WÜRZBURG

In den „Roten Bau“ kommt Leben

Der„Rote Bau“ in der Theaterstraße: Zur Freude der Stadt will ihn der Investor sanieren und erhalten, wie er ist.
Der„Rote Bau“ in der Theaterstraße: Zur Freude der Stadt will ihn der Investor sanieren und erhalten, wie er ist. Foto: Thomas Obermeier

Für diese Stadt ist es fast schon ein historischer Moment, wenn - wie jetzt bekannt wurde - der geschichtsträchtige „Rote Bau“ von Johann Philipp Greiffenclau aus dem Jahr 1706 praktisch geräuschlos saniert und in ein Wohn- und Geschäftsgebäude umgewandelt werden soll.

Das Besondere daran: Der Würzburger Planer und Investor Thomas Oechsner will die für die Innenstadt wertvolle Fassade sichern und nicht verändern. Auch im Umfeld soll es keine dramatischen Eingriffe in das Ensemble geben. Die vorhandene Grünanlage soll hundertprozentig erhalten bleiben. Lediglich ein Garagenbau an der Huebergasse wird für eine neue Nutzung aufgestockt.

Früheres Gesundheitsamt

Damit sind Befürchtungen aus der Welt, in dem historischen Bau direkt neben dem Mainfranken Theater könnte ein neues „Geisterhaus“ entstehen, das nach langjährigem Siechtum nur noch dem Abbruch geweiht ist. Tatsächlich war aus dem „Roten Bau“ vor über zwei Jahren das Staatliche Gesundheitsamt ausgezogen, weil 2004 die Landesgewerbeanstalt Bayern die Tragfähigkeit der Decken des Haupthauses als nicht ausreichend für eine öffentliche Nutzung eingestuft hatte. Von der Fassade waren Steinbrocken gefallen, weshalb diese aus Sicherheitsgründen eingerüstet wurde. Das wiederum ließ viele Passante glauben, hier würde saniert.

Doch in der ganzen Zeit passierte nichts. Die Immobilienverwaltung des Freistaats als Eigentümer suchte lange vergeblich nach einem Käufer des maroden Objekts und wurde erst im letzten Dezember mit dem Würzburger Büro Oechsner handelseinig.

Büros und Wohnungen

Nach Vorgesprächen des Investors mit Oberbürgermeister und Bauamt verkündete Stadtbaurat Christian Baumgart diese Woche im Stadtratsausschuss nun die „sehr gute Nachricht“. Anlass war eine „Änderung des Bebauungsplans „Innenstadt“, womit für das bisher öffentliche genutzte Gebäude die Möglichkeit einer privaten Nutzung hergestellt wurde. Der Bebauungsplan schließt eine Reihe von Nutzungen aus. Einzelhandelsnutzung im Erdgeschoss wäre allerdings zugelassen.

Doch Gewerbe sehen die Pläne des neuen Eigentümers gar nicht vor. Es wird hauptsächlich ein Bürohaus mit teilweiser Wohnnutzung, so Thomas Oechsner auf Anfrage unserer Redaktion. Und er ist sehr optimistisch, dass es dafür genug Interessenten gibt. Er sehe kein vergleichbar interessantes Gebäude in der Innenstadt, sagt er. Es handele sich um eine außerordentliche Lage, dafür gebe es einen Markt. „Solche Arbeitsplätze mitten in der Innenstadt sind attraktiv und beleben die Stadt.“

Zuvor gibt es allerdings noch einiges zu erledigen. Wegen der fehlenden Tragfähigkeit der Decken muss wohl im Inneren des Gebäudes erst einmal gehörig ausgeräumt und neu gebaut werden. Das Treppenhaus soll belassen werden. Beim Innenleben des „Roten Baus“ hat es der neue Bauherr allerdings auch kaum mit dem Denkmalschutz zu tun: In der Brandnacht des 16. März 1945 ist nichts mehr übrig geblieben. Die früheren Holzkonstruktionen sind damals völlig verbrannt. In der Nachkriegszeit wurde der Bau mit teils schlechten Materialien wieder nutzbar gemacht, die heutigen Sicherheitsstandards nicht mehr entsprechen.

Der Bebauungsplan wird nun auf das Projekt bezogen beschleunigt geändert. Nachdem jetzt Planungsrecht besteht, arbeitet die Firma Oechsner Architekten und Ingenieure derzeit an der Baueingabe.

Im Stadtrat gab es keine Einwände zu der Änderung des Bebauungsplans. Zumal es sich hier um einen Bauträger handelt, der ganz aktuell beweist, wie man mit historischer Bausubstanz pfleglich umgeht.

Die Firma saniert derzeit auch das historische Gebäude der ehemaligen Landeszentralbank am Berliner Ring und führt es einer neuen Nutzung zu. Diesem Gebäude hatte zuletzt kaum noch jemand eine Chance gegeben. Im Sommer soll es fertig sein, versichert Thomas Oechsner, „es wird eine Perle.“ Die ersten Nutzer sollen bald einziehen. Auch in Ochsenfurt operiert das Unternehmen mit historischer Bausubstanz und baut das alte Amtsgericht für eine neue Nutzung um, ein Gebäude das lange als nicht mehr verwertbar galt.

Der Rote Bau

1706 bis 1709 wurde der Rote Bau von Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau für seine Eltern und Geschwister erbaut. Also noch vor der Residenz, deren Bau 1702 begann. 1845 bis 1853 Oberpostamt, danach Sitz des Generalkommandos für das II. Armeekorps mit Dienstwohnungen für Generäle.

Ab 1900 Verwaltungsgebäude für das Militär, nach dem Ersten Weltkrieg Sitz des örtlichen Soldatenrats.

Ab 1935 Nutzung durch das Militär der Nationalsozialisten.

Am 16. März 1945 zerstört; bis zum Jahr 1952 wieder aufgebaut.

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