WÜRZBURG

Imam singt ein Gebet in Heiligkreuz

Bewegender Moment vor der katholischen Heiligkreuzkirche: Elisabeth Nikolai (Zweite von links) und Johanna Falk (Dritte von links), beide  von der Nagelkreuzinitiative, überreichen dem Iman der bosnisch-türkischen Moschee in der Zellerau, Zahir Durakowic, eine Versöhnungsstatue.
Bewegender Moment vor der katholischen Heiligkreuzkirche: Elisabeth Nikolai (Zweite von links) und Johanna Falk (Dritte von links), beide von der Nagelkreuzinitiative, überreichen dem Iman der bosnisch-türkischen Moschee in der Zellerau, Zahir Durakowic, eine Versöhnungsstatue. Foto: Nagelkreuz-Initiative

Der diesjährige Versöhnungsweg der Nagelkreuz-Initiative am Gedenktag der Zerstörung der Stadt Würzburg wurde durch ergreifende und bewegende Momente geprägt: An dem Weg zu den Gemeinden im Stadtteil Zellerau nahm zum ersten Mal auch ein muslimischer Geistlicher teil. Erstmals wurde auch die Versöhnungsstatue auf den Weg geschickt – an die bosnisch-türkische Moschee, die ebenfalls in der Zellerau beheimatet ist.

Das Nagelkreuz, ein Symbol für Frieden, Versöhnung und Bewahrung der Schöpfung, wurde in einem beeindruckenden Erinnerungsweg vieler Gläubiger von der Stadt zur Heiligkreuzkirche in der Zellerau gebracht. Am Vorplatz von Heiligkreuz spielte sich eine Szene ab, die vielen der rund 300 Pilger noch lange in Erinnerung bleiben wird: Dem Iman der bosnisch-türkischen Moschee, Zahir Durakowic, wurde die Versöhnungsstatue übergeben. Der muslimische Geistliche freute sich riesig über dieses Zeichen des Friedens und guter Nachbarschaft.

Im gleichen Augenblick aber begann das große Rätselraten: Kommt er mit in die Kirche oder geht er wieder nach Hause? Nun geschah das, womit niemand mitgerechnet hatte. Der Imam, der mit Vertretern seiner Gemeinde gekommen war, ging tatsächlich in die Kirche und stellte sich wie selbstverständlich neben die katholischen und evangelischen Pfarrer Werner Vollmuth und Georg Salzbrenner im Altarraum des Gotteshauses – die Versöhnungsstatue fest im Griff. Nach dem Versöhnungsgebet und Vaterunser sang Durakowic ein Gebet in seiner Sprache. „Es war der außergewöhnlichste und beeindruckteste Versöhnungsweg“, sagte Johanna Falk von der Nagelkreuz-Initiative.

Sie räumte ein, dass es im Vorfeld skeptische Stimmen gegeben hätte, ob man die Statue auf den Weg schicken sollte. Denn bisher sei dies nirgends passiert – weder in Deutschland noch in der internationalen Nagelkreuzgemeinschaft. Auch die Unsicherheit über eine Beteiligung des Imams spielte wohl eine Rolle. Dann habe man sich aber auf das Motto der Station vom Heiligkreuz besonnen, das so lautete: „Wir in der Zellerau – im Füreinander miteinander“. In diesem multikulturellen Stadtteil wohnten eben nicht nur Christen, so Falk.

Außerdem: Versöhnung sei ein Thema, das alle Religionen angehe. Der Imam, der über den Friedensprozess in seiner Heimat sprach, lud alle, die noch Zeit hatten, zum Besuch in die Moschee ein. „Wir hatten eine schöne Begegnung bei Tee, Kaffee, Kuchen und guten Gesprächen“, sagte Falk. Nach ihren Angaben hat sich die Initiative Einiges für die Zusammenarbeit mit den Muslimen in diesem Jahr vorgenommen. „Wir freuen uns darauf.“

Zurück zum Weg der Versöhnung: Unter dem Motto „Nie wieder Krieg – wo bleibt der Aufschrei heute?“ stand die zweite Station an der Versöhnungsglocke vor dem Hauptfriedhof. Hier wurden Waffenproduktion und -export an den Pranger gestellt. Jedes Jahr verkauft Deutschland für mehrere Milliarden Euro Waffen und Rüstungsgüter in alle Welt – mehr als jedes andere Land in Europa. „Auch wenn bei uns kein Krieg ist, die Waffen töten Menschen“, heißt es.

„Es war der beeindruckteste Versöhnungsweg bisher.“
Johanna Falk Nagelkreuz-Initiative

Die dritte Station führte in die St. Burkard-Kirche im Mainviertel. Das Thema hier lautete Zivilcourage – „Aktion Grün“. Die katholische Kirche St. Burkhard war in der NS-Zeit der Treffpunkt einer Gruppe junger Christen, die mit ihren Aktionen gegen das Regime protestierten. Ihr Name wurde von ihren grünen Blattpapieren abgeleitet.

Die nächste Station war die Deutschhauskirche. In dem sonnendurchfluteten Gotteshaus lauschten die Pilger dem wunderbaren Gesang des Kirchenchors. Dabei sprach Pfarrer Gerhard Zellfelder über Versöhnung, die in der Familie und im Beruf beginnen müsse. Da in dieser Kirche auch die koreanische Gemeinde beheimatet ist, kam auch deren Pastor Jang Kwang-Soo zu Wort. Ihn beschäftigt der fehlende Frieden in seiner Heimat. So hofft er, dass das Nagelkreuz eines Tages auch in Süd- und Nordkorea für Versöhnung steht.

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