WÜRZBURG

In den Posthallen eröffnete der erste Umsonstladen

Klare Prinzipien: Auch bei der Werbung setzen die Initiatoren des Umsonstladens auf Wiederverwertung und stempeln ihr Logo samt Infos auf zerschnittenes Altpapier.
Klare Prinzipien: Auch bei der Werbung setzen die Initiatoren des Umsonstladens auf Wiederverwertung und stempeln ihr Logo samt Infos auf zerschnittenes Altpapier.

Mit einem ausrangierten Kleiderschrank hat alles angefangen. Seit knapp drei Monaten steht er als erste Würzburger Geschenkekiste im Innenhof des Café Wunschlos Glücklich. Jeder kann hier Dinge ablegen, die er nicht mehr benutzt. Wer sie gebrauchen kann, nimmt sie mit. Kostenlos. Nach dem gleichen Prinzip soll nun ein ganzer Laden funktionieren: das „Luftschloss“ in den Würzburger Posthallen. Wochenlang hat das 15-köpfige Team um Christina Reber und Lisa Mirbauer die offizielle Eröffnung vorbereitet. Nun öffnet der Umsonstladen endlich seine Türen.

Der kleine Raum in der Nähe des Bahnhofs ist unscheinbar. Doch ein Blick durch die große Fensterfront verrät bereits, wie viel Zeit die jungen Organisatoren bereits in ihr Projekt gesteckt haben. Sie haben geputzt, gestrichen, Vorhänge genäht und Möbel aufgestellt. Alles in Eigenregie. Von der Decke hängen hölzerne Gitter mit Kleiderbügeln. Einige Schals, Strumpfhosen und Mützen baumeln herum. Die Schränke haben augenscheinlich schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Ihrem Retro-Charme kann das allerdings nichts anhaben. Porzellan, Spielsachen, Bücher und Schmuck kommen darin gut zur Geltung. Auch ein Blick in die Schubladen lohnt sich.

Noch ist Platz genug. Zum Glück, schließlich drängeln sich über den Eröffnungsabend verteilt an die 80 Gäste in den neuen Laden. Viele haben Kleidungsstücke oder Deko-Artikel im Gepäck, die sie gleich hier lassen möchten. „Im Laden werden wir eine große Auswahl haben“, sagt Lisa Mirbauer. Vorgaben, welche Artikel man vorbei bringen kann und welche nicht, gibt es keine. „Und es gilt auch nicht das Tauschprinzip“, ergänzt Christina Reber. „Man muss nichts mitbringen, um im Gegenzug etwas mit nach Hause zu nehmen.“

Die Geschenkekiste beweist, dass das Konzept funktioniert. Nach wie vor läuft das Geben und Nehmen hier gut. Das Umsonstladen-Team schaut regelmäßig nach dem Rechten, räumt ein wenig auf und sammelt Artikel für das Luftschloss ein. „Der Schrank ist jetzt so etwas wie unsere Zweigstelle“, sagt Mirbauer.

„Wir wollen ein Zeichen setzen gegen die Wegwerfgesellschaft und den Konsumwahn.“

Christina Reber Umsonstladen „Luftschloss“

Er soll Werbung machen für den Umsonstladen, denn in den Posthallen muss der Laden ohne Laufkundschaft zurecht kommen. Reber und Mirbauer setzen auf die Nähe zum Bahnhof und hoffen, dass trotzdem genug Kunden den Weg in den Laden finden.

Denn allein die Vision und das ehrenamtliche Engagement werden nicht ausreichen, um den Laden am Laufen zu halten. Pro Monat muss das Team 100 Euro Miete bezahlen. Während der Öffnungszeiten sollen deshalb Getränke gegen Spende angeboten werden. Und auch eine freiwillige finanzielle Unterstützung ist jederzeit willkommen.

Damit soll der Würzburger Umsonstladen auf Dauer überleben – und das nicht nur um seiner selbst willen. Für die jungen Geschäftsleute steckt hinter dem realen Luftschloss nämlich auch eine gesellschaftliche Vision. „Wir wollen ein Zeichen setzen gegen die Wegwerfgesellschaft und den Konsumwahn“, erklärt Reber. Es gehe um Wiederverwertung und Erhalt von vorhandenen Gütern – ein wichtiges Thema, insbesondere in Anbetracht von Umweltzerstörung und knappen Ressourcen.

Der Laden soll sich nicht nur an Bedürftige, sondern an ein gemischtes Publikum richten. Trotzdem spielt auch der solidarische Gedanke eine Rolle. „Derjenige, der zu viel hat, kann etwas abgeben an Menschen, die weniger haben“, so Reber. Ganz anonym, ohne Nachweise und Nachfragen, kann jeder dieses Angebot in Anspruch nehmen. Niemand werde stigmatisiert, wenn er in den Laden kommt, finden die Organisatoren. Auch deshalb glauben sie an ihre Luftschlösser, an den Laden genauso wie an ihre Vision.

Das „Luftschloss“ in den Posthallen hat montags von 17 bis 20 Uhr, donnerstags von 15 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter www.umsonstladen4wuerzburg.wordpress.com

Feierstimmung im Luftschloss: Christina Reber, David Garcia-Pardo, Isabell Braunger, Lisa Mirbauer, Jürgen Hillenbrand und Jana Tautz (von links) glauben an den Erfolg des ersten Würzburger Umsonstladens.
Feierstimmung im Luftschloss: Christina Reber, David Garcia-Pardo, Isabell Braunger, Lisa Mirbauer, Jürgen Hillenbrand und Jana Tautz (von links) glauben an den Erfolg des ersten Würzburger Umsonstladens. Foto: Regine Beyss

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