WÜRZBURG

Johannes Engels zieht Bilanz: "Ich wollte Kultur nie verwalten"

Johannes Engels Am 31. Oktober hat der Kulturamtsleiter seinen letzten Arbeitstag. Aber ohne Kultur, sagt er, kann er gar nicht leben.
Johannes Engels zieht Bilanz: „Ich habe das alles nie als Arbeit empfunden, sondern als Auftrag und ein Amt, das ich lebe.“ Foto: TH. MÜLLER

Wenn einer in Würzburg Kulturschaffender ist und bei der Stadt einen Ansprechpartner sucht – an wen muss er sich wenden? In den vergangenen zwölf Jahren war die Antwort leicht: an Johannes Engels, den Kulturmanager im Würzburger Rathaus. Der 65-jährige ausgebildete Musiker und Musiklehrer kümmerte sich seit 2003 um die Kulturbelange der Stadt und leitete den Fachbereichs Kultur im Kultur-, Schul- und Sportreferat. Jetzt ist Schluss. Johannes Engels geht in Rente, am 1. November ist Sybille Linke neue Kulturamtsleiterin. Und was macht Engels? Ein Blick zurück, ein Blick voraus mit einem, der sich Gegenwartsmensch nennt.

Frage: Nach zwölf Jahren als Leiter des städtischen Kulturamtes endet ihre Amtszeit am 31. Oktober. Ist es ein Abschied mit Wehmut oder einer mit Freude auf das, was jetzt kommt?

Johannes Engels: Mit Wehmut noch nicht, denn ich bin ja noch mittendrin in der Arbeit. Ich kenne solche Abschiede nicht und habe auch nicht das Gefühl aufzuhören, auch wenn ich jetzt kein Funktionsträger mehr bin. Außerdem bleibe ich ja als Dozent an der Musikhochschule und wurde gerade zum neuen Vorstand der Musikalischen Akademie gewählt. Ich werde mich auch im Theater bewegen und die ein oder andere Moderation übernehmen. Ob mich das dann ausfüllt, werde ich erst wissen, wenn ich es sehe. Ich bin ein Gegenwartsmensch.

Im Blick zurück: Wie hat sich die Würzburger Kulturlandschaft in den letzten zwölf Jahren aus Ihrer Sicht verändert?

Engels: Die verändert sich ja eigentlich von alleine. Aber ich habe schon festgestellt, dass das Kulturamt in Öffentlichkeit und Medien viel intensiver wahrgenommen worden ist. Das lag auch daran, dass ein sehr kraftvoller Kulturreferent Dinge aus dem Boden stampfen musste und damit Akzente gesetzt hat. Und natürlich haben (Groß-)Veranstaltungen wie Hafensommer und Straßenmusikfestival dazu beigetragen, dass ein Fachbereich Kultur sich von einer Verwaltungsbehörde zu einem Veranstaltungsmanagement entwickelt hat und damit in der Öffentlichkeit viel präsenter wahrgenommen wurde.

Starker Kulturreferent – und ein starker Kulturamtsleiter?

Engels: Ich konnte feststellen, dass viele Kulturschaffende überrascht und dankbar waren, dass ich von Beginn an sehr viel Präsenz gezeigt habe – nicht nur während meiner Dienstzeit. Die Türen des Kulturamtes standen immer offen, und ich war immer für alle zu sprechen, auch wenn ich nicht immer helfen konnte. Dieses Angebot ist wirklich stark in Anspruch genommen worden.

Klingt nach viel Arbeit.

Engels: Ich habe das alles nie als Arbeit empfunden, sondern als Auftrag und ein Amt, das ich lebe. Das habe ich auch versucht den Künstlern vorzuleben. Ich wollte Kultur nie verwalten, sondern begeistert mitgestalten. Was mich besonders gefreut hat, war, wie sich das Angebot in der Jugendkultur verbreitert hat. Diese Öffnung war etwas neues und hat mir großen Spaß gemacht.

Gab es ein schönstes Erlebnis und worauf hätten Sie lieber verzichtet?

Engels: Es gab viele schönste Erlebnisse. Vor allem das Vertrauen, das mir viele Leute geschenkt haben, gehört für mich zu den schönsten Erlebnissen der letzten zwölf Jahre. Viele Leute sind gekommen, um sich bei mir Rat zu holen. Ratschläge wollte ich aber nicht geben. Denn wie mal ein junger Kollege gesagt hat: „Ratschläge sind auch Schläge“. Ganz besonders gefreut hat mich die Moderation eines Wunschkonzertes des Philharmonischen Orchesters. Das fand genau an meinem 65. Geburtstag statt, was der dirigierende Generalmusikdirektor allerdings gar nicht wusste.

Und negative Erlebnisse?

