WÜRZBURG

Im Zeichen der Inklusion: „Klangspiele“ in St. Johannis

Glücklich über die „Klangspiele“ in St. Johannis (von links): Die Künstler und Künstlerinnen Edwin Vogel, Elena Schlegel, Angelika Bömml, Enrico Illhardt und der Initiator und Klangkünstler Burkard Schmidl.
Glücklich über die „Klangspiele“ in St. Johannis (von links): Die Künstler und Künstlerinnen Edwin Vogel, Elena Schlegel, Angelika Bömml, Enrico Illhardt und der Initiator und Klangkünstler Burkard Schmidl. Foto: Thomas Obermeier

Die Seitenkapelle der evangelischen St. Johanniskirche ist noch bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag ein kleines Kunstmuseum auf Zeit. Am Mittwochnachmittag wurde dort eine außergewöhnliche Ausstellung eröffnet, die Künstler zusammenbringt, die bisher noch nie zusammengearbeitet haben.

Dort ist unter dem Titel „Klangspiele“ eine Klanginstallation des in Eibelstadt lebenden Komponisten Burkard Schmidl zu erleben, die mit Bildern, Masken und Skulpturen von Künstlern aus der Kunstwerkstatt der Gemeinschaft Sant'Egidio, der Eisinger Künstlergruppe „Alte Waschküch“ sowie der Theaterwerkstatt Eisingen kombiniert sind.

Burkard Schmidl, der weit über Würzburg hinaus mit seinen Klanggärten und Klangalleen bekannt wurde, hatte vor gut einem Jahr die Idee, künstlerisch tätige Menschen mit Behinderung zu einem gemeinsamen Projekt einzuladen. Bei den Mainfränkischen Werkstätten und bei Pfarrerin Susanne Wildfeuer von St. Johannis stieß Schmidl schnell auf offene Ohren für sein Kunstprojekt zum Thema Inklusion.

Sein eigener Beitrag sollte keine Komposition im üblichen musikalischen Sinn sein, erklärt Schmidl seine Herangehensweise. Deshalb bat er Freunde und Bekannte, prominente Würzburger, aber auch die beteiligten Künstlerinnen und Künstler sowie Mitarbeiter der Einrichtungen, in denen sie leben, um „Klangspenden“. Über 150 Klänge und Geräusche, kurze Sprach- und Musiksequenzen oder Alltagsgeräusche kamen so zusammen. Etwa 40 davon fanden in der nun zu hörenden Installation Verwendung. Auch Oberbürgermeister Christian Schuchardt lieferte eine Klangspende ab.

In seinem Tonstudio bearbeitete und verfremdete Burkard Schmidl die Klänge, ergänzte sie durch eigenes Tonmaterial und strukturierte sie zu einzelnen Einheiten. Was dabei heraus kam, kann man nun aus acht Stereoboxen in der Johannis-Kapelle hören. Die Boxengehäuse dafür wurden eigens in den Mainfränkischen Werkstätten angefertigt.

Das Spezielle an der Klanginstallation ist jedoch, dass das 30-minütige Werk sich immer wieder verändert. Denn in den Boxen sind Sensoren eingebaut, die auf die Bewegung der Besucher reagieren und so interaktiv Klänge auslösen. Dadurch können die Betrachter der Kunstwerke das Klanggeschehen verändern, so dass es stets etwas Neues zu entdecken gibt.

So vielfältig wie das Klangerlebnis in der klingenden Kunstausstellung ist auch die Welt der Bilder, Masken und Skulpturen. Besonders auffällig sind drei große thronähnliche Stühle: „Thron der Träume“, „Avatar müsste blau sein“ und „Tribute von Panem“ wurden sie von den Künstlern betitelt. Auch mehrere Theatermasken zeugen von ganz eigenen künstlerischen Handschriften ihrer Urheber und wurden von ihnen in den jeweiligen Inszenierungen auch selbst getragen wie beispielsweise „Der Hohe Priester“.

Ein besonderer Hingucker ist das Gemälde „Lampedusa“, das sehr schnell einen Abnehmer gefunden hatte, der es nun für die Ausstellung wieder zur Verfügung stellte. Sehr interessant ist auch ein Gemälde mit pastellfarbenen Farbfeldern, das von seiner Malerin den pfiffigen Titel „Paul im Klee“ erhielt. Es lohnt sich aber alle Arbeiten dieser kleinen Ausstellung genau anzuschauen, sie sind es wert. Erlauben sie doch einen Einblick in eine künstlerische Welt, die den meisten eher verschlossen bleibt, sich aber dennoch nicht zu verstecken braucht.

Nicht zu Unrecht sprach Susanne Wildfeuer dann auch von einer „genialen Idee“ des Komponisten, seine Klangwelt und die Kunst aus den drei Werkstätten zusammenzuführen. Dieter Körber von der Geschäftsführung der Mainfränkischen Werkstätten freute sich über die Ausstellung, weil die beteiligten Künstler „mittendrin und zugehörig sein wollen und nicht ausgegrenzt werden wollen“. Er hoffe, dass mit den „Klangspielen“ die Barrieren in den Köpfen verschwinden und Offenheit und Toleranz Einzug halten.

Burkard Schmidl sprach von einem „schönen Nebeneffekt“, dass es ihm als „Amateur-Kurator“ gelungen sei, die drei Gruppierungen, die alle schon länger existieren, erstmals zu einer gemeinsamen Ausstellung zusammengeführt zu haben.

Künftigen Besuchern empfahl er, die Ausstellung am besten in kleinen Gruppen zu besuchen, denn je geringer der externe Geräuschpegel ist, desto besser seien die differenzierten Klänge der Installation zu erleben. und es lässt sich dann auch leichter nachvollziehen, welcher Besucher welchen Klangimpuls auslöst.

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