WÜRZBURG

Johannes Hepp zeigt Nackedeis mit Mechanismus

Angetrieben: Propellermann mit neuartiger Kopfbedeckung.
Angetrieben: Propellermann mit neuartiger Kopfbedeckung. Foto: Katja Tschirwitz

In seiner letzten Ausstellung habe er so viel verkauft, dass er fürchtete, die BBK-Galerie im Kulturspeicher nicht mehr füllen zu können. So etwas hört man von einem 29-jährigen Künstler nicht alle Tage. Johannes Hepp, gebürtiger Greußenheimer, lebte nach seinem Kunststudium in Freiburg eine Zeit lang in der Schweiz und ist 2010 nach Würzburg zurückgekehrt. Beim Berufsverband Bildender Künstler Unterfranken hat er nun seine Debüt-Ausstellung.

Der Galerieraum wirkt tatsächlich alles andere als vollgestopft. Doch gerade weil Hepp seine Skulpturen so luftig präsentiert, bringt er die einzelnen Stücke optimal zur Geltung und macht Bezüge sofort sichtbar. Helles Pappel- und Lindenholz, mit der Kettensäge grob bearbeitet, ist sein Lieblingsmaterial: „Es ist leicht zu beschaffen und handzuhaben. Man sieht beim Arbeiten schnell was, aber es bietet trotzdem einen gewissen Widerstand.“

Im Zentrum seiner Arbeiten steht der Alltagsmensch. Ernst und distanziert blicken die Figuren geradeaus ins Leere, von Gemütsregungen keine Spur. Diese Motivwahl und die raue Oberflächenstruktur der teils farbigen Holzskulpturen erinnern zunächst an Stephan Balkenhol. Fast alle Skulpturen hat Hepp jedoch mit einem Mechanismus, einer „Funktion“ ausgestattet.

Zahlreiche Fäden und Drähte lassen das bereits erahnen: Ein nackter Mann wackelt plötzlich mit den Ohren. Die Kopfbedeckung des „Propellermanns“ wird von einer brennenden Kerze angetrieben. Aus den „Kisten zum Ziehen“ treten kleine Figuren, die nach Marionettenart verschiedene Aktionen vollführen: Eine Dame öffnet langsam ihren hölzernen Pelzmantel, darunter trägt sie – nichts. Ein winziger Jonathan Meese, provokanter deutscher Polit-Künstler, reckt den linken Arm zum Hitlergruß. Ein Nackedei stülpt sich einen Stierkopf über.

Solche Tiermasken findet man bei Johannes Hepp öfter. Eine alptraumhafte Magie geht von der massigen Gorillabüste aus, die – schwarz wie die Nacht und von hinten wechselnd beleuchtet – direkt aus der Geisterbahn entsprungen scheint. Ungezählte Gorillas mit dämonisch funkelnden Äuglein bilden die „Affenwand mit Figur“, die Hepp nach eigener Aussage tatsächlich erträumt hat. Mitten im Raum schwebt ein hohler Bärenkopf aus Pappelholz, den man sich aufsetzen kann und auch darf. So lernt man das verwendete Holz auch über die Nase kennen: Es riecht säuerlich, ein wenig vergoren, aber auch irgendwie erfrischend.

Einen Ausflug in den Dadaismus macht Johannes Hepp mit seiner „Urinalkomposition“: Aus einem alten Pissoir, das der Künstler dem ehemaligen AKW abgetrotzt hat, schaut ein anzugtragendes Holzmännchen heraus – ein unverkrampfter Rückgriff auf Marcel Duchamp, der vor 100 Jahren mit einem umgedrehten Herrenpissoir provozierte. Als Ausgleich zur körperbetonten Arbeit mit Holz malt Johannes Hepp Miniatur-Aquarelle von unterschiedlicher, oft humoristischer Thematik. Besonders hübsch: der „Rote-Bete-Sonnenuntergang“.

Übrigens, ess ist ratsam, die Mechanismen der Skulpturen wirklich auszuprobieren. Denn erst so offenbart sich die ganze Fantasie des Künstlers.

Die Ausstellung in der BBK-Galerie im Kulturspeicher läuft bis Sonntag, 7. Februar. Geöffnet ist Freitag und Samstag, 15 bis 19 Uhr, sonntags 11 bis 18 Uhr.

Besetzt: Urinalkomposition mit einem WC-Teil aus dem AKW.
Besetzt: Urinalkomposition mit einem WC-Teil aus dem AKW. Foto: Katja Tschirwitz

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