Donnerstag von 15 bis 17 Uhr Schnuppertage im Wald. Eine vorherige Anmeldung bei Heike Kalpen ist erforderlich unter 0 93 66 (99 09 85). Weitere Infos unter www.waldkiga@kita-lindflur.de oder 0 93 66 (14 16).

Ein Informationsabend findet am Dienstag, 16. April, um 20 Uhr in der Kita Lindflur statt.

Der Zweite im Kreis: Im Guttenberger Forst laufen die Vorbereitungen für einen Waldkindergarten.

Schlagworte

  • Karl Hügelschäffer
  • Kindertagesstätten
  • Lindflur
  • Sträucher
  • Tennisclub Reichenberg
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
1 1
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!