Würzburg

In Würzburg vertrocknen Stadtbäume

Haydar Aktas vom städtischen Gartenamt befüllt einem Bewässerungssack an einer jungen Rubinie in der Keesburgstraße. Foto: Daniel Peter

Im Würzburger Wald bei Heidingsfeld sterben Lärchen und Fichten, am Straßenrand vertrocknen Linden und im Ringpark verdörren nicht nur die Wiesen, sondern auch die Sträucher: Trockenheit und Hitze haben die Stadt im Griff. Laut Wetterdienst fehlen Würzburg seit Juni Niederschläge. Gleichzeitig ist es seit April deutlich heißer als üblich. "Schlimmer als der Jahrhundert-Sommer 2003", sagen Menschen, die mit den Auswirkungen zu tun haben.   

"Wir wässern soviel wir können", sagt Helge Grob, Leiter des Gartenamtes.  40 Mitarbeiter sind  permanent im Einsatz. Zehn Wasserfahrzeuge verteilen täglich über 100 Kubikmeter, das sind rund 700 Badewannen, Mainwasser  in der Stadt. Dazu werden Blumenbeete oder -pyramiden und Stauden noch mit Wasser aus Hydranten gegossen. "Der Aufwand ist enorm, aber die Verluste sind trotzdem hoch", sagt Grob.  

Bewässerungssäcke als Erste-Hilfe-Maßnahme

Denn: 530 Quadratmeter Grünanlagen in der Stadt und 40 000 Stadtbäume kann man nicht bewässern. "Wir müssen Schwerpunkte setzen", erklärt der Gartenamtsleiter.  Das seien zuerst die jungen Bäume und dann diejenigen, die Trockenschäden zeigen - also ihre Blätter abwerfen oder hängen lassen. 

Am Berliner Ring, in der Ludwig- oder in der Keesburgstraße stehen Bäume, die am Vertrocknen sind. Als Erste-Hilfe-Maßnahme bekommen diese einen Bewässerungssack: ein reißfester Sack, der um den Baumstamm gelegt, mit Reißverschluss geschlossen und 100 Litern Wasser befüllt wird. Über etwa zwölf Stunden tropft das rettende Nass dann langsam und stetig durch kleine Löcher am Boden des Sacks ins Erdreich.          

"Wenn Bürger einen angeschlagenen Baum sehen, wäre es toll, wenn sie ihm helfen würden."
Gartenamtsleiter Dr. Helge Groh

Obwohl Rasenflächen wie am Bahnhof oder im Ringpark schon längst nicht mehr gegossen werden, kommt das Gartenamt an seine Kapazitätsgrenzen. "Wenn Bürger einen angeschlagenen Baum vor ihrer Haustüre sehen, wäre es toll, wenn sie ihm sofort helfen würden", sagt Groh. Dazu wären 100 Liter Wasser, also etwa zehn Eimer, langsam auf die Baumscheibe zu gießen. Straßenbäume, die nicht mehr zu retten sind und absterben, müssen vom Gartenamt entfernt werden, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. 

Ein Mitarbeiter des Gartenamts gießt neugepflanzte Bäume. Foto: Thomas Obermeier

Auch der rund 1000 Hektar große Stadtwald leidet. Vor allem Fichten und Lärchen vertrocknen, auch Erlen gehen kaputt. "Wie die anderen Bäume, die jetzt schon teilweise ihre Blätter verlieren, mit dem Wassermangel zurecht kommen, werden wir erst in den nächsten Jahren sehen", sagt Groh. Denn Bäume, die unter Trockenstress leiden, sind anfällig für Krankheiten und Schädlingsbefall.         

Die Folgen der Trockenheit 

 Das gilt auch für die wertvollen alten Bäume im Hofgarten der Residenz. "Mit den Folgen dieser Trockenheit werden wir die nächsten Jahre kämpfen", prophezeit Gerhard Weiler, Leiter der staatlichen Schloss- und Gartenverwaltung in Würzburg.

 Denn auch die 16 Mitarbeiter im Hofgarten können nicht alles gießen. "Nur das, was notwendig und machbar ist", erklärt Weiler. Das bedeutet: Beete, Neupflanzungen, Kübel ja; Rasenflächen nein.   "Unsere Zisternen sind längst leer und  mit der Ressource Trinkwasser gehen wir verantwortungsvoll um", erklärt Weiler, warum das Gras im Hofgarten braun statt grün ist.  

Ein Gärtner der Schlösserverwaltung gießt im Hofgarten der Residenz in Würzburg. Foto: Daniel Peter

Auch viele Winzer fahren seit Wochen Wasser in ihre Weinberge. "Wir bewässern einzelne Weinberge in Randersacker und unsere jungen Anlagen", sagt Peter Rudloff, Winzermeister beim Juliusspital. Dort werden die Reben über Schläuche im Boden tröpfchenweise mit Wasser versorgt.  

Für die gesamten 180 Hektar des zweitgrößten Weinguts Deutschlands sei dieser Aufwand aber nicht machbar. "Weder würden wir soviel Wasser beibringen noch hätten wir genug Leute, um es an die Weinberge zu fahren", sagt Rudloff. Deshalb muss das Juliusspital, wie andere Winzer auch, zu einer anderen Methode greifen, um die Reben vor Trockenschäden zu bewahren.          

Winzer schneiden Trauben ab, um Reben zu retten

"Wir haben, wo es nötig ist, Trauben ausgeschnitten, um die Stöcke zu entlasten", sagt Winzermeister Rudloff. Denn die Ausbildung der Frucht kostet die Reben Kraft und Wasser. Auch die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau empfiehlt auf ihrer Internetseite bei anhaltender Trockenheit die Traubenreduzierung, um schädigenden Trockenstress abzubauen. Unter Umständen könnte es sogar notwendig sein, die gesamten Träubel zu entfernen, um einen Stock zu retten.      

Endlich ergiebiger Regen wäre für Straßenbäume wie Reben jetzt die Rettung. "Aber bitte einen langsamen Landregen", wünscht sich Winzermeister  Rudloff. Denn bei Gewittern schwemmt der Starkregen die ausgetrocknete Erde ab und dringt nicht tief in den Boden ein.

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