Würzburg

Italienische Filmtage in Würzburg: Zwischen Mafia und Madonna

Die italienischen Filmtage bieten auch eine freche Satire wie "Metti la nonna nel freezer“ (Steck die Oma in die Tiefkühltruhe). Foto: Paolo Ciriello

Freunde der italienischen Kultur und des künstlerischen Films dürfen sich auf den Donnerstag, 31. Oktober, freuen. Da hebt sich im Central-Programmkino im Bürgerbräu in der Frankfurter Straße der Vorhang für die elften „Italienischen Filmtage“. Veranstalter sind das Central-Kino und der „Circolo culturale italo-tedesco“ (Deutsch-italienischer Kulturkreis), Schirmherr ist Oberbürgermeister Christian Schuchardt.

Die italienischen Filmtage und das genossenschaftliche Central-Kino stehen in einer besonderen Beziehung zueinander. Einst führte eine bei den Filmtagen gestartete Initiative für ein Programmkino zur Entstehung des Central. Zehn aktuelle Werke italienischer Autoren und ein Klassiker – alle in der sprachlichen Originalfassung und mit deutschen Untertiteln – werden diesmal gezeigt.

Das Spektrum umfasst nach Mitteilung der Veranstalter wieder die ganze Breite der filmischen Genres -  "von meist im neo-neorealistischen Stil erzählten, sozialkritisch und psychologisch angelegten Dramen bis zur frechen und aggressiven ,commedia all’italiana'". Letztere  wird vertreten durch den Film "Metti la nonna nel freezer" (Steck die Oma in die Tiefkühltruhe). Das ist eine leicht makabre, aber witzige Satire auf den Versuch einer jungen, vom Staat betrogenen und ausgebeuteten Unternehmerin, dem Finanzamt ein Schnippchen zu schlagen.

Eine ungewöhnliche Sicht auf den alltäglichen Wahnsinn

Die düstere Seite Italiens wird dagegen ausgeleuchtet von Marco Bellocchio in seinem Mafia-Thriller "Il traditore" (Der Verräter) um die historische Figur des Mafioso Don Masino Buscetta, der sein Wissen um die Geheimnisse der "Onorata società" in den Dienst der Justiz stellte und so zur Verurteilung einer ganzen Mafia-Generation beitrug.

Allen, die sich einer ganz ungewöhnlichen Sicht auf den alltäglichen Wahnsinn stellen wollen, empfehlen die Filmtage-Veranstalter den preisgekrönte Streifen "Troppa grazia (Zu viel Wunder) von Gianni Zanasi, in dem sich eine junge Landvermesserin (Alba Rohrwacher, aktueller  Shooting Star des italienischen Kinos) mit einer eher aufdringlichen Marienerscheinung auseinanderzusetzen hat.

Ein Klassiker mit einem besonderen Gast

Filmszene aus "Der Leopard" von Luchino Visconti mit Burt Lancaster und Claudia Cardinale. Foto: Park Circus

Als Klassiker haben die Veranstalter Luchino Viscontis Meisterwerk  "Il gattopardo" (Der Leopard) in der von Martin Scorsese restaurierten Originalfassung ausgewählt. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Giuseppe Tomasi die Lampedusa von 1963 in der Regie von Luchino Visconti wurde mit der Goldenen Palme von Cannes ausgezeichnet und gilt als Meisterwerk der Filmgeschichte.

Für die Vorstellung am 1. November um 17 Uhr ist ein besonderer Gast angekündigt: Gioacchino Lanza Tomasi, Adoptivsohn von Giuseppe Tomasi di Lampedusa. Der 1934 geborene Lanza Tomasi ist Musikwissenschaftler und war bei der Verfilmung des "Gattopardo" dabei und konnte die Dreharbeiten der opulenten Verfilmung, unter anderem mit Burt Lancaster, Claudia Cardinale und Alain Delon, beobachten. Nach dem Film wird sich der Journalist und Autor Antonio Pellegrino mit Lanza Tomasi und dem Publikum unterhalten. 

Die 11. Italienischen Filmtage dauern von 31. Oktober bis zum 6. November. Das Programmheft liegt im Central-Kino und an vielen Stellen (u. a.  Stadtbücherei, Volkshochschule) aus oder ist online unter www.central-bb.de einzusehen. Unter dieser Internet-Adresse sind auch Kartenreservierungen  möglich sowie telefonisch unter der Nummer (0931) 78 011 057.

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