Würzburg

In Deutschland seit Oktober schon 42 Grippe-Tote

20 000 Fälle, 42 Tote: Im Schatten des Coronavirus breitet sich in Deutschland die Influenza aus. Die Zahlen verdoppeln sich wöchentlich. Und wie sieht's in der Region aus?
Überfallartige Beschwerden: Im Gegensatz zur Erkältung bricht eine Grippe ganz plötzlich aus. Foto: Maurizio Gambarini, dpa

Es ist die Angst vor dem Unbekannten: Kein Tag ohne Corona-Meldungen, die neuartige Lungenerkrankung aus China bestimmt die Schlagzeilen, beschäftigt Behörden und Medien – auch in Deutschland. Dabei macht sich hierzulande ein anderes Virus viel stärker breit und hat laut Robert-Koch-Institut (RKI) seit Oktober schon 42 Todesopfer gefordert. Fast 21 000 Krankheitsfälle sind laborbestätigt – darunter 1500 Fälle von Schweinegrippe. Fast ein Viertel der Patienten wurde im Krankenhaus behandelt. Die Rede ist von der Influenza, also der echten Grippe – in Unterscheidung zu Erkältungen mit Schnupfen und Husten. 

Starker Anstieg der Grippefälle im Januar

Nach Kriterien der Arbeitsgemeinschaft Influenza des RKI hat die Grippewelle in der zweiten Jahreswoche begonnen.  Seitdem steigen die Fallzahlen deutlich an, auch in Bayern. Für den Januar waren beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) 4258 Influenzafälle gemeldet. Das ist etwa die Hälfte mehr als im Januar 2019. Seit dem Jahreswechsel haben sich die Grippemeldungen Woche für Woche verdoppelt. Die Praxen der Hausärzte füllen sich.

Ob Grippe oder Coronavirus: Konsequentes, häufiges Händewaschen ist mit der beste Schutz gegen Infektionskrankheiten aller Art. Foto: Christin Klose, dpa

Johann Löw, Leiter des Gesundheitsamtes für Stadt und Landkreis Würzburg, rechnet mit einer Fortdauer der Grippewelle bis Ende Februar oder Anfang März. Dies sei der übliche Zyklus. Im Bereich Würzburg wurden in den ersten fünf Wochen des Jahres 79 Fälle gemeldet, auch hier um die Hälfte mehr als im Vorjahr – allerdings auch um ein Drittel weniger als im gleichen Zeitraum 2018. Das Gesundheitsamt Schweinfurt zählte bis Montag 18 Fälle von Influenza, mit einem deutlichen Sprung nach oben in der vergangenen Woche. Dennoch: Der Anstieg entspreche bisher zum alljährlich zu beobachtenden Verlauf, heißt es auf Anfrage.

Bayern-Vergleich: Unterfranken weniger betroffen

Auffällig sind für Bayern große regionale Unterschiede. Nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts waren in der letzten Januarwoche vor allem Niederbayern, der Großraum München und das Unterallgäu stark von der Grippewelle betroffen. Dagegen zeigten sich in Unterfranken noch normale oder allenfalls geringfügig erhöhte Werte. Zum Vergleich: Im Januar hatte Oberbayern 1105 bestätigte Fälle, in Unterfranken zählte man nur 47

Erst vor zwei Jahren wurde Deutschland von der schlimmsten Grippewelle seit 30 Jahren heimgesucht. Nach Schätzungen hat sie mehr als 25 000 Menschen das Leben gekostet. In anderen Jahren bleibt es bei wenigen hundert Todesfällen.  Aktuell befinde sich Deutschland mitten im aufsteigenden Schenkel der Influenzawelle, sagt Prof. August Stich von der Würzburger Missio-Klinik, "und wieder sind erstaunlich wenige geimpft".

Die Grippeschutzimpfung kann nicht nur eine Influenza-Erkrankung verhindern. Sie senkt vor allem bei Älteren auch das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko.  Foto: Robert Günther, dpa

Trotz fortgeschrittener Grippesaison ist es für eine Impfung noch nicht zu spät. Das Immunsystem braucht zwei Wochen, um den Schutz aufzubauen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Impfung allen Menschen ab 60 Jahren, den Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen, Schwangeren ab dem vierten Monat und allen Menschen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung. 

Mehrbelastung der Ärzte wegen Corona-Angst

Wie sich die Grippelage weiter entwickeln wird, lässt sich Mediziner Stich zufolge derzeit nicht vorhersagen. Sicher sei aber so viel: Die Flut von Patienten mit Grippe- und Erkältungssymptomen mische sich in den Kliniken und Arztpraxen mit jenen, die Sorge haben, mit dem neuartigen Coronavirus infiziert zu sein. Stich: "Dies führt zu einer starken Mehrbelastung der Gesundheitsdienste."

Unterdessen fragen sich Narren in der laufenden Faschingshochphase, ob sie sich beim Feiern einem höheren Gripperisiko aussetzen. Das RKI verweist darauf, dass generell jeder enge persönliche Kontakt mit einem Erkrankten – selbst bei leichten Symptomen – zu einer Infektion mit Influenzaviren führen kann, "ob beim Karneval, bei anderen Großveranstaltungen oder dort, wo Menschen eng beisammen sind". Dass Faschingsfeierlichkeiten die Grippewelle beschleunigen oder verstärken, dafür gebe es keine wissenschaftlichen Belege.

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