Engels: Schade fand ich, dass es in den zwölf Jahren nur dreimal gelungen ist eine lange Nacht der Museen zu veranstalten. In anderen Städten boomt das Konzept, hier konnte es sich leider nicht durchsetzen. Die beteiligten Museen haben eben ganz unterschiedliche Interessen und machen meist eigene Veranstaltungen. Sie waren nicht unter einen Hut zu bringen. Leider gab es für die lange Nacht auch keinen eigenen Etat. Super laufen dagegen die Tage des offenen Ateliers, da machen alle mit.

In den letzten Jahren sind Formate wie Hafensommer, Straßenmusikfestival und Junge Philharmonie entstanden. Eine Erfolgsgeschichte?

Engels: Unterm Strich ja. Der Hafensommer ist zu einer echten Kulturmarke geworden. Die Junge Philharmonie war längst fällig. Und es war sehr hellsichtig von der Stadt, das Stramu, ein Festival mit 140 ehrenamtlichen Helfern, zu übernehmen. Neben den etablierten Angeboten gehören solche Veranstaltungen zur Kulturlandschaft einer Stadt wie Würzburg. Das ist aber noch nicht alles. Viele neue junge Akteure haben den Kontakt zu uns gesucht. Ich nennen hier nur den Verein KÖR (Kunst im öffentlichen Raum). Da ist viel Zutrauen entstanden.

Das Mozartfest, eine etablierte Veranstaltung, wandelt sich gerade rasant. Müssten nicht auch andere, schon lange bestehende Kulturformate sich ein Stück weit neu erfinden, um bestehen zu können?

Engels: Wenn damit eine Verjüngung des Publikums gemeint ist, das passiert von ganz alleine. Das U&D hat sich unter dem Einspardruck positiv verändert. Es ist aktueller geworden, aber auch die Qualität ist gestiegen. Das Ringpark-Festival ist ein Format, das von alleine läuft. Oder das Africa Festival: Das ist jedes Jahr anders und trotzdem immer gleich. Der Wandel der Generationen bringt es mit sich, dass sich die Dinge von alleine ändern. Wir müssen nur hellwach sein und es mitkriegen.

Bleiben Sie im sogenannten Ruhestand dem Würzburger Kulturleben erhalten?

Engels: Natürlich, ich könnte gar nicht ohne. Ich würde krank werden, wenn ich nicht mehr im Kulturbereich aktiv wäre. Das ist für mich eine ganz hohe Motivation. Kultur – das ist mein Leben. Ich habe Glück gehabt, das als Dozent, Musiker und Fachbereichsleiter auch umsetzen zu können. Als letzterer vor allem durch die Hilfe derer, die Dinge konnten, die ich nicht gelernt habe.

Gibt es Wünsche, die Sie sich jetzt erfüllen, weil vorher nicht die Gelegenheit dafür war?

Engels: Als Lehrer hatte ich ja schon viele Gelegenheiten und Zeit dazu, über den Tellerrand hinaus zu schauen. Ich war in vielen großen Städten und konnt Dinge erleben, die meine Arbeit befruchtet haben. Im Rathaus hatte ich eine andere Arbeitszeit. Aber ich hatte mich ganz bewusst dazu entschlossen, das Kulturleben vor ort erleben zu wollen. Vielleicht dehne ich künftig meinen Radius wieder aus. Das wird sich zeigen. Ganz sicher werde ich keine Weltreise machen, denn ich wollte noch nie ein Konsumtourist sein.

Ihr Fazit?

Engels: Alles in allem: Ich hätte mir nie träumen lassen, den Beruf des Fachbereichsleiters zwölf Jahre lang auszuüben. Das war eine ganz andere Welt, die mir entgangen wäre, wenn ich Musiker geblieben wäre. Darüber bin ich froh und allen, die daran mitbeteiligt waren, auch sehr dankbar.

Johannes Engels

Der 65-Jährige gehört zu den versiertesten Spezialisten der Flötenmusik des Barock. Engels wurde in Eschweiler geboren, wuchs in Düsseldorf auf und machte in Aachen sein Abitur. Von 1968 bis 1976 studierte er Block- und Querflöte an der Hochschule für Musik Rheinland in Köln. 1978 kam der Musiker als Dozent ans Würzburger Hermann-Zilcher-Konservatorium. Nach der Fusion mit der Musikhochschule im Jahr 2001 behielt Johannes Engels einen kleinen Lehrauftrag und wechselte dann ans Mainfranken Theater, wo er in Öffentlichkeitsarbeit und Marketing tätig war. Im September 2003 wurde Engels Interims-, ab Februar 2004 dann hauptamtlicher Kulturmanager der Stadt Würzburg und Fachbereichsleiter Kultur im Kultur- und Sportreferat.

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