ZELLERAU

Jakob-Stoll-Schule: Hinschauen und eingreifen

Freude in der Zellerau: Die Jakob-Stoll-Schule wurde für ihr Engagement gegen Rassismus ausgezeichnet. Rechts der Mensch... Foto: Carolin Lemuth

Wer die Jakob-Stoll-Schule in der Frankfurter Straße betritt, fühlt unmittelbar eine multikulturelle Atmosphäre. Schüler der unterschiedlichsten Nationen tummeln sich auf dem Hof und in den Fluren. Sowohl Schüler als auch Lehrer engagieren sich stark gegen Rassismus. Nach umfangreicher Vorbereitung durch Projekte mit den Klassen gab es nun den verdienten Lohn: Die Schule wurde mit Zertifikat als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ausgezeichnet.

„Ich gehe gerne hier zur Schule, denn der unterschiedliche Glauben wird akzeptiert“, sagt die 15-jährige Esra Yildirim. Eine Referendarin schildert, dass die Schüler andere Religionen kennenlernen müssen, um die eigene besser zu verstehen und zu vertiefen. Im Unterricht wurden daher nicht nur muslimische Filme angeschaut und Moscheen besucht, sondern es wurde auch die Lehre des Christentums vermittelt und es gab Ausflüge zu Kirchen.

„Man glaubt, man weiß schon alles, dabei weiß man gar nicht so viel, wie man denkt“, meint Esra, die selbst Halbtürkin ist. Für sie und ihre Mitschüler ist das Projekt sehr spannend. Sie sind stolz. „Wir sollten mehr Bewusstsein für andere Kulturen entwickeln“, sagt der gebürtige Russe Maxim Winter. Von rassistischen Problemen hat er selber noch nichts mitbekommen.

Anders Celine Stryczek. Sie ist erst 14, hat aber bereits Mobbing im Unterricht erfahren müssen. Im Gespräch mit der Lehrerin wurden die Probleme geklärt. Ab dem kommenden Schuljahr wird Celine mit ihrem Klassenkameraden René Wyrwinski eine Arbeitsgemeinschaft (AG) gegen Rassismus leiten. „Unser erstes Projekt soll das Thema Mobbing haben.“ kündigt René an. „Wir wollen etwas erreichen und hoffen auf große Teilnahme.“

Für die AG wurden beide extra als Scouts ausgebildet – in der Freizeit. Das ist nicht selbstverständlich und zeigt das große Interesse der Jugendlichen.

Für Lehrer und Eltern ist die Auszeichnung ein wichtiger Schritt. Unterstützt werden sie von einem ganz besonderen Paten. Dr. Mai Fatty, Menschenrechtsanwalt und Mitglied von Amnesty International, ist für die Verleihung aus dem Ausland gekommen. Sein Sohn Mohammad ist selbst Schüler an der Realschule. „Ich bin sehr stolz, bei diesem großartigen Ereignis dabei sein zu dürfen“, übersetzt der Sohn aus dem Englischen. „Diese Art, Rassismus zu bekämpfen ist eine der besten Ideen, um Probleme zu lösen.“

Die Jakob-Stoll-Realschule hat als 210. Schule in Bayern das Zertifikat erhalten. Ein ehemaliger Schülersprecher verdeutlicht, wie wichtig das Engagement auch hier in Würzburg ist. „Es passiert nicht irgendwo, es passiert auch hier direkt vor unserer Tür.“ Er wurde selbst schon aufgrund seines Aussehens zusammengeschlagen. Seine Überzeugung: „Rassismus beginnt beim Dissen, weil jemand die falschen Schuhe anhat oder eine andere Nase hat.“

Die Schüler geben mit der Auszeichnung drei Versprechen: „Ich schaue hin. Ich mache etwas und greife ein. Wir organisieren Projekte um aufmerksam zu machen.“

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