Veitshöchheim

Interview mit Sigurd Immanuel Rink, evangelischer Militärbischof

Frage: Welche Rolle spielt die Militärseelsorge bei der Bundeswehr?

Sigurd Immanuel Rink: Die Militärseelsorge ist eine ganz wichtige Ergänzung der verschiedenen Hilfsangebote der Bundeswehr. Sie ermöglicht die freie religiöse Betätigung gemäß Artikel 4 Grundgesetz. Die Militärpfarrer kommen dem nach durch Seelsorge, in der Verkündigung, also in Gottesdiensten und Andachten sowie im lebenskundlichen, berufsethischen Unterricht, den ausschließlich die Militärpfarrer erteilen, und den alle Soldaten zu durchlaufen haben.

Wie hat sich die Militärseelsorge verändert?

Rink: Die Militärseelsorge hat sich im Laufe ihres 60-jährigen Bestehens verändert, wie auch die ganze Bundeswehr, die in starken Zeiten 500 000 Soldaten hatte - und heute nur noch zwischen 170 000 und 180 000 Soldaten umfasst. Derzeit sind bundesweit 106 evangelische und 80 katholische Standortpfarrer im Einsatz. Die Seelsorge in der Bundeswehr ist auch weiblicher geworden. Kernpunkt der Veränderungen ist, dass die Seelsorger die 17 Auslandseinsätze der Bundeswehr in Mali, Afghanistan und anderen Orten begleiten, was für alle eine große Belastung darstellt.

Wie wichtig ist die Militärseelsorge bei diesen Auslandseinsätzen der Bundeswehr?

Rink: Bei den Auslandseinsätzen gibt es völlig existentielle Herausforderungen und Belastungen da, wo es um Tod und Leben, um Verletzungen und Verwundungen, um Einsatzfolgen geht. Viele der Soldaten kommen heute aus den östlichen Bundesländern und haben daher keine christliche Prägung mehr. Dennoch besuchen sie die Gottesdienste und Andachten, einfach weil sie diesen Moment des zur Ruhe Kommens und des nach vorne Schauen für sich brauchen.

Was bedeutet ein solcher Auslandseinsatz für die Militärgeistlichen?

Rink: Er bedeutet zunächst einmal genauso viel Entbehrung wie bei den Soldaten auch. Sie sind einschließlich Vor- und Nachbereitung fast ein halbes Jahr unterwegs. Wenn der Pfarrer eine Familie mit heranwachsenden Kindern hat, stellt das Wegbleiben eines Familienteils für ein halbes Jahr eine unglaubliche Belastung dar.

Wie verkraften die Militärseelsorger diese Belastungen?

Rink: Die Bilder und Erlebnisse, die man dort hat, müssen auch verarbeitet werden. Wir haben deshalb auch für unsere Militärpfarrer Wiedereingliederungs-Seminare.

Wie steht die Militärseelsorge zur Anwendung militärischer Gewalt?

Rink: Hier gelten auch heute noch die Worte von Martin Luther in seiner Schrift "Ob Kriegsleute auch im seligen Stand sein können". Gemäß Luthers Aussage muss ein Christenmensch auch seiner Schutzverantwortung gegenüber den Menschen, die um ihn sind - seiner Familie, seinem Dorf, seinem Land -, nachkommen. Das bedeutet für ihn, dass Krieg und Gewalt nur der Verteidigung, aber niemals dem Angriff dienen darf. Aber im Falle einer Bedrohung hat auch der Christ die Verpflichtung und Verantwortung, andere Menschen zu schützen.

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